Jaja… Ich weiß. Jeder Depp muss darüber bloggen.
Bin ich halt auch so ein Depp…
Wem bei den Diskussionen zu diesem Thema bereist beim
Titel die Galle hochkommt, der liest auf eigene Gefahr weiter. Ich stehe zu meiner
Meinung und bin für eine Diskussion darüber durchaus offen. Und ich bin auch
absolut imstande, mich auf eine Schlammschlacht einzulassen.
Lesen und kommentieren auf eigene Gefahr. ;-P
-----
Durch Deutschland geht ein Aufschrei.
Die ganze Nation ist in Aufruhr. Etwas Erschütterndes ist
geschehen. Es geht um Diskriminierung, Belästigung und vielleicht sogar
Mobbing. Das Thema ist Chauvinismus und bringt Feministinnen in Rage.
Vielleicht reden wir sogar über sexuelle Nötigung. Oder am Ende womöglich über
den Beginn von Missbrauch und Vergewaltigung.
Die ganze Sache dreht sich um einen Mann namens Rainer
Brüderle. Dass er hochrangiger Politiker ist und sein armes Opfer eine
Journalistin, ist natürlich nur Zufall. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass
es sich um einen Mann und eine Frau handelt. Da liegt der Hase im Pfeffer.
Im Ausland fragt man sich, wenn man die Wellen sieht, die
diese erschreckende Affäre verursacht: Ist dieser Brüderle ein neuer
Strauss-Kahn?
Die Wahrheit ist noch viel erschütternder!
Rainer Brüderle tat, was niemand in der modernen Welt für
möglich gehalten hätte. Nach einer Veranstaltung wagte er es, sich der armen
Reporterin zu nähern. An einer Hotelbar. Man stelle sich allein die
traumatisierende Wirkung der Umgebung an dieser Stelle schon einmal vor, um auf
das Kommende vorbereitet zu sein.
Er sprach sie an, ohne noch ein weiteres Mal
nachzudenken. Machte ihr Komplimente, wie sie mit ihrem Aussehen beispielsweise
auch in einem Dirndl - für welches man ja bekanntlich ein wenig Holz vor der
Hütt’n brauchen kann - eine gute Figur machen würde. Gab ihr Handküsse und
wollte sogar noch ein wenig näher treten. Die Distanz eventuell unter eine
Armlänge Abstand bringen.
Plump, in womöglich schon fast ein wenig
senil-gutgläubiger Altherren-Weise und völlig ohne jede Empathie dafür, dass
der erotische Funke bei seinem Gegenüber so gar nicht zünden wollte, baggerte
dieser schreckliche Mensch einige Minuten lang herum, bevor eine Assistentin ihn
endlich von seinem armen Opfer wegführte und ihn ins Bett schickte.
An dieser Stelle beugt sich nun der Amerikaner oder
Engländer vor und harrt gespannt der skandalösen Enthüllung dessen, was danach
geschah. Der Franzose zieht eine Augenbraue hoch und denkt sich bereits, dass
er es ja schon immer über den Deutschen gewusst hat. Und der Russe fragt sich,
wieso die Frau nicht schon längst auf den Knien ist und ihren verdammten Job
macht.
Alle sind gespannt und warten auf das, was zweifellos
kommen muss, um den Aufschrei zu rechtfertigen. Hat der schreckliche Politiker
sie nur…? Oder machte er danach auch noch…? Hat er sie nur einmal…? Oder
dutzendfach…? Entführte er sie irgendwohin? Oder passierte es im Hotel?
Dummerweise ist die Geschichte, die Anlass für den
Aufschrei bot, an dieser Stelle vorbei.
Rainer Brüderle hat sich wie ein stumpfer oder angetrunkener
Volltrottel in Sachen Flirts verhalten. Und sein Opfer hat nach einem Jahr
harter Bewältigungsphase endlich den Mut gefunden, sich zu äußern. Zufällig im
deutschen Wahlkampfjahr schafft sie es nun, das Vorzeigegesicht der FDP für das
anzuklagen, was er ihr angetan hat.
Deutschland ist natürlich empört. Wie konnte er es wagen.
Wie konnte sich dieser Abschaum nur allen Ernstes auf amouröse Weise einer Frau
nähern. Pfui Deibel!
Die Diskussion über die Schandtat hangelt sich von
Siedepunkt zu Siedepunkt. Feministinnen fordern ein generelles Redeverbot für
Männer und wer männlichen Geschlechts ist und nicht versteht, was der ganze
Aufriss soll, könnte ebenso gut zugeben, ein Taliban zu sein. Wobei das dann
noch das kleinere Übel wäre.
Aber… Worum dreht sich die ganze Sache eigentlich?
Was bringt die Leute - mal abgesehen von den
Feministinnen, die ohnehin immer dort sind - so auf die Palme?
Was geht ab in Deutschland?
Würde jemand die Sache mal objektiv beleuchten, ginge es
vermutlich darum, dass in einem professionell-beruflichen Umfeld gewisse
Kumpeleien und Anzüglichkeiten nicht gerade optimal platziert sind.
Natürlich ist es eine Sache, wenn eine Reporterin von
einem charmanten und attraktiven Politiker angeflirtet wird, der vielleicht
auch auf ihre nonverbalen Signale reagiert hat. Da kann aus einem Flirt dann
auch durchaus mehr werden, selbst wenn die Berufsgruppen einander ein wenig
skeptisch gegenüberstehen.
Aber wenn ein alter Sack - Verzeihung Rainer, aber so
siehst du nun mal aus - sich einer jungen, knackigen Powerfrau nähert, dann ist
da oft wenig erotische Spannung.
Nun könnte man von einer fest im Berufsleben stehenden
und in der Öffentlichkeit mit anderen Menschen arbeitenden Person eine gewisse
Souveränität erwarten. Ein Rainer Brüderle sollte sich nicht so verhalten, wie
er es getan hat. Und sein armes Opfer hätte vielleicht einfach nur klar und
deutlich sagen sollen, wie unwillkommen ihr die Annäherungsversuche sind.
Selbst wenn es sich vielleicht sogar nur um einen völlig misslungenen Versuch
lockerer und offener Konversation gehandelt haben sollte, kann man in einem
Gespräch durchaus um eine Veränderung der Ebene bitten.
Aber wir haben es mir einer Situation zwischen Mann und
Frau zu tun. Und da sind nun einmal andere Regeln zu beachten.
Oder?
Ich meine…
Wenn ich mir die Sache so ansehe und dann auf meinen
Umgangston und mein Leben schaue, dann behandele ich Frauen und Männer gleich.
Ich mache Witze über männliche Unzulänglichkeiten. Und über Weibliche. Ich
benutze Anzüglichkeiten gegenüber Männern und Frauen. Und ich flirte sogar
trotz gefestigter Heterosexualität manchmal mit Männern. Aus Spaß an der Sache,
wenn sie schwul sind. Und aus reiner Boshaftigkeit, wenn sie homophob sind.
Ich gestehe jedem Menschen das Recht zu, sich von mir
auszubitten, so etwas zu unterlassen. Wenn jemand schlechte Erfahrungen gemacht
hat, respektiere ich das. Man muss es mir nur irgendwie mitteilen und gut ists.
Ähnlich ist es in Flirtsituationen. Auch mit noch so
guten Antennen und Empathie trete ich mal jemandem näher, als diese Person das
gerade möchte. Ein einfaches Wort reicht aus, um die Distanz wieder zu
vergrößern. Und da wir Menschen keine Gedankenleser sind, kann ich dieses Wort
auch erwarten, finde ich.
Würde ich dem Konsens der einen Seite der unseligen
Aufschrei-Diskussion folgen, dürfte ich keine Frauen mehr unaufgefordert
ansprechen. Ich müsste komplett davon Abstand nehmen. Und nur weil ich
persönlich kein Problem damit habe, auch mal plump von einer Frau angemacht zu
werden, dürfte ich diese Sichtweise keinesfalls auf andere projizieren.
Dabei spielt es keine Rolle, dass dieser Standpunkt
letztlich die Fortpflanzung der Menschheit fast unmöglich machen würde, solange
nicht irgendwann T-Shirts mit Wechselaufschrift in Mode kämen, die entweder
einen Flirt erlauben oder ihn ablehnen. Und selbst bei solchen Shirts wäre dann
noch zu differenzieren zwischen willkommenen Flirtpartner und der
unwillkommenen Sorte, die natürlich als solche weiterhin kriminell wären, wenn
sie einen Flirt mit jemandem suchen, der das nicht will…
Unaufgeforderte Kontaktaufnahme außerhalb einer streng
sachlichen und immer zu eintausend Prozent politisch und korrekten und völlig
entgenderfizierten Rahmen wäre dann eine Straftat. Knast für drei bis fünf
Jahre oder so.
Die andere Seite der Diskussion wird von ihren Gegnern
gerne gleich pauschal in die Sexismus-Ecke geschoben.
Wer all das übertrieben findet und ganz banal meint, die
Reporterin solle sich mal nicht so anstellen, ist ein Schwein. Egal ob männlich
oder weiblich. Aber wenn männlich, sollte dieses Schwein kastriert und dann
erschossen werden.
Egal, ob ich also mit Argumenten dagegenhalte, die etwas
damit zu tun haben, dass Frauen nicht weniger sexistisch sind als Männer oder
ob ich eine völlig geschlechtsunspezifische Sichtweise dazu habe, bin ich ein
Schwein, weil ich nicht mit Aufschreie.
Und deswegen tue ich das nun.
Mein Aufschrei:
Ich liebe Frauen, WEIL sie anders sind. Wären sie genau
wie Männer, wären sie langweilig. Ich mag Brüste und sehe sie mir gerne an.
Ebenso wie Popos oder Muschis. Oder weibliche Gesichter. Oder Frauenfüße.
Ich finde, Frauen sollten anders behandelt werden als
Männer. Nicht im Büro, denn die Arbeit da ist tatsächlich wenig
geschlechtsspezifisch. Aber im privaten Rahmen.
Sicherlich halte ich auch Männern mal die Tür auf. Aber
bei Frauen tue ich es einfach lieber, weil mir ihr dankbares Lächeln einen Tick
mehr bedeutet. Und ganz nebenbei habe ich auch unheimlich gerne Sex mit Frauen.
Finde ich toll.
Frauen sind etwas Besonderes.
Männer auch, aber da ich ein Mann bin, ist diese
Besonderheit nicht so interessant.
Und ganz nebenbei sind auch Asiaten oder Afrikaner etwas
Besonderes. Sie sind nicht exakt gleich wie Leute aus meinem Kulturkreis. Und
das ist verdammt noch mal gut so.
‚Vive la différence‘, sagt der Franzose. Und in diesem
Zusammenhang weiß der, wovon er redet.
Liebe Frauen
Bleibt bitte weiblich und anders als die Männer. Lästert
in euren privaten Kreisen und reduziert Männer auf ihre körperlichen Merkmale.
Das ist okay. Lasst euch nicht einreden, es sei anders. Aber akzeptiert bitte
auch, dass wir Männer manchmal einfach weniger diskret sind.
Ja. Ihr seid uns in dieser Hinsicht über. Und das ist
auch gut so. Dafür sind wir stark genug, euch mal auf Händen zu tragen. Und
wenn ihr ehrlich seid, gefällt euch das nicht weniger, als es uns Männern
gefällt.
Lasst euch nicht darauf ein, die Geschlechterunterschiede
abzubauen. Und lasst euch bitte nicht vor den Karren des feministischen
Rachefeldzuges als Gegenschlag für Jahrtausende der Unterdrückung spannen.
Dieser ganze Kram ist Bullshit.
Diskriminierung ist keine Frage des Geschlechts, sondern
eine Frage der Macht.
Menschen mit Macht diskriminieren Menschen ohne Macht.
Dauernd. Das ist eine unselige aber nichtsdestotrotz wahre Realität des Lebens.
Es geht nicht um das Geschlecht, sondern um den Machtfaktor.
Gegen Diskriminierung zu sein bedeutet, sich für die
Unterdrückten starkzumachen. Und zwar am besten in jedem einzelnen Fall, bei
dem diskriminiert wird. Pauschalisierungen klingen nämlich nur schön, helfen
aber niemandem.
Manchmal ist Diskriminierung sexistisch. Manchmal ist sie
rassistisch. Manchmal einfach ‚nur‘ kapitalistisch.
Aber jeder Versuch, irgendeiner Gruppe besondere Rechte
einzuräumen, um sie vor Diskriminierung zu schützen, gibt immer nur einigen
wenigen, die im Besitz von Macht sind, noch mehr Möglichkeiten zur
Diskriminierung.
Gesunder Menschenverstand, klare und im Zweifelsfall auch
überdeutliche Kommunikation in Worten und gegenseitiger Respekt sind alles, was
wir Menschen für den Umgang miteinander brauchen.
Wer diese Voraussetzungen nicht aufbringt, ist kein
Sexist, sondern ganz einfach ein Dummkopf. Und vermutlich auch ein Arschloch.
Aber strafbar ist das nicht. Es ist ‚nur‘ scheiße. Und
wenn sich jemand scheiße benimmt, dann kann man die Beschäftigung mit dieser
Person ganz einfach einstellen.
So viel dazu.
Und weil ich weiß, wie ein ganz bestimmtes Gegenargument
in dieser Sache aussieht, dazu noch ein Wort oder zwölf:
Es geht NICHT um Missbrauch.
Missbrauch ist aus gutem Grund strafbar und das soll auch
so bleiben.
Aber wir brauchen keine Doppelverurteilung von
Missbrauch. Es ist egal, ob der Missbrauch zwischen Mann und Frau, Erwachsenem
und Kind oder Arbeitgeber und Arbeitnehmer stattfindet. Missbrauch ist ein
Verbrechen. Und keine Konstellation macht dieses Verbrechen
verabscheuungswürdiger, denn es ist bereits absolut verabscheuungswürdig. Es gibt
keine Steigerung für die Verabscheuungswürdigkeit von Missbrauch, weil die
bereits ganz oben an der Spitze aller Verabscheuungswürdigkeiten liegt.
Ich bin GEGEN den Versuch, Missbrauch schwerer zu werten,
wenn er gegenüber einer Frau oder einem Kind stattfindet, weil JEDER Missbrauch
bereits am schwersten wiegt.
Und ich bin absolut NICHT der Meinung, dass der Fall
Brüderle auch nur das allergeringste mit Missbrauch zu tun hat.
Da dreht es sich nur um Dummheit. Und um Politik…