Kojotenhöhle

Was dich hier erwartet, ist nicht der Versuch, irgendetwas zu umschreiben. Ich nenne die Dinge durchaus beim Namen, auch wenn ich versuche, das niveauvoll zu tun. Und ich versuche außerdem, Geschichten zu erzählen, in denen der Sex ein Teil des Ganzen ist und nicht der einzige Teil. Man findet hier wohl auch Grenzwertiges für manche Geschmäcker. Ob man es als BDSM-artig oder als abartig empfindet, liegt dabei ganz im Auge des Betrachters.

Wenn es dir gefällt, lass es mich wissen. Wenn es dir nicht gefällt, gerne auch. Hinterlass mir einen Kommentar oder schreib es mir per Mail an Mike.Stone bei gmx.net .

Sonntag, 10. März 2013

Blutrache - Teil 05

Blutrache
Eine Fantasy-Legende von Leidenschaft und Lust, Bestien und Blut.
© 2012-2014 Coyote/Kojote/Mike Stone

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Teil 01
Teil 02
Teil 03
Teil 04
Teil 05
Teil 06

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IV.

Zornig kniete sich Skjala über die kleine Kupferschüssel und zwang sich soweit zur Ruhe, dass sie ihre Blase ein wenig entleeren konnte.
Sie war wütend. Auf Vigulf vor allem, aber auch auf sich selbst.
Es hatte ihr einen schmerzhaften Stich versetzt, als sie ihn im Keller der Festung der Geächteten - der zum Tode verurteilten Diener des siebenstrahligen Sterns - gefunden hatte, wie er völlig von Sinnen die angekettet Warmländerin stieß.
Nur in seltenen Momenten völlig intimer Zweisamkeit hatte sie ihren Bruder jemals so unkontrolliert und zügellos erlebt. Er hatte sich sogar teilweise verwandelt, während er das bewusstlose Mädchen wie von Sinnen bestieg.

Es war nicht die Art der Kartaren, sich an Frauen zu vergehen. Und allein das machte sein Verhalten schon unerträglich. Aber noch schlimmer war, dass es nicht ihr eigener Körper war, der unter seinen Stößen - trotz der extremen Beanspruchung durch seine übermenschliche Kraft - ekstatisch zuckte.
Sie fühlte… Eifersucht.
Auch Mitleid bewegte sie, ihren Bruder aufzuhalten und zur Vernunft zu bringen. Aber in allererster Linie wollte sie einfach, dass er innehielt. Dass er aufhörte, sich an der Rothaarigen zu befriedigen.

Die Frau war in einem erbarmungswürdigen Zustand, als Vigulf sich schließlich wieder unter Kontrolle hatte und Skjala half, sie von den Ketten zu befreien.
Man hatte sie ausgepeitscht und gebrandmarkt. Die geschwollenen Blasen in Form des Symbols der Verfluchten befanden sich auf ihrem rechten Schulterblatt, ihrem Bauch, ihrer linken Brust und direkt oberhalb ihres Schoßes.
Es konnte kein Zweifel daran bestehen, dass sie ebenso ein Opfer hatte werden sollen, wie die Kartaren des niedergebrannten Dorfes.

Doch geschändet worden war sie scheinbar nur von ihrem Bruder. Auch wenn es nach seiner wilden Raserei schwer war, noch vorherige Zeichen zu entdecken. Seine Klauen und Zähne hatten Spuren überall auf ihrem Körper hinterlassen. Und sie waren teilweise schlimmer, als die Striemen der Peitschenhiebe.
Wie hatte er sich nur so vergessen können?
Bjorn würde ihn in der Luft zerreißen, wenn er davon erfuhr.

Aber es gab noch Seltsameres an dem zierlichen Frauenkörper. Zeichen, die sie zutiefst irritierten. So waren beispielsweise die Schenkel über und über von ihrem eigenen Lustsaft bedeckt. Und ihr Gesicht zeigte einen Ausdruck entrückten Glücks.
Außerdem hatte Skjala sie gehört. Das hatte sie überhaupt erst in den Keller geführt. Es waren allerdings heisere Schreie der Lust gewesen, die ihre Ohren erreichten und keine Rufe um Hilfe oder Laute der Furcht.
Vigulf würde sich ihr erklären. Und wenn sie ihn dazu zwingen musste. Am besten, während sie seinen Schwanz in ihrem Inneren festhielt und…

Grollend konzentrierte sie sich wieder auf ihre Aufgabe und lenkte ihre Gedanken fort von den Bildern der rasenden Ekstase, die sie vor Kurzem bezeugt hatte. Auch wenn es ihr schwerfiel, während der Geruch von Weibeslust und Mannessamen den ganzen Raum erfüllte.
Scheinbar hatte er sie bald ein halbes Dutzend Mal mit seiner Gabe befüllt. Hoffentlich wusste Ihresgleichen um die Kräuter, mit denen man eine Empfängnis verhütete.

Sorgsam rührte sie mit dem kupfernen Stößel ihren Harn, bis die Flüssigkeit abgekühlt war. Dann tauchte sie ihre Fingerspitze hinein und prüfte, ob es leicht metallisch schmeckte.
Gern hätte sie Kräuterumschläge bereitet, aber wie das trockene Harnpulver war auch der Vorrat an Heilkräutern aufgebraucht. Sie hatten eine lange Reise hinter sich und die Vorräte hätten im Dorf aufgefüllt werden sollen. Doch was sich dort befunden hatte, war den Flammen zum Opfer gefallen. Also würde in Kupfer gerührter Urin reichen müssen, um die Wunden zu reinigen und Entzündungen zu verhindern.
Warum hatte Vigulf sie nur auch noch beißen müssen? Wundbrand würde das dumme, magere Ding in ihrem geschwächten Zustand nicht überstehen.

Unmutig rief sich Skjala erneut zur Ordnung. Es war ungerecht, ihren Zorn auf das Mädchen auszuweiten. Und im Grunde konnte sie verstehen, was ihr Bruder an dem Körper gefunden hatte.
Auch wenn ihr die Muskeln einer Kriegerin fehlten, war sie geschmeidig für eine Warmländerin. Und sie hatte volle Brüste, die im Kampf vielleicht gebändigt werden müssten, aber beim Spiel der Triebe Vergnügen versprachen.
Das lange, rote Haar war strähnig und schweißfeucht, aber es blieb dennoch ein Symbol des Glücks für die Kartaren. Haar wie Blut war eine Seltenheit und ein Segen der Götter, hieß es.

Im Gegensatz zu den meisten Kartarinnen hatte Skjala mehr als nur einen beiläufigen Blick für den Körper einer Frau übrig. Ihre Neugier hatte sie alle erdenklichen Dinge erkunden lassen. Und ihr liebstes Interesse waren die Spielarten der Lust.
Die sonst so verachtenswerten Warmländer hatten in dieser Hinsicht ein beachtliches Wissen angehäuft. Und die Kriegerin war eine gelehrige Schülerin gewesen.
Seitdem sie es zum ersten Mal ausprobiert hatte, waren die zärtlichen und fantasievollen Spiele zwischen zwei oder drei Frauen eine Schwäche von ihr geworden. Es war ganz und gar kein Ersatz für einen harten Speer, aber es war eine willkommene Abwechslung zur gewohnten Kost.
Da die Frauen unter Bjorns Führung daran kein Interesse zeigten, war sie also ein wenig abgelenkt, als sie anfing, die Striemen, Kratzer und Spuren der Bisse zu reinigen. Vielleicht gestattete sie sich sogar, den Körper sehr genau in Augenschein zu nehmen.

Eine weitere Eigentümlichkeit fiel ihr auf, als sie sich wieder in der unmittelbaren Nähe des Rotschopfes befand.
Mehr noch als bei ihrem Bruder waren ihre Sinne auch in reiner Menschengestalt sehr ausgeprägt. Sie hatte die besten Augen und Ohren unter den Kriegern. Und die beste Nase.
Sie konnte keiner Fährte damit folgen, aber wenn sie nahe genug bei jemandem stand, bemerkte sie sogar eine Veränderung im Geruch, wenn die Person log. Und sie roch manchmal, wenn Krankheiten die Ausdünstungen veränderten.
Im Laufe der Zeit hatte sie gelernt, sich außerdem auf ihren Instinkt zu verlassen. Mochte sie den Geruch von jemandem nicht, war es der Wolf in ihr, der ihr mitteilte, dass der Person nicht zu trauen war. Geirrt hatte sich dieser Sinn noch niemals.

Den Geruch des Mädchens mochte sie. Sogar ein wenig zu sehr, wenn sie es recht bedachte. Doch was sie irritierte, war der Hauch von Wald, der ihr anhaftete. Sie roch nach… Baum. Und das hatte Skjala noch niemals bei jemandem wahrgenommen. In dieser Form noch nicht einmal, wenn Männer frisch vom Holzfällen kamen.
Für den Moment musste sie es jedoch einfach dem Rätsel hinzufügen, dass der Rotschopf zu sein schien.

Das arme Ding war völlig weggetreten und reagierte selbst dann kaum, als die Kriegerin die Blasen öffnete und die Brandflüssigkeit absaugte. Was allerdings auch gut war, denn um die Wunden zu versorgen, musste sie die aufgeblähte Haut entfernen und das Fleisch darunter säubern, wie es auch bei den Siegesnarben getan wurde.
Ein schmerzhafter Prozess, der auch Kriegern manchmal ein Zähneknirschen entlocken konnte.

Wenn die Warmländerin überlebte, würde sie auf ihrem Körper vierfach den Beweis dafür tragen, dass sie die Zuwendung der Geächteten überstanden hatte. Sie würde Narben tragen, die sie in den Augen der Kartaren zu einer Kriegerin machten. Und man würde sie für das respektieren, was sie überlebt hatte.
Doch man würde sie auch meiden, denn sie trug nun das Zeichen der Verfluchten. Ohne ihre Schuld würde sie das zur Ausgestoßenen machen. Ein schneller Tod wäre vielleicht gnädiger, als sie diesem Schicksal auszusetzen oder sie fortzujagen zu einem Volk, dem der sichere Untergang drohte.
Aber Skjala wischte diesen Gedanken gleich in dem Augenblick wieder beiseite, in dem er aufkam. Und sie tat das nicht, weil der Rotschopf ihnen vielleicht Fragen beantworten konnte, die für ihre Blutrache wichtig sein mochten. Sie tat es…

Beinahe hätte die Kriegerin erleichtert aufgeatmet, als die Tür aufgestoßen wurde. Zwar konnte sie keine Störung gebrauchen, doch ihre Gedanken hatten eine allzu beunruhigende Richtung eingeschlagen.
Der Eindringling konnte eigentlich nur ihr Bruder sein, den sie ausgesandt hatte, um die Rinde von Weide und Eiche zu beschaffen. Und ein wenig Tannenharz, sofern er welches zu finden vermochte.
Es gab gewiss auch in den Warmlanden wirksamere Heilmittel, doch Skjala hatte weder die Zeit, noch die Kenntnisse, um sie selbst zu suchen. Sie war überhaupt nur deswegen die Geschickteste bei der Versorgung von Wunden, weil sie als Kind ihre neugierige Nase auch aus den Angelegenheiten der Heilerinnen nicht hatte heraushalten können.

„Hast du alles gefunden?“, wollte sie wissen, ohne aufzublicken.
„Ich fand Rinde, doch der Baum wollte kein Harz geben“, brummte nicht Vigulf, sondern Olas.
Irritiert fuhr Skjalas Kopf nun doch herum und sie sah den verlässlichen, aber etwas tumben Krieger mit einem guten Armvoll Rinden im Eingang stehen.
„Wo ist Vigulf?“, fragte sie, plötzlich aus unerklärlichem Grund gereizt.
„Er kümmert sich um Bjorn. Der Hetmann will nicht aus der Berserkerwut fallen.“

Das war zu befürchten gewesen, wie sich die Kriegerin eingestehen musste. Und Vigulf oder sie selbst zurate zu ziehen, war in einem solchen Fall nicht nur weise, sondern auch besser für die Gesundheit der Männer.
Bjorn nahm ohne jeden Zweifel am furchtbarsten Rache an den Geächteten. Und nur die beiden Geschwister konnten es wagen, in seiner tiefsten Wut zu ihm durchdringen zu wollen, während sie den Prankenhieben auswichen, die er blindwütig gegen jeden austeilte, der sich ihm in den Weg stellte.

Wäre sie selbst nicht beschäftigt gewesen, so hätten die Krieger sich ihr zugewandt, denn sie war die rechte Hand des Anführers. Sie war das Besonnenere der beiden Wolfskinder, die es als Einzige wagten, sich dem manchmal starrköpfigen Bjorn ohne Zögern entgegenzustellen.
Den anderen Kartaren waren die Lektionen ihrer Kindheit zu gegenwärtig. Sie reizten den Bären nicht. Und deswegen widersprachen sie ihm auch dann nicht, wenn er frohen Mutes war, aber eine dumme Idee hatte.
Nur sie und Vigulf riskierten einen seiner berüchtigten Stimmungsumschwünge in dem Bewusstsein, ihn irgendwie bändigen zu können. Aber ihr Bruder hatte die Neigung, die oftmals erstaunlich undurchdachten Ideen ihres Freundes begeistert aufzugreifen, solange sie nur genug Kampf und Gefahr versprachen. Und so war die Wahl der Männer für die rechte Hand ihres Anführers auf Skjala gefallen.

„Leg die Rinden dort ab.“ Sie zeigte auf einen Tisch in der Nähe und erhob sich von ihrem Lager, auf das sie die verletzte Warmländerin gebettet hatte. „Hast du wenigstens Eiche und Weide gefunden?“
„Eiche fand ich nicht. Nur… Weide?“, murmelte der Krieger ein wenig verlegen.
„Du weißt, wie Weide aussieht, oder?“, fragte Skjala scharf, als sie sein Zögern hörte.
„Natürlich!“, fuhr Olas auf. „Nur hier im Süden sehen alle Bäume so… anders aus.“

Frustriert verdrehte Skjala die Augen. Er hatte keine Ahnung. Und ausgerechnet ihn hatte Vigulf beauftragt, die Rinde zu beschaffen? Aber vermutlich war niemand sonst in greifbarer Nähe gewesen.
Ein näherer Blick bestätigte ihre Befürchtung, dass sie nicht von einer Weide stammte. Sie sah beinahe aus, wie von einer Buche. Aber nicht ganz. Gereizt griff sie eines der Stücke und besah es genauer.
„Wie sah das Laub des Baumes aus?“
„Rot“, antwortete Olas.

„Die Form der Blätter, du dämlicher Haufen Trollscheiße“, explodierte sie aufgebracht. „Aber brich dir keinen ab. Rote Blätter im Sommer… Rinde wie von einer Buche… Das kann nur…“
Überrascht hielt sie inne und wandte den Blick von dem Krieger ab, der den Kopf einzog und trotzig dreinblickte. Wie in Trance führte sie die Rinde näher zu ihrer Nase und überprüfte, was sie nur vage wahrgenommen hatte.
Rote Blätter und Buchenrinde deuteten auf eine Blutbuche hin. Einen heiligen Baum, aber ohne besondere Heilkräfte. Doch warum rochen die Frau und die Rinde beinahe gleich?
„Ich bin kein Holzfäller, Skjala“, verteidigte sich Olas, aber sie hörte ihn kaum.
„Vielleicht hast du uns in deiner Dummheit einen großen Dienst erwiesen“, murmelte sie abwesend und trat wieder an ihr Lager.

Mehr ihrem Instinkt als einer bewussten Überlegung folgend, legte sie die Rinde mit der feuchten Innenseite auf den Oberschenkel der Frau. Sofort schien diese sich ein wenig zu entspannen. Als sie gleich darauf nachsah, sträubten sich ihre Nackenhaare, denn die Wunden am Bein hatten sofort auf die Rinde reagiert.
„Olas“, raunte sie heiser, „Lauf zu dieser Buche und leg etwas von ihren Wurzeln frei. Bring mir ein Endstück davon. Doch hüte dich, zu viel abzutrennen. Bring mir nur ein Stück. Nicht länger als einen Finger.“
„Bin ich ein Bauer?“, grummelte der Krieger unwillig.
„Du wirst ein Eunuch sein, wenn du nicht tust, was ich dir sage“, fauchte die Kriegerin ungehalten.

Olas brummte etwas Unverständliches, aber er gehorchte. Wie jeder männliche Krieger aus der Sippe des Bjorn kannte er Skjalas Meinung zu der Haltung der Männer gegenüber ‚Weiberarbeiten‘. Und wie die meisten hatte er kein besonderes Interesse daran, sie zu einer ihrer Lektionen zu reizen.
Doch die Kartarin bemerkte nicht einmal, dass er sich auf den Weg machte. Sie vergaß ihn, sobald er aufhörte Widerworte zu geben, und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder der Fremden zu.

Natürlich hatte sie Vigulfs Lust entfacht und seiner Wildheit sogar widerstehen können. Und ebenso natürlich fühlte auch Skjala, wie die Flammenzungen der Triebe an ihrer Haut leckten.
Dryadja nannte man die Baumgeister - die Kinder von Mutter Natur selbst. Und jeder Mann lernte, lange bevor er die erste Hitze in seinem Gemächt verspürte, wie gefährlich sie für ihn waren. Doch den Frauen der Kartaren waren sie Segensbringerinnen.
Ihnen zu Ehren pflanzte eine Mutter einen Baum über der Nachgeburt jedes ihrer Kinder, sobald sie wieder auf die Beine kam.

War die Rothaarige der Geist der Blutbuche, deren Rinde Olas gebracht hatte? Es musste so sein, doch wie hatten die Geächteten sie in ihre Gewalt gebracht?
„Ich hoffe, du wirst auf meine Fragen eine Antwort wissen, wenn du erwachst“, flüsterte die Kriegerin und strich mit der Hand sanft über die roten Haare.
Der Zuneigung zu einem Naturgeist musste sie sich nicht schämen oder erwehren. Immerhin war sie selbst nur eine Sterbliche.

Die Wurzel des Baumes hatte den von Skjala erhofften Effekt auf die Verwundungen. Dabei zuzusehen, wie sich offene Verletzungen und nässender Brand in halbverheilte Wunden verwandelten, war ein erstaunlicher Anblick.
Ungefähr so musste es auf die Krieger wirken, wenn die erstaunlichen Heilfähigkeiten eines Wer - gleich ob Bär oder Wolf - ihn weit schneller wieder auf die Beine brachten, als jedes andere sterbliche Wesen.
Zur Gänze verheilen wollten die Verletzungen nicht, aber nachdem sich die Kartarin sorgfältig um jede Einzelne gekümmert hatte, war sie zuversichtlich, was den Zustand des Wesens anging. Zuletzt kümmerte sie sich noch um die geschundene und von Vigulfs großem Speer gehörig in Mitleidenschaft gezogene Pforte ihrer Weiblichkeit.

Trotz der sorgfältigen Reinigung zuvor quoll noch immer reichlich vom Samen ihres Bruders dort hervor. Doch für den Moment erleichterte ihr das den Versuch, die Wurzel auch im Inneren zur Anwendung zu bringen.
Nicht berücksichtigt hatte Skjala dabei allerdings, wie nah sie der Quelle des betörendsten Duftes kommen musste, den sie jemals an einer Frau wahrgenommen hatte. Und darin vermischt die Lust ihres Bruders zu riechen, war das genaue Gegenteil von hilfreich.

Als die Kriegerin ihre Zunge über die geröteten und geschwollenen Liebeslippen des Waldgeistes gleiten ließ, wusste sie natürlich, dass es falsch war. Wer bluten konnte, war auch sterblich und brauchte demnach Ruhe zur Erholung.
Doch die Verlockung war einfach zu stark. Und der Geschmack, der über ihre Zunge rollte, wischte auch den letzten Rest an Selbstbeherrschung einfach fort.

Wie in Trance glitt Skjala hinter den ruhenden Körper, den sie auf die Seite gelegt hatte, um besseren Zugriff auf ihren Rücken und die Region zwischen ihren Schenkel zu haben.
Ohne Mühe spreizte die die schlanken Beine weiter. Es war beinahe, als würde der Rotschopf sie im Schlaf dabei unterstützen. Und als sie ihre Lippen fest auf den glühenden Schoß presste, war sie sich sicher, dass die Frau erschauerte.
Aber das war ihr nunmehr gleich. Sie lechzte nur noch danach, mit ihrer Zunge so viel von der trunken machenden Mischung aufzunehmen und in ihren Mund zu befördern, wie irgend möglich.

Unwillkürlich verstand sie nun ganz und gar, was in Vigulf vorgegangen sein musste.
Sie konnte nur hoffen, dass sie der Rache des Waldgeistes gewachsen sein würde, wenn dieser wieder bei Kräften war und die Geschwister für ihre Triebhaftigkeit bestrafte.
Doch bis dahin…

„Oh Göttin…“, seufzte die Frauengestalt plötzlich überraschend und schlanke Finger fuhren zärtlich von vorne in Skjalas Haare. „Ich hatte gebetet, in dein Paradies einzugehen…“
Die Worte mochten keinen Sinn ergeben, doch sie klangen alles andere als entmutigend für die Kriegerin. Sie klangen im Gegenteil sogar sehr ermutigend.
Mit aller verbliebenen Sanftheit ließ sie daher ihre Hände über die Seiten ihrer unerwarteten Gespielin gleiten und tastete sich über ihre Hüften vor bis zur Vorderseite ihres Schoßes. Dort konnte sie nicht nur stützend die Schenkel noch ein wenig weiter spreizen, sondern hatte auch Zugriff auf die kleine Perle, die bei bislang noch jeder Frau die süßesten Lustgefühle hervorzurufen vermochte.

Gleichzeitig fing Skjala an zu saugen und wurde mit einem Schwall Flüssigkeit belohnt, der immer mehr nach Weib und Wald schmeckte, ohne dabei den Hauch von Manneslust zu verlieren.
„Oh… Ohh… Ooohh!“, quittierte die Stimme heiser ihre Bemühungen und das stoßweise Vordringen ihrer kräftigen Zunge in den Schoß.
„Hahh!“, japste sie dann erfreut und krallte mit der Hand in Skjalas Haare, als die außerdem sachte mit dem Finger über die Lustperle streifte.

Eigentlich hätte der Rotschopf wund und zu Tode erschöpft sein müssen. Aber stattdessen schien sie so empfänglich und willens wie keine Frau, die der Kartarin bislang begegnet war.
Doch für einen Waldgeist mochte sie ja sogar ungewöhnlich zurückhaltend sein. Woher sollte eine Kriegerin das wissen? Und was sollte es sie kümmern, solange ihre Aufmerksamkeiten willkommen waren?

Konzentriert erkundete Skjala mit der Zungenspitze die Falten der Weiblichkeit des Naturgeistes und verlor sich beinahe in der Macht des Geschmacks. Aber die hektischen Atemzüge und das Zittern des Körpers in ihren Armen hielten sie gerade eben so im Hier und Jetzt, wo es in ihrer Macht lag, Lust zu bereiten.
Ihre Erfahrung ließ sie zwei Finger ihrer Hand um die kleine Perle am Ansatz der Spalte legen und mal sanft, mal fester, Druck darauf ausüben. Sie selbst schätze das Gefühl dieser Berührung sehr, auch wenn es weniger intensiv war, als die direkte Reibung an dieser besonders empfindlichen Stelle. Und sie hatte gelernt, wie die Dinge, die sie selbst schätzte, sich meist hervorragend auf den Körper einer anderen Frau anwenden ließen.
Nicht anders, als die Erfahrungen im Umgang mit Männern auch oft von einem zum anderen übertragbar waren.

Ihre freie Hand fand wie von selbst den Weg zur Brust der Dryadja und wurde dort bereits sehnsüchtig von einem erwartungsvoll verhärteten Krönchen erwartet. Schon ein sachtes darüber Streifen entlockte der Frau ein wollüstiges Stöhnen.
Filigrane Finger legten sich über ihre raue Kriegerhand und ermutigten sie dazu, fester zuzugreifen, als sie es von sich aus gewagt hätte. Der Weiber Spiel war meist ein sanftes Locken und Necken auf einem langen Weg zur Erfüllung. Doch dieses Mal wohnte dem Ganzen eine unbestimmbare Dringlichkeit inne.
Es war, als würde in dem zerbrechlich wirkenden Körper ein Feuer brennen, dass dem der Kampfeslust in Nichts nachstand. Nur war es nicht aufs Töten ausgerichtet.

Skjala hatte schon vor langer Zeit gelernt, dass diese Art von Flamme genährt werden konnte. Im Kampf kam es darauf an, schnell und sauber zu töten. Aber im Spiel der Triebe bargen kleine Grausamkeiten einen wunderbaren Lohn, denn sie verlängerten nicht nur die Lust, sondern verstärkten auch die abschließende Erlösung.
Daher folgte sie der Forderung nach mehr Nachdruck nicht, sondern zog sich sogar wieder ein wenig zurück. Statt zuzupacken, umkreiste sie nur neckend den kleinen Kern an der Spitze der vollen Brust und ihre Zunge ließ sie von der Quelle der Weiblichkeit fortwandern.

Aus dem frustrierten Murren wurde ein erstauntes Keuchen, als sie sich mit dem Mund immer weiter nach hinten bewegte und schließlich die andere Pforte erreichte. Die Lustgefühle veränderten sich an dieser unreinen Stelle, wie sie sehr genau wusste. Und selbst dem Baumgeist schien nicht allzu vertraut, dort von Lippen und Zunge besucht zu werden.
Doch sie wich nicht zurück, wie es manch andere Frau getan hatte. Sie verharrte bewegungslos und hielt den Atem an. Überrascht vielleicht, aber auch erwartungsvoll.
Und dann stöhnte sie aus tiefster Kehle, als Skjala ihre Zunge erneut zum Einsatz brachte.

„Oh, Göttin“, hauchte sie. „Ich hatte keine Ahnung von dieser Stelle…“
Ganz im Gegensatz zu den wenigen Frauen, die in den Augen der Kriegerin sauber genug waren, um diese Spielart mit ihnen zu erkunden, reagierte die Frau völlig unbefangen. Beim ersten Mal auf diese Weise waren es meist Scham und Unsicherheit, die überwunden werden wollten. Doch der Rotschopf gab sich ihr weiter hin.
Freigiebig reckte sie ihr den Hintern entgegen und entspannte sich sogar so sehr, dass es Skjala gelang, ein wenig mit der Zunge in die Hinterpforte einzudringen. Und das tat sie, denn nichts an diesem Körper wirkte auf sie unrein, obwohl sie keine besondere Sorgfalt auf diese Region bei ihrer Reinigung gelegt hatte.

Deutete Skjala die Zeichen richtig, so stieg die Lust des Waldgeistes auch bei dieser Spielart unaufhaltsam weiter der Erfüllung entgegen. Ein winziger Stich des Neids darauf, so spielend einfach diesem Gipfel der Lust nahezukommen, wurde schnell von der Begeisterung fortgeschwemmt, auf dem Frauenkörper wie ein geschickter Skalde auf seiner Flöte spielen zu können.
Und die Kriegerin spielte. Sie genoss die Töne, die sie der Kehle der anderen entlockte. Und die Schauer, die dieser über den Körper liefen, wenn sie ihre Hände wieder auf Wanderschaft sandte.

Bald wurde der Atem der Dryadja flacher und schließlich keuchte sie abgehackt, als sie dem Gipfel immer näherkam. Skjala trieb sie voller Freude vorwärts auf die süße Klippe zu.
Sie schnappte mit den Fingern nach den steinharten Kernen auf den Brüsten, strich um die Perle der Lust, rieb darüber oder schnippte sogar mit dem Finger darauf. Und sie ließ ihre Zunge immer wieder zwischen den Pforten der Lust hin und her wechseln.
Solange jedenfalls, bis sich der Duft des Waldes mit einem Mal verstärkte und der Körper des Wesens sich anspannte, bis sie einer Bogensehne glich.

Neugierig achtete die Kartarin noch auf die kleinste Regung, denn wie ein übernatürliches Wesen den Gipfel erreichte, hatte sie noch niemals gesehen. Doch ohne ihre reizenden Finger schien der Körper unfähig, den letzten Schritt zu machen.
„Bitte“, winselte sie wie ein hilfloses Kind. Sie flehte um Erlösung. Und Skjala war diejenige, die ihr dies gewähren konnte. „Bittebittebitte…“

Berauscht von einem Gefühl der Macht und… Zuneigung senkte die Kriegerin ihren Mund über den Quell der Weiblichkeit und küsste diesen Hort einmal sanft. Ein ersticktes Japsen war die Antwort.
Dann saugte sie den Schoß mit aller Kraft in ihren Mund und presste ihre Zunge so tief hinein, wie sie es vermochte. Kraftvoll vereinte sie die Lippenpaare, bis ihre Nase sich fest auf die Lustperle presste.
Ihren Lohn erhielt sie im nächsten Augenblick.

Wahrhaftig wie eine Quelle sprudelte es aus dem Waldgeist hervor. Es war ein Quell reiner Lust. Und reiner Natur. Ein Quell des Lebens, der sich in die Kehle der Kartarin ergoss.
Was den Männern in kalten Winternächten von ihren Vätern verheißen wurde und sie veranlasste, trotz aller Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit der Geister des Waldes die Dryadja zu suchen - ihr lebensverlängerndes Wasser der ewigen Jugend - wurde ihr aus freien Stücken geschenkt.
Sie war entschlossen, keinen Tropfen von diesem Geschenk zu verschwenden. Zumal es süßer als der süßeste Met oder Wein schmeckte.

So versunken war die Kriegerin in ihren Trunk, dass sie einen ganzen Herzschlag brauchte, um das plötzliche Grollen von der Tür aus richtig zu identifizieren.
Es war ein Wer, der dort knurrte!


*****

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Montag, 4. Februar 2013

#Aufschrei - The next Level


Wenn ich ins Netz gehe, kann ich dem Thema kaum entgehen. Und weil ich bin, wie ich bin, kann ich nicht verhindern, dass mir die Galle hochkommt. Ähnlich wie es all den armen Opferlämmchen und Trittbrettfahrern der Thematik wohl auch geht.

„85 Prozent der Frauen und 75 Prozent der Männer“, schreibt der Focus heute, „finden die Sexismus Debatte überfällig.“
„Fünfundachtzig Prozent der Frauen“, meint ein Reporter in einem Beitrag zum Thema Sexismus bei Promis, „weil sie alle vermutlich schon damit Erfahrungen gemacht haben.“

‚Bullshit!‘, denke ich mir.
Es ist wohl mal eher so, dass 100 Prozent aller Frauen schon mal irgendwie mit unpassenden Bemerkungen konfrontiert wurden.
Nein, warte… Nicht ‚unpassend‘, denn das ist die Wertung der Gesellschaft. Ich nenne es mal beim Namen: Es sind geschlechtsspezifische Aussagen, die sich auf weibliche Körpermerkmale und/oder Klischees über Frauen beziehen.
Und diesen Aussagen begegnet man bereits in der Kindheit, wenn es ums Spielen mit Matchbox-Autos oder Puppen geht.

Ein wichtiger Punkt dabei ist aber: Diese Scheiße fließt in beide Richtungen den Berg hinauf. Männer-Klischees sind allgegenwärtig und werden gerade in dieser verfickten Debatte zuhauf ausgegraben.
Es wird also durchaus aus einem Glashaus mit ganz schönen Pflastersteinen geworfen.

Meine persönliche Meinung dazu ist: So what?!
Anzüglichkeiten, Klischees und sexuelles Interesse sind Teil der menschlichen Kommunikation. Ohne sie gäbe es praktisch keine Fortpflanzung und sie unterstreichen den Unterschied zwischen den Geschlechtern.
Werden sie als Machtinstrument missbraucht, verurteile ich das. Aber ich verurteile verdammt noch mal alles, was so missbraucht wird. Von rhetorischen Mitteln bis hin zu blanker Gewalt. Da geht es um Machtmissbrauch und nicht um eine Geschlechterfrage.

Die Art, wie in der aktuellen Diskussion mit der Thematik umgegangen wird NERVT.
Und zwar gewaltig.
Natürlich kann man jede Situation, in der bei einer Unterhaltung eine Klischee-Formulierung verwendet wurde, auch als Sexismus auslegen. Aber Fakt ist nun einmal, dass ein „da haben sie wohl mal wieder nur ans Schuhe kaufen gedacht, Frau Müller“, in die gleiche Kategorie fällt wie ein „da waren sie wohl mal wieder in Gedanken schon beim Fußballspiel heute Abend, Herr Meier.“ Der Subtext beider Botschaften ist nicht geschlechtsspezifisch, sondern hat was mit Aufmerksamkeit gegenüber einer Sache zu tun, die nicht aufgebracht wurde.
Das ist kein Sexismus, sondern Umgangssprache. Und beide Aussagen beinhalten ein Körnchen von „du bist dumm, Mensch, dem ich das gerade sage.“
Wenn das jetzt unter Strafe gestellt wird, dann gute Nacht.

Was diese Debatte bringen könnte, wenn sie nicht zu einer Schlammschlacht der Männlichkeit und Weiblichkeit verkäme, wäre eine neue Wahrnehmung der Kommunikation. Eine Erkenntnis darüber, dass alle Menschen verbal oftmals Diskriminierung ausgesetzt sind. Dass dies irgendwie auch normal ist. Und wie man vielleicht neu damit umgehen lernen könnte. Sodass es sich womöglich ein wenig abbaut.
Aber was wir bekommen, ist nur ein Krieg der Geschlechter. Und zwar einer, bei dem ich auch langsam sauer darüber werde, immer über einen Kamm mit dem letzten Dorfdeppen (was übrigens eine Diskriminierung der Landbevölkerung darstellt) geschoren zu werden.
Und überhaupt… Was kann der Kamm dafür? Wieso diskriminiere ich jetzt auch noch die Friseure?
Ich Arsch!
Ach ne… Das wäre eine Diskriminierung des menschlichen Hinterteils. Und wieso ist das überhaupt ein Hinterteil? Wieso darf es nicht vorne sein? Ist ‚hinten‘ nicht auch schon eine Herabwürdigung? Mit welchem Recht wird der Hintern an hintere Stelle gesetzt?

Komm mal klar, Deutschland.
Du galoppierst nämlich gerade in eine Richtung, in der wir am Ende alle gar nicht mehr miteinander reden, weil es ja fasch aufgefasst werden könnte.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Die zweischneidige Inspiration


Komischer Titel. Ich weiß…
Mir geht es nicht um den Begriff der Inspiration, sondern um eine ganz bestimmte Inspiration. Nämlich Lindsey Stirling.

Lindsey Stirling ( Crystallize)
Website: http://lindseystirlingviolin.com 


Ganz ehrlich: Ich liebe das, was diese Frau tut.
Ich würde sie nicht heiraten. Ihre und meine Lebensgrundsätze dürften nicht wirklich kompatibel sein. Aber ich würde jederzeit für sie eine Hand ins Feuer halten, denn ich schulde ihr eine Menge. Und zwar eine Menge wunderbare Momente.
Ich liebe Violinenklänge. Wenn eine Frau den Bogen führt.
Und von den Violinistinnen ist mir neben Máiréad Nesbitt eben Lindsey Stirling am liebsten. Weil sie einfach wunderbar ist.
Was nicht nur an der Qualität ihres Spiels liegt, sondern auch an ihren eigenen Kompositionen und ihren Interpretationen der Stücke anderer Leute. Und - da bin ich ganz ehrlich - an ihrem Aussehen, ihrer Körpersprache und ihren Bewegungsmustern.

Máiréad Nesbitt sehe ich auch gerne zu. Die hat Feuer.
Aber Lindsey hat etwas Hypnotisierendes. Die Gesamtheit ihrer Musik, ihrer Bewegungen und ihres Sinns für den perfekten Background fängt mich ein und lässt mich nicht wieder los.
Und hier liegt auch das Problem.
(Jap. Ich habe ernsthaft genau bis hierhin gebraucht, um den Bogenschlag zum Titel dieses Posts zu schaffen. Und wer das nicht versteht, sollte mal Crystallize von Lindsey Stirling anwerfen und dann versuchen, nicht ins Schwärmen zu geraten. ;-) )

Das Problem ist, dass ich einfach nicht ‚nur‘ zuhören kann, wenn ich ihre Musik höre. Ich will zuhören und zusehen und kann mich nicht losreißen. Ich habe tausend Ideen und Gedanken und komme sofort in die perfekte Stimmung, um beispielsweise Fantasy zu schreiben. Aber ich kann nicht gleichzeitig schreiben und ihr zusehen.
Mal davon ab, dass ich nicht blind schreiben kann, kann ich mich auch einfach nicht auf das Formen der Worte konzentrieren. Ich flitze zu schnell durch meine Gedankenwelt und bin völlig abwesend.

Lindsey Stirling bietet mir also Inspiration. Mehr als sehr viele andere Künstler. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl ihrer Werke vermutlich absolut am meisten. Und trotzdem packe ich es nicht, ihr eine Geschichte zu widmen, obwohl es für Dutzende Material gäbe.
Sie inspiriert mich, hält mich aber gleichzeitig davon ab, die Inspiration auch umzusetzen. Ich schaffe es nicht mal, die Stimmung zu bewahren und nach dem Hören zu schreiben, denn ich muss einfach noch ein Stück hören und sehen, wenn ich die Zeit habe. Und dann noch eines und noch eines. Bis ich eben keine Zeit mehr habe. Weder zum Schreiben noch zum Hören.
Deswegen das zweischneidige Schwert.

Wie man sich denken kann, ist das keine Beschwerde im eigentlichen Sinn. Ich genieße es viel zu sehr, einfach nur meinen Gedanken nachzuhängen und nichts zu tun, als zu träumen. Lindsey schafft es, meinen Kopf von all den zusätzlichen Gedankenschichten freizumachen, die mich sonst immer terrorisieren. Ihr kann ich meine volle Aufmerksamkeit ganz ohne Anstrengung widmen. Was ich sonst nur hinbekomme, wenn eine zwischenmenschliche Situation mich und all meine Fähigkeiten wirklich fordert.
Und für diese Zeit des Träumens und Schwebens und Genießens bin ich immens dankbar. Nur eben mit diesem einen, kleinen Wermutströpfchen.

Hmm… Erwähnte ich, dass die Kleine auch noch singen kann? Das ist fast schon unfair. Im Grunde hat sie wirklich alles, was ich an einer Frau begehrenswert finde. Und trotzdem würde ich sie - gäbe man mir einen Wunsch frei - lieber spielen hören, als flachlegen.
Crazy…

Naja… Vielleicht bringe ich den einen oder anderen hiermit auf ihre Spur. Wer sie noch nicht kannte, sollte sich unbedingt das folgende Lied anhören und ansehen:

Awesome ist nicht im Ansatz stark genug, um es zu beschreiben. Dabei könnte ich ernsthaft religiös werden.

Traumhafte Minuten mit ihr wünsche ich.
In diesem Sinne…

Mittwoch, 30. Januar 2013

#Aufschrei


Jaja… Ich weiß. Jeder Depp muss darüber bloggen.
Bin ich halt auch so ein Depp…

Wem bei den Diskussionen zu diesem Thema bereist beim Titel die Galle hochkommt, der liest auf eigene Gefahr weiter. Ich stehe zu meiner Meinung und bin für eine Diskussion darüber durchaus offen. Und ich bin auch absolut imstande, mich auf eine Schlammschlacht einzulassen.
Lesen und kommentieren auf eigene Gefahr. ;-P

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Durch Deutschland geht ein Aufschrei.
Die ganze Nation ist in Aufruhr. Etwas Erschütterndes ist geschehen. Es geht um Diskriminierung, Belästigung und vielleicht sogar Mobbing. Das Thema ist Chauvinismus und bringt Feministinnen in Rage. Vielleicht reden wir sogar über sexuelle Nötigung. Oder am Ende womöglich über den Beginn von Missbrauch und Vergewaltigung.

Die ganze Sache dreht sich um einen Mann namens Rainer Brüderle. Dass er hochrangiger Politiker ist und sein armes Opfer eine Journalistin, ist natürlich nur Zufall. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass es sich um einen Mann und eine Frau handelt. Da liegt der Hase im Pfeffer.
Im Ausland fragt man sich, wenn man die Wellen sieht, die diese erschreckende Affäre verursacht: Ist dieser Brüderle ein neuer Strauss-Kahn?
Die Wahrheit ist noch viel erschütternder!

Rainer Brüderle tat, was niemand in der modernen Welt für möglich gehalten hätte. Nach einer Veranstaltung wagte er es, sich der armen Reporterin zu nähern. An einer Hotelbar. Man stelle sich allein die traumatisierende Wirkung der Umgebung an dieser Stelle schon einmal vor, um auf das Kommende vorbereitet zu sein.
Er sprach sie an, ohne noch ein weiteres Mal nachzudenken. Machte ihr Komplimente, wie sie mit ihrem Aussehen beispielsweise auch in einem Dirndl - für welches man ja bekanntlich ein wenig Holz vor der Hütt’n brauchen kann - eine gute Figur machen würde. Gab ihr Handküsse und wollte sogar noch ein wenig näher treten. Die Distanz eventuell unter eine Armlänge Abstand bringen.
Plump, in womöglich schon fast ein wenig senil-gutgläubiger Altherren-Weise und völlig ohne jede Empathie dafür, dass der erotische Funke bei seinem Gegenüber so gar nicht zünden wollte, baggerte dieser schreckliche Mensch einige Minuten lang herum, bevor eine Assistentin ihn endlich von seinem armen Opfer wegführte und ihn ins Bett schickte.

An dieser Stelle beugt sich nun der Amerikaner oder Engländer vor und harrt gespannt der skandalösen Enthüllung dessen, was danach geschah. Der Franzose zieht eine Augenbraue hoch und denkt sich bereits, dass er es ja schon immer über den Deutschen gewusst hat. Und der Russe fragt sich, wieso die Frau nicht schon längst auf den Knien ist und ihren verdammten Job macht.
Alle sind gespannt und warten auf das, was zweifellos kommen muss, um den Aufschrei zu rechtfertigen. Hat der schreckliche Politiker sie nur…? Oder machte er danach auch noch…? Hat er sie nur einmal…? Oder dutzendfach…? Entführte er sie irgendwohin? Oder passierte es im Hotel?

Dummerweise ist die Geschichte, die Anlass für den Aufschrei bot, an dieser Stelle vorbei.
Rainer Brüderle hat sich wie ein stumpfer oder angetrunkener Volltrottel in Sachen Flirts verhalten. Und sein Opfer hat nach einem Jahr harter Bewältigungsphase endlich den Mut gefunden, sich zu äußern. Zufällig im deutschen Wahlkampfjahr schafft sie es nun, das Vorzeigegesicht der FDP für das anzuklagen, was er ihr angetan hat.
Deutschland ist natürlich empört. Wie konnte er es wagen. Wie konnte sich dieser Abschaum nur allen Ernstes auf amouröse Weise einer Frau nähern. Pfui Deibel!

Die Diskussion über die Schandtat hangelt sich von Siedepunkt zu Siedepunkt. Feministinnen fordern ein generelles Redeverbot für Männer und wer männlichen Geschlechts ist und nicht versteht, was der ganze Aufriss soll, könnte ebenso gut zugeben, ein Taliban zu sein. Wobei das dann noch das kleinere Übel wäre.

Aber… Worum dreht sich die ganze Sache eigentlich?
Was bringt die Leute - mal abgesehen von den Feministinnen, die ohnehin immer dort sind - so auf die Palme?
Was geht ab in Deutschland?

Würde jemand die Sache mal objektiv beleuchten, ginge es vermutlich darum, dass in einem professionell-beruflichen Umfeld gewisse Kumpeleien und Anzüglichkeiten nicht gerade optimal platziert sind.
Natürlich ist es eine Sache, wenn eine Reporterin von einem charmanten und attraktiven Politiker angeflirtet wird, der vielleicht auch auf ihre nonverbalen Signale reagiert hat. Da kann aus einem Flirt dann auch durchaus mehr werden, selbst wenn die Berufsgruppen einander ein wenig skeptisch gegenüberstehen.
Aber wenn ein alter Sack - Verzeihung Rainer, aber so siehst du nun mal aus - sich einer jungen, knackigen Powerfrau nähert, dann ist da oft wenig erotische Spannung.

Nun könnte man von einer fest im Berufsleben stehenden und in der Öffentlichkeit mit anderen Menschen arbeitenden Person eine gewisse Souveränität erwarten. Ein Rainer Brüderle sollte sich nicht so verhalten, wie er es getan hat. Und sein armes Opfer hätte vielleicht einfach nur klar und deutlich sagen sollen, wie unwillkommen ihr die Annäherungsversuche sind. Selbst wenn es sich vielleicht sogar nur um einen völlig misslungenen Versuch lockerer und offener Konversation gehandelt haben sollte, kann man in einem Gespräch durchaus um eine Veränderung der Ebene bitten.
Aber wir haben es mir einer Situation zwischen Mann und Frau zu tun. Und da sind nun einmal andere Regeln zu beachten.

Oder?
Ich meine…
Wenn ich mir die Sache so ansehe und dann auf meinen Umgangston und mein Leben schaue, dann behandele ich Frauen und Männer gleich. Ich mache Witze über männliche Unzulänglichkeiten. Und über Weibliche. Ich benutze Anzüglichkeiten gegenüber Männern und Frauen. Und ich flirte sogar trotz gefestigter Heterosexualität manchmal mit Männern. Aus Spaß an der Sache, wenn sie schwul sind. Und aus reiner Boshaftigkeit, wenn sie homophob sind.
Ich gestehe jedem Menschen das Recht zu, sich von mir auszubitten, so etwas zu unterlassen. Wenn jemand schlechte Erfahrungen gemacht hat, respektiere ich das. Man muss es mir nur irgendwie mitteilen und gut ists.
Ähnlich ist es in Flirtsituationen. Auch mit noch so guten Antennen und Empathie trete ich mal jemandem näher, als diese Person das gerade möchte. Ein einfaches Wort reicht aus, um die Distanz wieder zu vergrößern. Und da wir Menschen keine Gedankenleser sind, kann ich dieses Wort auch erwarten, finde ich.

Würde ich dem Konsens der einen Seite der unseligen Aufschrei-Diskussion folgen, dürfte ich keine Frauen mehr unaufgefordert ansprechen. Ich müsste komplett davon Abstand nehmen. Und nur weil ich persönlich kein Problem damit habe, auch mal plump von einer Frau angemacht zu werden, dürfte ich diese Sichtweise keinesfalls auf andere projizieren.
Dabei spielt es keine Rolle, dass dieser Standpunkt letztlich die Fortpflanzung der Menschheit fast unmöglich machen würde, solange nicht irgendwann T-Shirts mit Wechselaufschrift in Mode kämen, die entweder einen Flirt erlauben oder ihn ablehnen. Und selbst bei solchen Shirts wäre dann noch zu differenzieren zwischen willkommenen Flirtpartner und der unwillkommenen Sorte, die natürlich als solche weiterhin kriminell wären, wenn sie einen Flirt mit jemandem suchen, der das nicht will…
Unaufgeforderte Kontaktaufnahme außerhalb einer streng sachlichen und immer zu eintausend Prozent politisch und korrekten und völlig entgenderfizierten Rahmen wäre dann eine Straftat. Knast für drei bis fünf Jahre oder so.

Die andere Seite der Diskussion wird von ihren Gegnern gerne gleich pauschal in die Sexismus-Ecke geschoben.
Wer all das übertrieben findet und ganz banal meint, die Reporterin solle sich mal nicht so anstellen, ist ein Schwein. Egal ob männlich oder weiblich. Aber wenn männlich, sollte dieses Schwein kastriert und dann erschossen werden.
Egal, ob ich also mit Argumenten dagegenhalte, die etwas damit zu tun haben, dass Frauen nicht weniger sexistisch sind als Männer oder ob ich eine völlig geschlechtsunspezifische Sichtweise dazu habe, bin ich ein Schwein, weil ich nicht mit Aufschreie.
Und deswegen tue ich das nun.

Mein Aufschrei:
Ich liebe Frauen, WEIL sie anders sind. Wären sie genau wie Männer, wären sie langweilig. Ich mag Brüste und sehe sie mir gerne an. Ebenso wie Popos oder Muschis. Oder weibliche Gesichter. Oder Frauenfüße.
Ich finde, Frauen sollten anders behandelt werden als Männer. Nicht im Büro, denn die Arbeit da ist tatsächlich wenig geschlechtsspezifisch. Aber im privaten Rahmen.
Sicherlich halte ich auch Männern mal die Tür auf. Aber bei Frauen tue ich es einfach lieber, weil mir ihr dankbares Lächeln einen Tick mehr bedeutet. Und ganz nebenbei habe ich auch unheimlich gerne Sex mit Frauen. Finde ich toll.

Frauen sind etwas Besonderes.
Männer auch, aber da ich ein Mann bin, ist diese Besonderheit nicht so interessant.
Und ganz nebenbei sind auch Asiaten oder Afrikaner etwas Besonderes. Sie sind nicht exakt gleich wie Leute aus meinem Kulturkreis. Und das ist verdammt noch mal gut so.
‚Vive la différence‘, sagt der Franzose. Und in diesem Zusammenhang weiß der, wovon er redet.

Liebe Frauen
Bleibt bitte weiblich und anders als die Männer. Lästert in euren privaten Kreisen und reduziert Männer auf ihre körperlichen Merkmale. Das ist okay. Lasst euch nicht einreden, es sei anders. Aber akzeptiert bitte auch, dass wir Männer manchmal einfach weniger diskret sind.
Ja. Ihr seid uns in dieser Hinsicht über. Und das ist auch gut so. Dafür sind wir stark genug, euch mal auf Händen zu tragen. Und wenn ihr ehrlich seid, gefällt euch das nicht weniger, als es uns Männern gefällt.
Lasst euch nicht darauf ein, die Geschlechterunterschiede abzubauen. Und lasst euch bitte nicht vor den Karren des feministischen Rachefeldzuges als Gegenschlag für Jahrtausende der Unterdrückung spannen.
Dieser ganze Kram ist Bullshit.

Diskriminierung ist keine Frage des Geschlechts, sondern eine Frage der Macht.
Menschen mit Macht diskriminieren Menschen ohne Macht. Dauernd. Das ist eine unselige aber nichtsdestotrotz wahre Realität des Lebens. Es geht nicht um das Geschlecht, sondern um den Machtfaktor.
Gegen Diskriminierung zu sein bedeutet, sich für die Unterdrückten starkzumachen. Und zwar am besten in jedem einzelnen Fall, bei dem diskriminiert wird. Pauschalisierungen klingen nämlich nur schön, helfen aber niemandem.

Manchmal ist Diskriminierung sexistisch. Manchmal ist sie rassistisch. Manchmal einfach ‚nur‘ kapitalistisch.
Aber jeder Versuch, irgendeiner Gruppe besondere Rechte einzuräumen, um sie vor Diskriminierung zu schützen, gibt immer nur einigen wenigen, die im Besitz von Macht sind, noch mehr Möglichkeiten zur Diskriminierung.
Gesunder Menschenverstand, klare und im Zweifelsfall auch überdeutliche Kommunikation in Worten und gegenseitiger Respekt sind alles, was wir Menschen für den Umgang miteinander brauchen.

Wer diese Voraussetzungen nicht aufbringt, ist kein Sexist, sondern ganz einfach ein Dummkopf. Und vermutlich auch ein Arschloch.
Aber strafbar ist das nicht. Es ist ‚nur‘ scheiße. Und wenn sich jemand scheiße benimmt, dann kann man die Beschäftigung mit dieser Person ganz einfach einstellen.

So viel dazu.

Und weil ich weiß, wie ein ganz bestimmtes Gegenargument in dieser Sache aussieht, dazu noch ein Wort oder zwölf:
Es geht NICHT um Missbrauch.
Missbrauch ist aus gutem Grund strafbar und das soll auch so bleiben.
Aber wir brauchen keine Doppelverurteilung von Missbrauch. Es ist egal, ob der Missbrauch zwischen Mann und Frau, Erwachsenem und Kind oder Arbeitgeber und Arbeitnehmer stattfindet. Missbrauch ist ein Verbrechen. Und keine Konstellation macht dieses Verbrechen verabscheuungswürdiger, denn es ist bereits absolut verabscheuungswürdig. Es gibt keine Steigerung für die Verabscheuungswürdigkeit von Missbrauch, weil die bereits ganz oben an der Spitze aller Verabscheuungswürdigkeiten liegt.

Ich bin GEGEN den Versuch, Missbrauch schwerer zu werten, wenn er gegenüber einer Frau oder einem Kind stattfindet, weil JEDER Missbrauch bereits am schwersten wiegt.
Und ich bin absolut NICHT der Meinung, dass der Fall Brüderle auch nur das allergeringste mit Missbrauch zu tun hat.
Da dreht es sich nur um Dummheit. Und um Politik…

Samstag, 19. Januar 2013

Kissed a Girl


Kissed a Girl
Eine Kurzgeschichte, deren Thema sich  - ausnahmsweise - am Titel orientiert

Zu dieser Geschichte habe ich eigentlich nur eine Anmerkung: Es geht um Gefühle und weniger um Körperlichkeiten. Wenn eine Story ohne expliziten Sex für dich also Zeitverschwendung ist, kannst du mit dem Lesen an dieser Stelle aufhören.

Für mich ist es einfach 'mal was anderes'. Und außerdem musste ich die Geschichte schreiben, denn sie drängelte sich dazwischen, als ich eigentlich gerade was anderes bearbeiten wollte.

Die Schuld trägt jemand mit dem Pseudonym Boelker, der mich um ein paar Ecken auf die Idee brachte.


*****


Thomas reckte den Arm nach oben und schlagartig herrschte Stille im Klassenraum.
Die hitzige Diskussion zwischen Mädchen und Jungs hatte mit einem Mal ein Ende und alle starrten seine Hand an. Oder genauer gesagt das, was sich darin befand.

Auf dem Bildschirm des Smartphones war das Innere einer Disko zu erkennen. An einer Säule, direkt vor der Kulisse der Körper auf der Tanzfläche, standen zwei Frauen. Sie redeten. Aber es war entweder ein sehr vertrauliches Gespräch oder doch schon fast etwas ganz anderes.
Tina wurde rot, als sie die Szene sah. Sie erkannte die gefilmte Situation natürlich sofort. Immerhin war sie eine der Hauptdarstellerinnen. Und abgesehen davon würde sie diesen Abend bestimmt auch aus anderen Gründen nicht so schnell vergessen.
Was nun leider auch für alle ihre Klassenkameraden galt.

Die versammelten Schüler der Abschluss-Klasse des Gymnasiums starrten wie hypnotisiert auf die Aufzeichnung. Selbst dem größten Trottel und Spätzünder konnte nicht entgehen, wie sich die Finger der beiden Frauen vorsichtig fanden. Den meisten entging allerdings ziemlich wahrscheinlich die tatsächliche Dynamik.
Schreckensstarr musste auch Tina hinsehen und sich selbst eingestehen, dass es wie ein absolut einvernehmlicher und von beiden Seiten forcierter Flirt wirkte. Und irgendwie… war das ja auch nicht wirklich die Unwahrheit.
Vor einem Gericht hätte ihr die Wahrheit jedenfalls nicht den Hals gerettet.

Aus den Lautsprechern des Smartphones war passenderweise ‚I Kissed a Girl‘ von Katy Perry zu hören, als die andere Frau ihren Kopf langsam auf Tina zuneigte. Natürlich war da so. Und es war auch kein Zufall. Damit hatte schließlich die ganze Sache angefangen.
Gebannt sah sie dabei zu, wie die etwas ältere Frau ihr eigenes Alter Ego auf dem Bildschirm offenen Auges küsste. Sie erinnerte sich an ihr rasendes Herz, als das Gesicht näherkam. Und an den Sekundenbruchteil des Zögerns der anderen, kurz bevor es passierte.

Es war der Moment der Wahrheit gewesen. Die letzte Chance, noch einen Rückzieher zu machen. Und Tina hatte sie völlig ungenutzt verstreichen lassen.
Sie hatte der Berührung entgegengefiebert. Und selbst jetzt noch spürte sie das Kribbeln wie von einem kleinen Stromschlag, als es dann passierte. Noch heute stockte ihr der Atem.
Der Kuss hatte so unendlich sanft begonnen und dann in einer fließenden Minute völliger Harmonie stetig an Leidenschaft zugenommen. Bis sie sich nicht nur in den Armen der Frau wiederfand, sondern diese Geste auch rückhaltlos erwiderte.

Die Musik brach ab und Tina schaffte es rechtzeitig aus der Erinnerung zurück in die Gegenwart, um zu sehen, wie sich alle ihr zuwandten. Sie schluckte.
Der vorherrschende Ausdruck war Unglaube. Aber da war auch eine Menge Abscheu und Verachtung. Zu viel, als das sie es ertragen konnte.
Als sie die Flucht ergriff, rief ihr Thomas nach: „Es ist übrigens aus mit uns!“
Falls er noch etwas sagte, ging es im allgemeinen Ausbruch von Diskussionen unter.

Tina rannte. Sie floh vor den anklagenden Blicken. Vor den Fingern, die auf sie zeigen würden.
Weil sie ihren Freund betrogen hatte. So wie er es vor fünf Minuten behauptete und damit einen allgemeinen Streit vom Zaun brach. Einen Streit zwischen den Jungs, die zu ihm hielten und den Mädels, die zu ihr hielten. Obwohl sie alle gar nichts wussten.
Aber sie lief auch vor dem weg, was danach in den Blicken stehen würde. Der Unglaube und die Ablehnung, weil sie eine Frau geküsst hatte. Und zwar nicht aus einer Partylaune heraus, wie jeder gesehen hatte.

Tina wusste, wie das lief. Lesben waren okay, solange sie ganz woanders existierten. Aber als eine von ihnen war das keinesfalls akzeptabel. Die Mädels würden sie von nun an nur noch mit der Kneifzange anfassen. Und die Jungs würden sie verabscheuen.
Die bislang so beliebte Tina war nun dank eines zweiminütigen Videos eine ‚Persona non grata‘. Und wenn die ersten Eltern Wind davon bekamen, würde die Sache nur noch schlimmer werden.
Sie wusste all das, denn keine drei Jahre zuvor hatte sie es hautnah miterlebt. Und selbst dabei mitgeholfen…

*****

Carina plumpste schockiert zurück auf ihren Stuhl, als sie das Video sah. Sie konnte es nicht fassen.
Da waren Tina und eine wildfremde Frau. Und sie küssten sich. Und zwar so, als würden sie es verdammt ernst meinen.

Als Thomas sein Handy senkte, war sofort der Teufel los. Alle diskutierten aufgeregt über das, was sie gerade gesehen hatten. Nur Carina war wie betäubt.
Tina war seit zehn Jahren ihre beste Freundin. Und sie hatte ihr nichts gesagt. Nicht einen Ton.
Das war hart…

Vage bekam sie am Rande mit, wie sich die allgemeine Stimmung gegen Tina verfestigte. Wo die Mädchen zuvor schon aus Solidarität zu Ihresgleichen gehalten hatten, war man sich nun geschlechtsübergreifend einig, dass Tina ihren Freund betrogen hatte.
Wäre sie nicht so schockiert gewesen, hätte die Achtzehnjährige sich vielleicht eingemischt und darauf hingewiesen, dass der ‚arme‘ Thomas ganz sicher einige Seitensprüngen mehr auf seinem Konto hatte. Aber für den Moment war sie einfach zu geplättet.

Als Herr Weigand eintrat und versuchte, das Chaos zu übertönen, wusste Carina sehr genau, dass sie keinesfalls am Unterricht teilnehmen konnte. Sie musste nachdenken. Und…
Ja. Sie musste mit Tina reden. Sofort!
Aber die war, wie sie plötzlich feststellte, verschwunden.

Es war nicht schwierig, hinter dem Rücken des überforderten Lehrers aus der Klasse zu schlüpfen. Kompliziert wurde es erst dann.
Tina war geflohen. Aber wohin?
Ganz bestimmt nicht an einen Ort, an dem irgendwer sie vermuten würde. Sie lief vor den hämischen Stimmen und anklagenden Fingern ihrer Klassenkameraden davon. Also musste sie sich irgendwo verstecken, wo sie niemand vermuten würde.

Carina atmete tief durch. Sie musste systematisch an die Suche herangehen. Auch wenn das eigentlich eher Tinas Stärke war.
‚Denke wie dein Feind‘, erinnerte sie sich an irgendetwas Belangloses aus dem Geschichtsunterricht.
Sie musste denken wie Tina. Und das bedeutete, dass die naheliegendste Möglichkeit für jeden anderen Menschen - nämlich Zuhause - sofort ausschied. Bei Tinas übervorsorglicher Mutter wäre das eine Flucht vom Regen in die Traufe gewesen.

Konzentriert ging sie die sonstigen Plätze durch, die irgendwie Privatsphäre boten. Aber die konnte sie alle abhaken, denn dort lief Tina Gefahr, irgendwem zu begegnen.
Und nach der Enthüllung von gerade, würde Tomas vermutlich nicht zögern, das Video allen Bekannten zu schicken. Also war die Stadt für Tina wie ein Minenfeld.
Außer sie würde sich auf den Weg zu ihrer geheimnisvollen Freundin aus dem Video machen…

Carina keuchte bei dem Stich, den ihr dieser Gedanke versetzte. Die Vorstellung, ihre beste Freundin würde in die Arme einer anderen flüchten war… schrecklich.
Sicherlich war sie selbst auch verletzt, weil sie nicht eingeweiht worden war. Aber trotzdem musste Tina doch wissen, dass ihre allerbeste Freundin sie niemals im Stich…
Das war es!

So überraschend, dass ein vorbeilaufender Lehrer den Stapel Papier auf einem Arm fallen ließ, machte sie einen Satz und stürmte los. Sie blickte nicht einmal zurück, als in mahnendem Ton ihr Name gerufen wurde.
Es gab einen Ort, an den sich niemand aus der Oberprima freiwillig begab. Niemand. Nicht einmal Tina. Nur Carina, die sich dort einfach wohlfühlte.
Wenn ihre Freundin vor allen auf der Flucht war, aber auch nur vage darauf hoffte, von ihrer besten Freundin gefunden zu werden, dann war sie todsicher exakt dort.

Als die Achtzehnjährige ihr Ziel erreichte, musste sie sich allerdings eingestehen, dass die Suche ein wenig schwierig werden mochte.
Das Gymnasium hatte Zugriff auf eine gigantische Bibliothek direkt im Nachbargebäude. Es war zugleich die Stadtbücherei und der Studienort für eine Hochschule und eine Universität. Und eine Art Museum obendrein.
Weitläufig und aufgrund des historischen Gebäudes sehr verwinkelt konnte man sich fast in den Gängen verlaufen.

Carina suchte eine knappe Stunde lang zunehmend mutlos nach ihrer Freundin. Es bestand ja immerhin die Möglichkeit, dass die gar nicht hier war.
Erst dann passierte etwas, was ihr die zündende Idee einbrachte. Und es war nichts anderes als ein klingelndes Handy.

Natürlich waren laute Klingeltöne in der Bibliothek verboten. Aber niemand interessierte sich wirklich dafür, wenn es nicht überhandnahm. Und Tina dachte vermutlich gar nicht groß daran. Falls sie nicht von verächtlichen SMS und Anrufen anderer Schüler bereits so genervt worden war, dass sie ihr Handy abschaltete.
Carina hoffte auf das Beste und drückte, ohne hinzusehen, in ihrer Tasche die Tastenkombination, die sie in- und auswendig kannte.
Und tatsächlich hörte sie in der Ferne - ganz gedämpft - die vertraute Melodie von Carly Rae Jepsens Überraschungshit des Jahres.
Wie ein Bluthund auf der Spur eines Verbrechers schoss sie davon.

*****

Tina war am Ende. Sie konnte nichts anderes mehr tun, als zu heulen.
Wie ein Scherbenhaufen lag ihr Leben vor ihr. Alle Zukunftspläne zerschmettert. Und das alles nur wegen einer Dummheit.
Nein… Wegen eines Dummkopfes!

Tina versuchte, ihren Ausrutscher mit der Frau zu bereuen. Aber das schaffte sie nicht. Dafür war die Erinnerung zu… schön.
Und sie hatte ja auch nicht mehr getan, als ihr sogenannter Freund. Sie hatte nicht mehr getan, als Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Wieso war sie nun auf einmal die Böse?

Dass sie es war, zeigten die verschiedenen SMS, die sie im Verlauf einer Stunde bekommen hatte. Jeder, der ihre Handynummer kannte, schien informiert zu sein. Und jeder musste ihr unbedingt mitteilen, was für eine Schlampe sie doch sei.
Sie hatte sich nur die ersten Nachrichten angesehen. Aber das Handy wollte gar nicht mehr aufhören, Signaltöne von sich zu geben. Bis sie die Benachrichtigung für Textnachrichten abstellte.
Aber dann fand sie sich in der Stille der Bücherei wieder und es gab nichts mehr, was sie ablenken konnte. Es gab nur noch die hässliche Zukunft und sie.

Tina wusste, wie ihre Mutter reagieren würde, wenn sie von der Sache Wind bekam. Jungs waren schon ein Grund für stundenlange Streits mit viel Geschrei. Obwohl sie volljährig war, behandelte ihre Mutter sie in dieser Hinsicht wie ein Kleinkind.
Wenn nun auch noch Frauen dazu kamen, würde sich Tina vermutlich in irgendeinem Internat wiederfinden. Irgendwo, wo es legal war, Töchter bis zu ihrem Lebensende einzusperren. Oder wenigstens, bis sie einundzwanzig waren. Oder so…
Aber wenigstens würde ihr das dann ersparen, mit ihren ehemaligen Freundinnen zusammen zu studieren. Also war es vielleicht sogar ein Lichtblick.

Die Vorstellung, die nächsten Jahre immer zu ahnen, was hinter ihrem Rücken getratscht wurde, war jedenfalls der blanke Horror. Sie konnte es hören, als wäre es schon soweit…
„Das? Ach das ist die Schlampe, die ihren Freund mit einer Lesbe betrogen hat. Ist jetzt selbst lesbisch. Tragisch…“

„Bin ich lesbisch?“, fragte sie sich in ihrer Verzweiflung.
„Keine Ahnung“, antwortete die Stimme von Carina. „Bist du?“

Tina zuckte gehörig zusammen und schaffte es dank des Schreckens sogar, ihre Weinkrämpfe kurz hinter sich zu lassen. Durch den Tränenschleier sah sie ihre beste Freundin - oder ehemals beste Freundin? - den schmalen Gang entlangkommen, der zu ihrem Versteck führte.
Natürlich fand Carina sie. Das hier war eines ihrer Leseverstecke. Hinter einem schweren Bücherregal war der kleine Raum mit nicht mehr als einer Handvoll Quadratmeter vergessen worden. Hier hatte man alle Ruhe, die man sich wünschen konnte.
Aber… Wollte sie nicht auch gefunden werden, indem sie hierher floh?

„Hasst du mich jetzt?“, fragte sie. Es klang schrecklich erbärmlich.
„Bis gerade schon ein kleines bisschen“, antwortete Carine nun viel näher und schniefte. „Aber jetzt kann ich nicht mehr.“
Dann nahm sie ihre Freundin in die Arme und Tina ließ zu, dass ihr die Tränen wieder ausbrachen. Sie klammerte sich voller Verzweiflung an den wahrscheinlich einzigen Menschen, der noch zu ihr stand, und ließ alles heraus.

Eine gute halbe Stunde später hatte sie sich wieder etwas besser im Griff. Noch immer niedergeschlagen, aber nicht mehr akut suizidgefährdet, saß sie Carina gegenüber und stand ihr Rede und Antwort.
Das war das Mindeste, was sie für ihre einzige Freundin tun konnte.

„Also? Warum hast du es mir nicht erzählt?“, kam die naheliegende Frage zuerst.
„Ich wollte…“, antwortete sie kleinlaut. „Ich schwörs!“
„Aber?“
„Naja… Erinnerst du dich, als ich am Sonntag anrief?“
„Klar. Du wolltest frühstücken, aber ich war hundemüde, weil…“
Carina stockte und ihre Kinnlade klappte nach unten. Tina setzte ihren Satz fort.
„Weil die blöde Leckschwester in der Wohnung über euch es die ganze Nacht mit einer Neuen getrieben hat, die sich vor Begeisterung gar nicht mehr eingekriegt hat“, zitierte sie Carinas Worte ziemlich genau.

Carina sah aus, als hätte man ihr gerade den Beweis für außerirdisches Leben auf ihrem Zimmerkaktus vorgelegt.
„D-das warst…?“, stammelte sie schockiert.
Tina blickte zu Boden und fühlte, wie sie knallrot wurde.
„Das war ich…“, flüsterte sie und nickte.
„Oh mein… Gott…“, japste ihre Freundin. „Wie… Wie konnte das passieren?“

Trotz ihrer Niedergeschlagenheit und Verzweiflung - und trotz ihrer grenzenlosen Scham - musste Tina lächeln.
Allein die Erinnerungen an diese Nacht und die Freundschaft von Carina machten ihr Leben noch lebenswert.

„Willst du das wirklich wissen?“, flüsterte sie vorsichtig.
„Worauf du einen lassen kannst!“

*****

Tina war stinksauer. So hatte sie sich ihren Abend in der Disko ganz bestimmt nicht vorgestellt.
Nicht nur, dass Carina auf ihre kleine Schwester raufpassen musste und nicht dabei sein konnte. Nein. Sie musste auch noch ausgerechnet an diesem Abend erfahren, wie wenig ihr Freund Thomas von Treue hielt. Ganz fantastisch!

Wäre es nicht so schmerzhaft gewesen, wäre es schon fast komisch. Er war wirklich so dämlich, in aller Öffentlichkeit vor seinen Freunden damit zu prahlen wie er sie mittlerweile fünf Mal betrogen hatte. In allen Einzelheiten.
Und einige dieser Einzelheiten deckten sich ganz gut mit kleinen Ungereimtheiten, auf die sie zuvor nichts gegeben hatte. Ebenso wie mit ein paar vorsichtigen Verdächtigungen, die Carina hier und da von sich gegeben hatte.

„Dieser Scheißkerl!“, fluchte sie laut und stampfte mit dem Fuß auf.
„Das sind sie alle“, antwortete eine sanfte Frauenstimme von der Seite.

Tina zuckte zusammen. Sie hatte nicht bemerkt, dass eine Frau sich neben ihr an die Säule lehnte.
Ein wenig misstrauisch hob sie den Kopf weit genug, um aus der Deckung ihres herabhängenden Haars einen Blick zu riskieren. Aber die Heimlichkeit hätte sie sich sparen können, denn die Fremde hatte den Kopf in den Nacken gelegt und die Augen geschlossen.
Staunend betrachtete sie die Frau, die offenbar von der Tanzfläche kam.

Sie war eindeutig schon älter. Vielleicht schon Ende zwanzig. Und sie hatte eine Aura der Selbstsicherheit, um die Tina sie sofort beneidete.
Die Fremde hatte schwarze Haare und einen südländischen Touch. Sie trug ein unwahrscheinlich tief dekolletiertes, rückenfreies Kleid in Schwarz und hohe, gleichfarbige Stiefel. Beides ganz eindeutig nicht von der Stange, sondern eher aus direkt aus der Kollektion eines Modedesigners.
Mit einem Anflug von Neid bemerkte Tina, wie unwahrscheinlich gepflegt und verführerisch diese Person auch verschwitzt noch aussah. Ihr Makeup war offensichtlich beste Qualität und zeigte keine Ermüdungserscheinungen. Oder trug sie keines…?
Nein. Diese Augenpartie war unmöglich natürlich.

Perfekte Wimpern. Wunderschön geschwungene Augenbrauen. Fantastische Locken, die selbst offen optimal lagen. Und dazu ein Traumkörper, den sie wie selbstverständlich zur Schau stellte.
Obwohl offensichtlich war, dass sie keine Unterwäsche trug, war an ihr nichts billig. Gäbe es bebilderte Wörterbücher, wäre ihre Abbildung neben dem Begriff ‚Klasse haben‘ gewesen.
So eine Frau würde Thomas ganz sicher nicht betrügen.

„Tapp nicht in diese Falle, Süße“, sagte die Frau und lächelte.
Tina hatte nicht bemerkt, wie sie sich ihr zugewandt hatte. Hatte sie erkannt, wie die Schülerin gestarrt hatte? Wie peinlich!
Moment… Hatte sie etwa laut gedacht?
Erschrocken hob sie den Kopf.

Die Frau lächelte ein wenig, als sie Tinas offensichtlichen Schrecken sah.
„Du hast nicht laut gedacht, falls du dich das fragst“, sagte sie. „Aber du hast uns beide vergleichen, nicht wahr?“
Tina schluckte trocken und nickte.
„Und du hast dir gedacht, dass er sich mit mir keinen Blödsinn erlauben würde.“
Auch wenn es keine Frage war, nickte sie ganz automatisch erneut.
„Siehst du? In diese Falle sollst du nicht tappen. Nicht du bist schuld, sondern er.“

„Aber…“, wollte Tina widersprechen.
Die Frau drehte sich an der Säule und wandte sich ihr zu. Ihr Finger legte sich auf die Lippen der Schülerin.
„Du bist perfekt so, wie du bist, Süße. Wenn er zu dumm ist, zu erkennen, was er an dir hat, ist das sein Pech. Dutzende von Männern und so einige Frauen stehen bereits Schlange, um seinen Platz einzunehmen.“
Der Blick aus den dunklen Augen - die gut als Vorzeigebeispiel für ‚Smokey Eyes‘ geeignet waren - ging Tina durch und durch. Sie verlor völlig den Faden ihrer Argumentation und konnte so oft schlucken, wie sie wollte - ihre Kehle blieb trocken.

„Frauen?“, piepste sie und klang wie ein Kleinkind dabei.
„Natürlich, Süße“, erwiderte die andere. „Für eine Schönheit wie dich würde ich schon über ein paar Leichen gehen.“
„Aber… Ich bin doch gar nicht…“, plapperte Tina völlig irritiert drauf los.
„Lesbisch?“
Sie nickte.
„Na und?“

In diesem Moment legte der DJ das Lied von Katy Perry auf und die Fremde lächelte. Ihr Blick sagte so etwas wie: ‚Siehst du?‘
Wieder musste Tina hart schlucken. Ihre Beine schienen plötzlich aus Wackelpudding zu bestehen. Und in ihrem Bauch kündigte sich entweder gerade ihre Regel an oder ein Bienenschwarm feierte eine Party.
I kissed a girl just to try it“, trällerte es aus den Boxen. Hope my boyfriend don’t mind it.“
An dieser Textstelle blieb sie für einen Moment hängen und musste daran denken, was Thomas sich alles herausgenommen hatte.
„Mein Boyfriend kann mich mal“, rutschte es ihr raus.

Die andere Frau lächelte. Aber es war ein anderes Lächeln als zuvor.
Ihre Augen verengten sich ganz leicht und ein Glitzern lag darin. Sie näherte sich, ohne sich zu nähern. Auf einer anderen Bewusstseinsebene war sich Tina vage im Klaren darüber, dass in Wahrheit sie ihren Kopf eine Winzigkeit neigte. Dass sie die Einladung aussprach. So als wäre sie mit einem Jungen unterwegs und… wollte geküsst werden.
Nur dass der Junge eine wunderschöne Frau war, die jeden Mann… oder auch jede Frau haben konnte. Und die sich trotzdem für die kleine Tina entschieden hatte.
Heilige Scheiße fühlte sich das gut an!

Als die Frau sich langsam zu ihr neigte, konnte Tina die Augen nicht offenhalten. Sie wusste nicht, dass sie in diesem Moment bereits gefilmt wurde. Sie wusste nur, dass sie sich nach nichts mehr sehnte, als nach der Berührung der Lippen dieser Fremden.
Tausend Sinneseindrücke bombardierten ihr Gehirn. Der Duft eines teuren Parfüms, auf dessen Namen sie nicht kam. Die Vibrationen der Bässe in ihrem Körper. Das unglaubliche Prickeln ihrer Haut unter den Fingern, die sich mit ihren verschränkten.
Als es passierte, musste sie einfach seufzen. Es fühlte sich so völlig anders an. So ganz, ganz, ganz und gar anders…

*****

Carina hörte gebannt zu und in ihren Ohren rauschte das Blut. Tina hatte sie mit ihrer Schilderung mitgenommen. Es war, als hätte sie danebengestanden. Als wäre sie selbst in der Situation gewesen.
Ein Teil von ihr krümmte sich leidend wegen der rückhaltlosen Bewunderung, mit der ihre Freundin von der Frau sprach, die sie als ihre Nachbarin nur vom Sehen her kannte. Das ‚Flittchen‘, wie ihre Mutter sie nannte.
War ihre beste Freundin nun verliebt?

„Dieser Kuss war so umwerfend“, beschrieb die verträumt weiter. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie weich es am Anfang war. Kein Drängen. Keine Hast. Nur Genuss.
Und trotzdem kam sie mir immer näher. Küsste mich immer intensiver. Öffnete mit ihrer Zungenspitze meinen Mund und tastete sich dann ganz langsam vor.
Noch nie habe ich jeden Augenblick eines Kusses so intensiv erlebt. Völlig ohne Zeitgefühl. Wie in Watte gepackt und nur noch aus Lippen und Zunge bestehend.“

Tina hielt kurz inne und leckte sich leicht über die Lippen. Sie blickte an die Decke und war völlig in ihren Erinnerungen versunken. So tief, dass sie nicht einmal bemerkte, wie ihre Hand sich in ihren Schoß verirrt hatte.
Es war eine völlig beiläufige Geste. Nichts, was selbst eine Frau sofort hätte deuten können. Aber Carina kannte ihre Freundin seit vielen Jahren. Sie wusste, dass die genau das tat, wenn sie lustvolle Gedanken hatte.
„Hat es dich erregt?“, fragte sie, ohne es wirklich zu wollen. Es war wie ein Zwang.

„Oh, Rina“, seufzte Tina verträumt. „Ich kann dir gar nicht beschreiben, wie sehr. Und wie anders als sonst.
Manchmal beim Fummeln mit Jungs war ich ein wenig heiß. Aber selbst mit Thomas brauchte ich auch nach dem Ausziehen noch eine ganze Weile, bevor ich bereit war.
Aber mit Terry… Bei ihr… Sie hätte… mich vor allen Anwesenden ausziehen können und ich hätte es nicht einmal gemerkt.“

„Liebst du sie?“
Diese Frage riss Tina aus ihrer Schwärmerei. Oder vielleicht war es eher der Tonfall, denn ohne es zu wollen, hatte Carina richtig sauer geklungen.
Ihre Freundin sah sie an. Lange und durchdringend. Sie wirkte sorgenvoll, aber auch irgendwie gefasst.
„Würde es etwas ändern, wenn ich Frauen lieben würde?“

Carina schluckte und wich dem Blick schließlich aus.
Natürlich würde es etwas ändern. Vor allem, wenn ihre Freundin und ihre Nachbarin ein Paar würden. Aber würde sie Tina deswegen ihre Freundschaft entziehen?
„Nein“, sagte sie leise. „Es gefällt mir nicht, aber ich bin deine Freundin. Auch wenn du mit dieser Frau…“

„Ich liebe sie nicht“, unterbrach Tina. „Ich bewundere sie. Ich bin ihr unendlich dankbar. Und ich will nicht ausschließen, dass wir uns noch einmal treffen. Aber wir haben darüber gesprochen. Sehr lange…“
„Wie…?“, krächzte Carina und räusperte sich schnell. „Wie kannst du dir sicher sein?“
„Ich… bin es einfach. Sie hat mir gezeigt, wie großartig das ist, was ich fühlen kann. Aber was mich an ihr anzieht, ist so... körperlich. Fast verstehe ich die Jungs. Es ist so gar nicht emotional.“ Tina lachte auf. „Ich mag sie. Und ich mochte Thomas. Aber Liebe fühle ich nur für…“
Tina verstummte erst, als sie beide schon wussten, was sie sagen wollte.

Carina schluckte schwer. War das ein Geständnis? Oder wäre es nur eine unglückliche Formulierung geworden.
Es war besser, diese Frage nicht zu stellen. Ihrer beider Freundschaft erlebte so schon eine Zerreißprobe.

„Also bist du jetzt lesbisch“, stellte die Achtzehnjährige fest und versuchte, es locker und lustig klingen zu lassen.
„Terry meint, ich sei eher bi.“
„Wie?“
„Naja… An Männern und Frauen interessiert.“
„Ich weiß, was ‚bi‘ bedeutet“, ärgerte sich Carina. „Aber wie kommt sie darauf?“
„Sie hat ein Auge für sowas, sagt sie“, lautete die Antwort. „Und ich glaube, sie hat recht. Ich finde Jungs noch immer anziehend. Nur eben… anders…“
„Obwohl dein Erlebnis mit… einer Frau so viel besser war?“, hakte sie zögerlich nach.
„Terry meint, das läge vermutlich nicht nur daran, dass sie so gut ist, sondern auch daran, das Thomas so schlecht war.“

Obwohl Carina so langsam nichts mehr davon hören wollte, was Terry sagte, meinte und dachte, musste sie doch über diese Worte lachen. Und Tina stimmte ein. Es war befreiend. Und es tat gut.

*****

Weit mehr als stundenlanges Nachdenken am Sonntag und Montag hatte das etwas verkrampfte Gespräch mit ihrer Freundin Tinas Gedanken geordnet. Die Verwirrung hatte sich aufgestaut, bis ihr fast der Schädel geplatzt war und dann war die Katastrophe im Klassenraum über sie hereingebrochen.
Und nun war plötzlich alles wie weggewischt. Dank Carina.
Fast glücklich saß sie neben ihr und lehnte sich an ihre Schulter. Der Rest der Welt sollte ihr halt den Buckel runterrutschen.

„Du bist die beste Freundin, die sich ein Mensch nur wünschen kann“, seufzte sie.
„Du bist auch nicht so schlecht“, bekam sie zur Antwort. „Ich kann nicht fassen, dass du ernsthaft das Flittchen gebumst hast…“
Tina konnte es nicht unterdrücken. Sie prustete los.
„Was?“, empörte sich Carina.
„Ge… Ge… Ge-bumst?“, brachte sie vor Lachen kaum heraus.
Carina wurde ein wenig rot und zog den Kopf etwas zwischen die Schultern.
„Weiß ich doch nicht, wie man das bei Frauen nennt…“, schnaubte sie verlegen.

Tina riss sich zusammen. Sie wollte ihre Freundin nicht auslachen. Auf gar keinen Fall.
„Ich würde es eher Reiben nennen“, meinte sie und fühlte einen kleinen Schauer. „Es war ein ewiges, intensives aneinander Reiben. Mit allen Körperteilen.“
Carina schluckte hörbar.
„Und Lecken spielte eine große Rolle…“
Noch ein lautes Schlucken von ihrer Freundin.
„Stört es dich, wenn ich darüber rede?“

Die Antwort ließ einen Moment auf sich warten. Aber es gab ein Zittern in Carinas Schulter. Sie war angespannt.
„Das nicht“, wich sie aus.
„Aber…?“
„Es ist Terry“, gestand sie dann. „Ich bin… ich mag nicht, wie du…“
„Du bist eifersüchtig!“, platzte es aus Tina heraus und sie richtete sich ganz auf, um ihre Freundin anzusehen.
Die wurde knallrot im Gesicht und wich sofort jedem Blickkontakt aus.
„Du hast Angst, dass sie sich zwischen uns drängt“, fuhr Tina sanfter fort.
Nun nickte Carina leicht.

Vorsichtig legte Tina ihr die Hand an die Wange und hob ihr Gesicht etwas an.
„Ich sagte dir schon, dass ich sie nicht liebe.“
„Aber…“, widersprach ihre Freundin kläglich, „irgendwann wirst du eine andere lieben…“

Unter Tinas blonden Locken fiel ein Mosaik auseinander, als sie in die grünen Augen ihrer Freundin blickte. Das Puzzle ihres bisherigen Lebens löste sich auf und setzte sich neu zusammen. Unverändert, bis auf die Teile, die zu Carina gehörten.
Keine achtundvierzig Stunden zuvor hatte sie vage gehofft, in den Augen von Terry zu finden, was sie nun überdeutlich vor sich sah. Und es war schon immer dagewesen.
Sie hatte es nur nie verstanden. Hatte nie zuvor in den Augen einer Frau danach gesucht.

„Mein Herz ist bereits vergeben“, flüsterte sie mit einem großen Kloß im Hals.
Die Mischung aus wilder Hoffnung und blanker Panik in Carinas Augen brachte ihr Herz zum Rasen. Die unausgesprochene Frage dahinter verdiente nur eine Antwort.
Sich langsam vorbeugend gab sie ihr diese mit ihren Lippen. Ohne Worte.

Es war nicht das erste Mal, dass Tina und Carina sich küssten. Sie hatten miteinander geübt, als sie gerade erst in die Pubertät gekommen waren. Um auf alles vorbereitet zu sein.
Aber diesmal war es anders. Und es war auch anders, als der Kuss in der Disko.
Als Tina sachte die Lippen ihrer besten Freundin berührte, erfüllte sie damit eine lang gehegte Sehnsucht. Und Carina hatte nicht die Kraft, ihr das zu verheimlichen. Sie reagierte mit einer Mischung aus Schluchzen und Wimmern, die mehr als tausend Worte preisgab.

Aus dem sachten Streicheln der Lippen wurde in Gedankenschnelle ein leidenschaftlicher Kuss. Carina reckte sich ihr ohne Zögern entgegen und zeigte nichts von der Scheu, die sie sonst überall an den Tag legte. Sie streifte ihre Zurückhaltung ab, wie eine alte Weste.
Terry mochte eine erfahrene Liebhaberin gewesen sein, aber Carina war eine Liebende. Der Unterschied war gewaltig.

Noch einmal erlebte Tina, wie unterschiedlich Frauen küssten, wenn man sie mit Männern verglich. Die Jungs waren zielstrebig darauf aus, mit ihrer Zunge jeden Widerstand im Keim zu ersticken. Zu erobern. Mit Carina war es völlig anders.
Ihre Zungenspitzen spielten miteinander und sie genossen beide jede einzelne Berührung der Lippen. Aber es gab nicht den Druck, den Kuss so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Immer wieder und wieder vereinigten sie sich und trennten sich kurz.
Atemberaubend und leidenschaftlich, aber ohne Hektik und Eile.

Und so wie der Kuss war auch die Umarmung, in die sie wie von selbst glitten. Nicht besitzergreifend hart und kraftvoll sondern tastend, suchend, spielerisch leicht… Und besitzergreifend. Aber auf sanfte Weise.
Zärtliche Finger glitten über Rücken, Seiten, Po und Beine. Niemals anhaltend. Und niemals drängend. Bis Tina das Gefühl hatte, unter Strom zu stehen und jede einzelne Pore ihrer Haut für sich genommen spüren zu können.

Sie fühlte die Hitze aufsteigen. Nicht im Schoß, sondern im ganzen Körper. Carinas Finger hinterließen Flächenbrände. Und der ging es ebenso. Das zeigte sie ihrer Freundin so offen, wie eine Frau sich einem Jungen gegenüber niemals geben konnte.
Sie bog sich ihren Berührungen entgegen, zitterte, wimmerte und keuchte. Und trotzdem konnte sie sich schließlich losreißen.
„Wenn ich an Samstagnacht denke, sollten wir woanders hingehen“, wisperte sie heiser.

Gemeinsam kicherten sie über Carinas Worte. Und gleichzeitig versicherten sie sich mit Blicken, dass sie die Geräusche jener Nacht zum Verblassen bringen würden.
„Komm“, sagte Tina und nahm die Hand ihrer Freundin. „Ich weiß, wohin wir gehen.“
Gemeinsam standen sie auf, nahmen ihre Sachen und schoben sich aus dem Versteck. Und dabei fing Carina leise an zu singen:
„I kissed a girl. And I liked it!“