Kojotenhöhle

Was dich hier erwartet, ist nicht der Versuch, irgendetwas zu umschreiben. Ich nenne die Dinge durchaus beim Namen, auch wenn ich versuche, das niveauvoll zu tun. Und ich versuche außerdem, Geschichten zu erzählen, in denen der Sex ein Teil des Ganzen ist und nicht der einzige Teil. Man findet hier wohl auch Grenzwertiges für manche Geschmäcker. Ob man es als BDSM-artig oder als abartig empfindet, liegt dabei ganz im Auge des Betrachters.

Wenn es dir gefällt, lass es mich wissen. Wenn es dir nicht gefällt, gerne auch. Hinterlass mir einen Kommentar oder schreib es mir per Mail an Mike.Stone bei gmx.net .

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Freitag, 7. Februar 2014

Random Shorts - Zimmerservice

Zimmerservice
Betreuung mit Zufriedenheitsgarantie
© 10/2008 Coyote/Kojote/Mike Stone


Nachdem ich nachhaltig überzeugt wurde, dass mein vermeintliches ‚Fragment - Die Hotelszene‘ durchaus als eigene Geschichte durchgeht, kommt es hiermit unter neuen Titel, korrigiert aber ansonsten ziemlich unverändert als Kurzgeschichte ohne geplante Fortsetzung.
Wer die Work in Progress noch nicht kannte, kann hier also eines meiner ‚frühen Werke‘ bewundern… Oder so…


„Oh Gott!“, stöhnte Mara nach einem Blick auf den Dienstplan. „Ich habe Südamerika.“
Mitleidiges Gemurmel erklang in den Reihen der anderen Zimmermädchen. ‚Südamerika‘ war der interne Begriff für die Suite im zweitobersten Stockwerk, die im südamerikanischen Stil eingerichtet war. An sich gab es zwischen dieser Suite und den anderen Zimmerfluchten mit den Namen von Kontinenten keinen nennenswerten Unterschied bezüglich des Arbeitsaufwandes. Momentan war in ‚Südamerika‘ allerdings ein besonderer Gast einquartiert. Ein ungewöhnlich anspruchsvoller Gast.

„Südamerika ist doch schön“, sagte eine der neuen Angestellten irritiert. Sie war noch dabei, den ordnungsgemäßen Sitz ihrer Garderobe zu überprüfen. „Ich mag vor allem die Gemälde.“
„Es geht nicht um die Einrichtung, Kleines“, versetzte Clarissa, eines der erfahreneren Zimmermädchen, belehrend. „Es geht um Senor Coregaz, den Gast.“
„Wieso?“, fragte die Neue verwundert nach. „Was ist denn mit dem?“
„Er ist…“, setzte Clarissa an, wurde jedoch von ihrer langjährigen Kollegin Lea unterbrochen:
„Schwierig, Kleines. Er ist schwierig.“
Clarissa sah Lea kurz mit gerunzelter Stirn an. Deren verschwörerisches Augenzwinkern entging der jungen Anfängerin allerdings völlig. Die zupfte noch ein wenig an ihrem schwarzen Kleidchen und blickte erst wieder auf, als Lea weitersprach.

„Du weißt ja sicherlich, dass wir in den obersten Stockwerken jedem Wunsch nachkommen müssen.“
Obwohl es eine rhetorische Frage war, denn jedes Zimmermädchen kannte diese Regel, nickte die junge Frau, deren Namensschildchen sie als Julie auswies. Mit einem Schulterzucken antwortete sie:
„Ein bisschen mehr Rennerei, aber wenigstens geht der Tag schnell herum.“
Ungläubiges Gemurmel wurde unter den anderen Angestellten laut, doch ein kurzes Zischen und ein warnender Blick von Lea brachte es schnell zum Verstummen. Die 28jährige war eine der ältesten Angestellten in diesem Bereich und niemand wollte es sich mit ihr verscherzen.
„Wenn du das so läppisch findest, dann kannst du ja Maras Bereich übernehmen und sie kümmert sich um deinen Teil“, schlug sie vor.

„Ich darf doch da oben noch gar nicht arbeiten.“
„Also traust du dich doch nicht, hm?“
Leas Tonfall war eindeutig provozierend und abfällig und ihr Gegenüber reagierte darauf leicht beleidigt:
„Doch natürlich …“
Bevor sie weitersprechen konnte, entfernte Lea das Täfelchen mit dem Namen von Mara von seinem Platz auf dem Schichtplan und tauschte es gegen das von Julie aus.

„Das ist gut, denn aus welchem Grund auch immer haben die Hausdame und die Geschäftsleitung offenbar beschlossen, dir schon jetzt eine Chance zu geben.“ Das Glitzern in den Augen des dienstältesten Zimmermädchens war herausfordernd, doch ein hinterlistiges Grinsen konnte sie unterdrücken. „Zumindest steht es so auf dem Schichtplan. Und an dem wird nicht gerüttelt, wie du weißt.“
Noch bevor irgendjemand etwas sagen konnte, erschien die diensthabende Hausdame im Flur und forderte die Frauen auf, endlich an die Arbeit zu gehen. Schnell zerstreute sich die Ansammlung und alle machten sich auf zu ihrem Bereich, so wie er aus dem Schichtplan ersichtlich war.

„Bist du eigentlich völlig verrückt?“, zischte Clarissa.
„Wieso?“, frage Lea leichthin. „Wenn sie meint sie wäre dazu imstande, dann soll sie es doch beweisen.“
Das leise Gespräch zwischen den Beiden fand außerhalb der Hörweite aller anderen Angestellten statt. Clarissa hatte ihre Kollegin und Freundin aufgehalten. Ihrer Miene war zu entnehmen, wie sie zu der Sache stand.
„Die Neuen bilde sich immer gerne ein alles zu können“, erklärte sie ungehalten. „Wir lassen sie aber nicht so ins Messer laufen.“
„Was soll ihr schon passieren?“, fragte Lea etwas zu lässig. „Sie ist süß und wird ihm bestimmt besser gefallen als Mara.“

„Sie ist zuckersüß“, bestätigte Clarissa knapp und wurde dann etwas lauter: „So süß wie keine von uns. Und du weißt genau was passieren wird.“
„Ach herrje!“, antwortete Lea gespielt erschrocken, „Daran habe ich ja gar nicht gedacht. Aber jetzt ist es nicht mehr zu ändern.“
„Du willst sie loswerden!?“ Der Ausdruck plötzlichen Verstehens trat auf Clarissas Gesicht. „Du willst, dass sie kündigt, nachdem sie herausgefunden hat, was sie erwartet.“

„Besser sie als wir“, antwortete die andere hart. „Du weißt genau, dass wir gegen so eine nicht ankommen. Wenn wir nicht das Glück haben, dass sie einer vom Fleck weg heiratet, wird sie mit ihrem Knackarsch, ihren süßen Apfeltitten und vor allem ihrem widerlich niedlichen Gesicht schnell die Nummer eins sein.“
„Und dann müsstest du länger warten, bis du eine Empfehlung kriegst, die dich von hier wegbringt.“
Leas Schweigen war Antwort genug. Doch bevor die Beiden das Gespräch fortführen konnten, öffnete sich die Tür zum Abstellraum für die Wagen der Etage und der Etagenbutler sah hinein.
„Quasseln könnt ihr in der Pause“, sagte er barsch, „Jetzt braucht die Fünf neues Bettzeug und die Drei eine Generalüberholung.“
Schnell beeilten sich die beiden Zimmermädchen, der Aufforderung nachzukommen und Clarissa hatte lediglich noch Zeit, Lea einen Blick zuzuwerfen, der aussagte, dass diese Sache noch nicht zu Ende besprochen war.

In der südamerikanischen Suite hatte derweil Brian Willis, der persönliche Butler von Senor Coregaz, seinen Posten bezogen. Aus den Erfahrungen der letzten Tage wusste er, dass der Gast, für den er zuständig war, seine Anwesenheit schätzte. Er wollte immer jemanden vor Ort haben um seine Anweisungen auszuführen und legte offenbar Wert darauf, dass er hierfür nicht seine beiden Leibwächter bemühen musste.
Wären die Leibwächter nicht beunruhigend kompetent und sachlich gewesen und hätte der Butler nicht um den Beruf seines Gastes gewusst, so hätte er ihn in die Kategorie ‚verwöhnter, reicher Flegel‘ eingeordnet. Mit seinem Wissen musste er jedoch zugestehen, dass Coregaz sich lediglich keinerlei Beschränkungen unterwarf und das exklusive Angebot des Hotels in vollen Zügen auskostete.
Diesen Genuss zu bewerten war ebenso wenig sein Job, wie sich über den Beruf seines Gastes Gedanken zu machen. Seiner unbewegten Miene war dank langen, harten Trainings keine Meinung zu entnehmen. Als es vorschriftsgemäß klopfte, holte er wie jeden Morgen zunächst die Erlaubnis des Gastes ein, das Zimmermädchen einzulassen. Wie dieser, war auch er neugierig, welches der Mädchen heute hier Dienst haben würde. Er hatte jedoch gänzlich andere Gründe.

Beinahe wären ihm nun allerdings doch die Gesichtszüge entgleist, als eine der jungen Neuanfängerinnen mit ihrem Wagen durch die Tür kam. Ein schneller Blick zu Coregaz bestätigte leider, dass auch dieser das Mädchen schon entdeckt hatte. Seine Miene erhellte sich beträchtlich und er schien keineswegs verärgert, dass es sich nicht um die verlangte, dralle Blondine handelte.
Das Mädchen, dessen Gesicht Brian bislang noch nicht bekannt gewesen war, konnte man weder als drall, noch als blond bezeichnen. Sie war zierlich und brünett und wirkte erschreckend jung. Hätte der Butler nicht gewusst, dass alle Zimmermädchen mindestens 21 Jahre alt sein mussten, so hätte er sie für bedeutend jünger gehalten.
Gleichzeitig mit Brian erfasste auch der Gast die Lage und sein Blick heftete sich auf das wirklich niedliche und sehr unschuldig wirkende Gesicht. Die eindringliche Musterung ließ das Mädchen den ohnehin gesenkten Kopf noch weiter zum Boden richten und eine fast schon entzückende Röte überzog ihre Wangen. Als wäre es ausgesprochen worden vermeinte der Butler die Bewertung von Coregaz zu hören: ‚Diese Kleine hatte gewiss noch nicht Viele‘.

Unbeirrt, wenn auch weiterhin mit gesenktem Kopf, murmelte sie ihre Begrüßung und zog ihren Wagen zum Bett. Brian folgte dem Blick des Gastes und musste eingestehen, dass die Kleidung im Stil eines Zimmermädchens um 1900 dieser Frau hervorragend stand. Das Design vollführte einen, von der Hotelführung gewünschten, Drahtseilakt zwischen verführerisch und bieder und schien wie für diese Frau gemacht. Ihre Figur kam hervorragend zur Geltung.
Als sie sich, völlig auf ihre Arbeit konzentriert, mit durchgestreckten Knien nach vorne beugte, musste der erfahrene Gästebetreuer sich sehr zusammenreißen um sich nicht vorzubeugen und vielleicht einen Blick unter den Rock zu erhaschen. Die drei anderen Anwesenden erlegten sich keinerlei derartige Beschränkungen auf.

„Madre de Dios!“, ließ sich Coregaz vernehmen, „Die kleine Sau hat kein Höschen an!“
Sein schwerer, spanischer Akzent mit dem rollenden ‚r‘ ließ den Butler leicht zusammenzucken. Er eignete sich hervorragend für eine derartige Ausdrucksweise.
Das Mädchen richtete sich eilig auf und drehte sich um. Weiterhin mit gesenktem Kopf und hochroten Wangen flüsterte sie: „Meine Wäschekommode hatte leider einen Zusammenstoß mit einem Farbeimer, Sir. Ich entschuldige mich bei Ihnen.“
Der Mann lachte rau, während sich Brian im Geiste vor den Kopf schlug und beschloss, dem Kleiderfundus einige Stücke Unterwäsche für solche Notfälle hinzufügen zu lassen. Erst dann realisierte er, welche Bedeutung die Worte eigentlich gehabt hatten. Doch es war bereits zu spät.

„Soll das heißen du hast gar nichts drunter, Chica?“
„Leider nicht, Sir“, lautete die leise Antwort.
‚Oh hättest du nicht lügen können‘, dachte Brian resignierend. Die nächsten Worte seines Gastes überraschten ihn dann jedoch in ihrer verhältnismäßigen Subtilität.
„Ist das nicht unangenehm und kratzig auf der Haut?“, fragte der Südamerikaner.
‚Immerhin hat er ihr nicht vorgeschlagen…‘, formulierte der Butler in Gedanken, doch schon auf ihre Bestätigung hin unterbrach er sich im Geiste und war über die folgenden Worte keineswegs überrascht.
„Dann zieh den Fummel aus, Chica.“

Die Worte waren von einem Kommandoton unterlegt, obwohl sie leichthin gesprochen wurden. Zur Überraschung zumindest eines Anwesenden, vermutlich jedoch aller, antwortete sie lediglich mit einem leisen „Ja, Sir“ und schob sich die Träger des Kleides von den Schultern.
Obwohl sie den Prozess des Ausziehens so sachlich erledigte, wie man nur konnte, war es absolut still im Raum und vier Augenpaare folgten begierig dem oberen Saum des Kleidchens. Mehrstimmig wurde zischend Luft eingesogen, als zwei perfekt geformte Brüste zum Vorschein kamen, deren Haltung kein Pushup-BH hätte verbessern können.
Zwei, vermutlich durch den rauen Stoff bereits gereizte Brustwarzen schnellten aus dem Saum hervor und verschärften die Spannung weiter. Als unterhalb des flachen Bauches keinerlei Haare oder auch nur Stoppeln folgten, bis der Stoff zu Boden fiel und die junge Frau sich vollkommen nackt präsentierte, ertönte ein mehrstimmiges Zischen.

Die nun frei an den Seiten des makellosen Körpers hängenden Arme zuckten mehrmals, als wolle sie sich schamhaft bedecken, doch vermutlich erinnerte sie sich an die Lektionen ihrer Ausbildung, die zwar nicht solche Situationen beinhalteten, aber dennoch klare Richtlinien vorgaben.
„Alles, Sir?“, fragte sie leise.
Wie sie trotz ihres gesenkten Kopfes sein Nicken sehen konnte, würde vermutlich ein ewiges Rätsel bleiben. Doch sofort beugte sie sich, wiederum mit durchgedrückten Knien, nach vorne um die halterlosen Strümpfe und die Schuhe abzustreifen. Dass sie dabei Brian und einem der Leibwächter einen praktisch unverstellten Blick auf ihr Allerheiligstes gewährte, ahnte sie wahrscheinlich nicht einmal.
„Danke Sir“, sagte sie, als sie schließlich vollkommen nackt im Raum stand.
Ihr Tonfall war dabei zittrig, aber dennoch klangen die Worte nicht sarkastisch. Brian war fassungslos und konnte kaum glauben, dass dieses Mädchen tatsächlich glauben mochte, die Anweisung sei reine Freundlichkeit gewesen. Sie musste doch die Blicke bemerken, die selbst er ihr fast wie unter Zwang zuwarf.

Als wäre nichts weiter geschehen, wandte sie sich nun wieder dem Bett zu und wollte mit ihrer Arbeit beginnen. Für einen kurzen Augenblick verständigten sich alle Anwesenden mit Blicken und brachten ihren Unglauben zum Ausdruck. Da Brian in diese Kommunikation mit eingebunden wurde, kamen die Männer schließlich gemeinsam zu dem Schluss, dass dieses Mädchen tatsächlich so außergewöhnlich war, wie es wirkte.
Unschuld und Unbefangenheit mischten sich hier mit einem derart anziehenden Äußeren, dass keiner von ihnen glauben mochte, es mit einem unerfahrenen, jungen Ding zu tun zu haben. Doch da alle Anzeichen dafür sprachen, siegte die Hoffnung.
Selbst Brian musste sich, nicht ohne leise Gewissensbisse, eingestehen, das er das starke Verlangen verspürte diese Reinheit zu beschmutzen und zu zerstören. Ob die Angewohnheiten von Coregaz einen schlechten Einfluss auf ihn ausübten oder es doch dieses Mädchen war, konnte er nicht beantworten.

„Komm zu mir herüber, Chica“, befahl der Südamerikaner mit bereits heiserer Stimme.
Sofort ließ das Mädchen die Laken fallen und folgte der Anweisung. Erst im vorschriftsgemäßen Abstand von etwa einer Armlänge vor seiner Schulter stoppte sie. Dass sie dabei beinahe seine Knie mit ihren Oberschenkeln berührte und das sie in diesem Fall durchaus etwas mehr Abstand hätte halten dürfen, schien ihr nicht aufzugehen.
Brian fiel auf, dass Coregaz keine Anstrengung unternahm, ihr in die Augen zu sehen und er ahnte den Grund dafür. Selbst einem hartgesottenen und skrupellosen Mann wie ihm würden die Augen einer solchen Unschuld vermutlich zu schaffen machen.

„Knie nieder.“
„Sir?“ Das Wort war nur ein Flüstern und klang nun schließlich doch ängstlich.
„Knie nieder!“
Auf die erneute Aufforderung hin ließ sich das Mädchen mit einer Eleganz auf die Knie sinken, die Brian noch niemals beobachtet hatte. Nicht nur ihr Körperbau und ihre Proportionen waren perfekt, sondern auch ihre Bewegungen. Beinahe wie bei einer Tänzerin.
Als sie kniete, stand der Mann vor ihr auf. Als seine Hose ihr Gesicht berührte, entfernte sie sich gerade so weit, bis der Kontakt wieder abgebrochen wurde. Doch wie Brian bereits geahnt hatte, half ihr das nicht.
„Öffne meine Hose.“
„Sir?“ Die Stimme war nun fast nur noch ein lautloser Hauch und dennoch hörte der Butler sie deutlich. Seine Stimmung schwankte zwischen Mitleid, dem Wunsch ihr zu helfen und großer Erregung. Wobei zu seinem Leidwesen der dritte Zustand überwog.

„Öffne meine Hose und lass mich nicht jede Anweisung wiederholen.“
Der drohende Ton ließ sie zusammenzucken und mit zitternden Fingern machte sie sich daran ,den Gürtel und den Knopf der Hose zu öffnen. Ihr ganzer Körper schien vor Angst zu beben, als sie die Arme wieder sinken ließ.
„Zieh sie runter.“
Zögernd folgte sie auch dieser Anweisung.
„Die Unterhose auch.“
„Bitte…“
Ihr Tonfall war nun flehend und jetzt wagte sie es den Blick zu heben. Ein paar Tränen hinterließen feuchte Spuren auf ihren Wangen und von der Seite konnte Brian nur erkennen, dass die Augen sehr hell waren.

Den Mann vor ihr traf ihr Blick scheinbar unerwartet und mit voller Härte. Sein überraschter Ausdruck bekundete, dass sie tatsächlich so unschuldig und rein blicken musste, wie Brian es erwartete. Doch zugleich schien bei Coregaz nun umso mehr das Bedürfnis zu erwachen, sie zu beflecken und die Reinheit zu zerstören. Aus der leichten Beule in seiner Unterhose wurde schnell eine deutliche Ausbuchtung.
Gleichzeitig machte der Leibwächter hinter dem Mädchen jedoch noch eine weitere Beobachtung: „Sie ist feucht!“
Die Worte waren in Spanisch gesprochen und für Brian sehr wohl verständlich, doch wie Coregaz auch starrte er nun ungläubig den Mann an. Der Südamerikaner fing sich jedoch schnell wieder und blickte erneut hinab.

„Ist das wahr?“
„Was, Sir?“, erklang ihre herzzerreißende Antwort.
„Bist du geil?“
„Ich weiß nicht, Sir“, antwortete sie stockend und unsicher, „Ich fühle mich seltsam.“
„Seltsam, hm?“, fragte er argwöhnisch. „Greif dir mit der Hand in den Schritt und zeig mir dann deine Finger.“
Zögernd folgte sie seinen Anweisungen und an den beiden Fingern die sie vorzeigte, glitzerte tatsächlich Feuchtigkeit. Coregaz griff danach und spreizte die Finger auseinander, so dass kleine Fäden zwischen ihnen gezogen wurden.
Erneut verständigten sich die vier Männer und bezeugten sich, dass dies keine optische Täuschung war. Das Mädchen schien mehr als nur ein wenig erregt zu sein. Ihre verhärteten Brustwarzen waren ein weiteres Indiz, wenn man bedachte, dass es im Zimmer beinahe tropisch warm war.

„Bitte, Sir“, flehte sie, „Ich versündige mich.“
Coregaz Lachen war kurz und hart.
„Das wirst du“, bestätigte er dann ihre Aussage etwas anders als sie erwartet haben mochte. „In einer Weise, die du dir noch gar nicht vorstellen kannst.“
Am Zittern der noch immer erhobenen Hand konnte man erkennen, dass die Worte sie trafen und ängstigten.
„Steck die beiden Finger in den Mund und leck das ab“, wies er sie an.
Schluchzer schienen ihrer Schultern zu erschüttern, als sie auch dieser Anweisung nach kurzem Zögern Folge leistete.
„Schmeckst du das Brennen des Fegefeuers?“, fragte er drohend.
Zur Antwort nickte sie nur und ein leises Schluchzen war nun auch zu hören.
„Und trotzdem tust du, was ich dir sage?“

„Mir wurde beigebracht, dass Ungehorsam die größte Sünde ist“, erklärte sie weinend.
„Also wirst du tun, was ich dir sage, ganz gleich welche Sünden es auch beinhalten wird?“
„Bitte, Sir, zwingt mich nicht…“
„Wirst du?“
Ein kraftloses Nicken war die Antwort.
„Dann wirst du alles tun um das Brennen der Sünde in deinem Körper zu steigern und dich ihm hingeben“, kommandierte Coregaz daraufhin. „Du wirst nichts zurückhalten und alles geben. Je teuflischer es ist, desto besser.“ Das Mädchen sackte noch mehr in sich zusammen.
„Alles, was du jemals gehört, gesehen und vor allem in sündigen Stunden geträumt hast, wirst du nun tun“, fuhr er fort. „Hast du das verstanden?“
Das Nicken war kaum sichtbar, doch ihr Körper richtete sich nun wieder auf und sie blickte erneut zu ihm auf. Die Tränenspuren auf ihrem Gesicht bezeugten nun, dass ihre Verzweiflung echt war. Was in ihren Augen stehen mochte, konnte Brian jedoch nicht einmal ahnen. Er hatte die Unterhaltung atemlos und ungläubig mit angehört und schaffte es längst nicht mehr seine Miene unbewegt zu halten. Und zu seiner Schande hatte er eine schmerzhafte Erektion.
„Sie sind der Teufel!“, stellte sie fest
„Ja, das bin…“

Coregaz konnte seinen Satz nicht vollenden, denn nachdem sie diese Feststellung gemacht hatte, zog sie den Bund der Unterhose nach unten und schloss ihre Lippen fest um seinen Penis. Überraschtes Grunzen von den anderen Männern und ein lautes Aufkeuchen von ihm waren die Folge. Sofort griff der Südamerikaner dem Mädchen in die langen Haare und zog ihren Kopf noch dichter zu sich heran.
Erst schien sie ihm noch etwas Widerstand zu leisten, doch dann ließ sie sich sein Organ bis in den Rachen schieben. Ihr eigenes Keuchen wurde von seinem Stöhnen übertönt und überraschenderweise schien sie nicht einmal zu würgen, obwohl er sehr tief in ihre Kehle eingedrungen sein musste.
Wie vollständig sie sich offenbar seinen Anweisungen fügte, offenbarte ihr beinahe verklärter Gesichtsausdruck, als er ihren Kopf zurückriss. Lange Speichelfäden zogen sich von seiner Eichel zu ihren offenstehenden Lippen und weiterer Speichel lief aus ihren Mundwinkeln und tropfte auf ihren Busen.
Der Duft weiblicher Erregung strömte in den Raum und offenbarte noch einmal unzweifelhaft, dass es sie ebenso sehr erregte, wie abstieß.

Als Coregaz zurück in seinen Sessel sackte, folgte sie ihm sofort und stülpte ihre Lippen wieder über seine Männlichkeit. Noch einmal drückte er ihren Kopf hinunter, während sein eigener nach hinten sackte. Und wieder nahm sie seinen nicht gerade kleinen Penis bis tief in ihren Rachen auf und veranlasste ihn dazu, laut zu stöhnen.
Beim dritten Mal benötigte sie die Führung seiner Hand kaum noch, um sich sein Organ einzuverleiben. Als er jedoch daraufhin keinen Druck mehr ausübte, stellte sie ihre Bewegungen sofort ein.
Nach einem Moment ruckte sein Kopf wieder hoch und er blickte ihr ins Gesicht.
„Tun sie es bitte“, flüsterte sie heiser und machte keine Anstalten den Speichelfluss aus ihrem Mund aufzuhalten. „Stoßen sie ihn hinein so tief sie können.“ Ein kurzes Zögern und ein unsicherer Blick hinab auf seine prall und steil aufragende Männlichkeit folgte und dann ergänzte sie beinahe flehend: „Benutzen sie mich.“

Wie die anderen drei Männer auf ihren Zuschauerpositionen, so hatte sie offenbar auch Coregaz in ihren Bann geschlagen. Schnell und kompromisslos kam er ihrer Aufforderung nach und drückte ihren Kopf mit hartem Griff in ihren Haaren wieder hinab.
Brian fand keinen anderen Ausdruck für das, was er mit ihr machte, als dass er sie in den Mund fickte. Es war obszön und erniedrigend, doch der stärker werdende Geruch bezeugte, dass sie nicht ausschließlich darunter litt. Mit schnellen und brutalen Bewegungen zwang er sie immer wieder so weit hinab, dass sie zeitweise keine Luft bekommen konnte, weil ihre Nase an seinen Schambereich gepresst wurde.
Es dauerte nur wenige Minuten, bis sein Atem immer schneller ging und er sich schließlich mit einem lauten Grunzen tief in ihren Hals ergoss. Nun musste sie schließlich doch husten und hätte beinahe alles ausgespuckt. Doch als er ihr etwas Raum zum Atmen ließ, weil der Höhepunkt seine Konzentration beeinträchtigte, warf sie ihren Kopf nach hinten und sammelte alles in ihrem Mund. Langsam und mit obszöner Deutlichkeit schluckte sie mehrmals und beugte sich danach vor, um seinen Penis und den Bereich darum herum mit der Zunge sauber zu lecken.

Im Anschluss daran griff sie erneut zwischen ihre Beine und holte ihre Hand wieder hervor. Dieses Mal war die Hand nass und zog reichlich Fäden, als sie die Finger spreizte. Mit einem hilflosen Blick wandte sie sich Coregaz zu und ihr Zittern war nun scheinbar nicht mehr auf Furcht oder Trauer zurückzuführen.
„Ich…“ Hilflos verstummte sie, doch ihr Gesicht zeigte einen Ausdruck maßloser Unsicherheit.
Ermattet blickte der Südamerikaner zunächst zu seinen beiden Leibwächtern und dann zu Brian. Der Reihe nach nickte er ihnen zu. Unsicher folgte sie seinem Blick.
„Du bekommst, was du brauchst“, sagte er auffordernd, „Du musst sie nur darum bitten und es aussprechen.“
Ihre Verlegenheit war weniger an ihrem ohnehin hochroten Gesicht, als vielmehr an ihrem Blick auszumachen, als sie sich umwandte. Da sie dazu lediglich ein Knie nach außen setzte, bot sie einen unfassbar aufreizenden Anblick für Brian. Mit nun weit gespreizten Schenkeln und speichel- wie spermaverschmierter Brust wandte sie sich den drei Männern zu. Ihr Hals zeigte eine deutliche Rötung und zwischen ihren Beinen konnte man die vorhin noch geschlossenen Schamlippen sehen, die nun angeschwollen und gerötet in ihrer Nässe zu schwimmen schienen. Ihre Innenoberschenkel waren davon überzogen. Ihr Blick war flehend und dabei dennoch weiterhin so unschuldig, dass es Brian das Herz in der Brust sprengen wollte.

„Würden sie mich bitte…“, wieder stockte sie, „Bitte tut etwas!“ Tränen stiegen ihr erneut in die Augen und scheinbar war sie vollkommen hilflos. „Ich weiß nicht was. Bitte!“

Beinahe gleichzeitig setzten sich die Drei in Bewegung. Brian kam als erster bei ihr an und reichte ihr die Hand. Trotz ihres Zustands erhob sie sich elegant wie eine Tänzerin und wirkte dabei für einen winzigen Augenblick ganz und gar nicht unsicher.
In ihrer Nähe war der Duft ihrer Erregung unwahrscheinlich anregend, doch keiner der Männer brauchte noch eine weitere Stimulation. Schnell stiegen sie aus ihrer Kleidung und einer der Leibwächter packte sie an der Hüfte und zwang sie grob zu Boden. Ohne lange zu fackeln drängte er sich zwischen ihre Schenkel und drang in sie ein.
„Oh Goooott“, entrang es sich ihrem Mund und ging dann in ein wimmerndes Stöhnen über.
Schnell und brutal rammte er mehrmals in sie hinein bevor sie anfing sich ihm entgegen zu biegen. Ihre Beine klammerten sich um seine Hüfte und ihr Stöhnen würde lauter, bis es eher ein leises Schreien war. Mit Händen und Beinen versuchte sie, den Stößen noch mehr Wucht zu verleihen, während der kräftige und sportliche Mann bereits gehörig ins Schwitzen kam.
„Sie ist unglaublich eng“, presste er mühsam auf Spanisch hervor. „So eine hatte ich noch nie.“

Dann erklommen die Schreie eine neue Ebene und der Körper des Mädchens fing an sich zu verkrampfen. Mit aller Kraft krallte sie sich plötzlich an dem Mann über ihr fest und schrie aus Leibeskräften. Auch er presste nur noch einen unverständlichen Fluch hervor, bevor er sich verkrampfte und sich offensichtlich in ihr verströmte.
Nach einem endlos scheinenden Augenblick entspannten sich die Körper, obwohl der ihre noch einige Male unkontrolliert zuckte. Nach einer kleinen Weile wälzte sich der Leibwächter von ihr herunter.
„Sie hat mich ausgepresst wie mit dem Mund“, erklärte er erschöpft.
Das Zimmermädchen öffnete währenddessen wieder die Augen und suchte nach Coregaz Blick: „Mehr!“, hauchte sie atemlos.

„Leg dich hin, Brian“, befahl der Südamerikaner daraufhin. Ohne nachzudenken folgte der Butler dem Befehl.
Ohne zu zögern krabbelte sie daraufhin zu ihm und legte sich auf seinen Körper. Ohne Hilfe rutschte sein steif aufragendes Glied in sie hinein.
„Und du fickst sie in den Arsch.“
Mit verklärtem Blick starrte sie in Brians Gesicht. Über ihrer Schulter sah er den anderen Leibwächter und stumm verständigten sie sich. Mithilfe ihrer reichlich vorhandenen Feuchtigkeit war es ihm ein Leichtes, anzusetzen und langsam in ihre andere Öffnung einzudringen.
„Oh Gott!“, keuchte sie wieder, „Ja! Fick mich in den Arsch. Fickt mich!“
Ungläubig erkannte Brian, was der bereits an der Reihe gewesene Mann gemeint hatte, als er die Muskelkontraktionen spürte, die ihn massierten wie feuchte, heiße Lippen. Obwohl bereits ein Mann in ihr gekommen war, war sie enger als jede Frau, mit der er bisher geschlafen hatte.
Als sein Partner bei dieser Orgie anfing kraftvoll zuzustoßen, klangen ihre Schreie an seinem Ohr nicht wie Schmerzensschreie und auch der geradezu verzückte Ausdruck auf ihrem Gesicht zeugte davon wie sehr sie es genoss.
Mit jedem der härter werdenden Stöße wurde sie weit nach vorne geschoben, sodass er jedesmal aus ihr hinaus rutschte. Doch wenn ihr Körper sich wieder zurückdrückte, nahm sie ihn auch jedesmal wieder in sich auf. So weit sie konnte, schob sie sich dem nächsten Stoß von hinten entgegen und spießte sich dabei jedesmal vollständig an ihm auf. Wieder und wieder und wieder…

Schließlich waren alle zu erschöpft, um fortzufahren. Coregaz lag auf seinem Bett und schlief. Ebenso wie Brian und die beiden anderen dort eingeschlafen waren, wo sie gelegen hatten. Stunden waren vergangen, seit das Mädchen das Zimmer betreten hatte, doch da sie für dieses Zimmer zuständig war, würde man sie nicht vermissen. Julie war neben dem Südamerikaner eingeschlafen, doch nachdem die Männer in den tiefen Schlaf geglitten waren, den ihre Erschöpfung von ihnen forderte, rührte sie sich wieder.
Mit katzenhafter Eleganz löste sie sich von Coregaz und stand auf. Die letzten Reste seines Spermas auf ihrer Brust nahm sie mit dem Finger auf, den sie dann ableckte.
„Du schmeckst gut für einen international gesuchten Waffenhändler“, flüsterte sie mit einem Lächeln. „Aber das wird dich nicht retten.“

Zielstrebig suchte sie einige kleine Gerätschaften aus den Laken auf ihrem Servicewagen, der unbeachtet im Raum stehen geblieben war. Wenige Minuten später hatte sie ihre Aufgabe vollbracht.
Nach einer schnellen Dusche nahm sie ihre Zimmermädchen-Uniform auf. Die ersten Blessuren und körperlichen Spuren der Geschehnisse verblassten bereits und in zwei bis drei Stunden würde ihr Körper wieder so makellos aussehen wie am Morgen. Im Eifer des Gefechts hatte das niemand bemerkt, doch würde sie bleiben, würde es ihnen auffallen.
Mit einer Spur von Bedauern schrieb sie noch einige Worte auf ein Blatt und ließ es hastig aussehen. Dann packte sie die Kleidung als habe sie diese hastig aufgegriffen und ließ einen Schuh und einen Strumpf zurück. Nach kurzer Konzentration gelang es ihr, erneut in Tränen auszubrechen und sich in die Verzweiflung eines völlig hoffnungslosen und aufgelösten Menschen hineinzusteigern. Diese Emotionen hatten ihre besonderen Sinne schon so oft wahrgenommen, dass es ihr nicht schwerfiel. Dann trat sie zur Tür der Suite und öffnete sie schließlich hastig, um verzweifelt weinend den Flur hinab zu laufen.

Als die Männer viele Stunden später erwachten, hatte das Zimmermädchen Julie bereits von der Vergewaltigung auf dem Zimmer berichtet und gekündigt. Konsequenzen drohten weder dem Gast und seinen Leibwächtern, noch dem Butler, denn für die einen galt die Regel des Hotels und von der Beteiligung des anderen hatte niemand erfahren.
Die Geschäftsleitung war auch im Bilde über den Namenstausch im Schichtplan und hatte nach Überprüfung der Kameraaufzeichnungen im Angestelltentrakt bereits die Konsequenz gezogen. Am heutigen Tag hatte man eine vielversprechende Anfängerin und die erfahrenste Kraft verloren, doch das Hotel würde es verschmerzen. Die Auswahl an Bewerberinnen war groß.
Zurück blieb offensichtlich nur ein Blatt Papier mit den Worten ‚Ich hasse sie!‘

Und natürlich ein halbes Dutzend hochmoderne Minikameras, die für ihre Besitzer wertvolle Informationen über amerikanische Geschäftskontakte eines gefährlichen Verbrechers lieferten. Informationen die viel wertvoller waren als Beweise für Verbrechen dieses Mannes, denn sie würden helfen seinen Geschäftspartnern auf die Schliche zu kommen.

Für diese Geschäftspartner würde man möglicherweise wieder auf eine Agentin zurückgreifen müssen, deren besondere Talente ihr den Beinamen ‚Sukkubus‘ einbrachten. Denn wie bei der namensgebenden Sagengestalt, erfuhren die meisten Opfer niemals etwas davon, dass sie ihr begegnet waren, und fühlten sich nach einer Begegnung kraftlos und erschöpft.

Montag, 6. August 2012

Feuermal - Teil 01 - wip

Feuermal
Eine Geschichte über einen schmerzhaften Tanz auf der Klinge

Work in Pogress

Wie immer bedeutet das 'wip', dass die Geschichte noch nicht endgültig feststeht, so wie sie hier präsentiert ist. Und außerdem ist sie noch lange nicht fertig erzählt.
In erster Linie will ich sie jetzt schon einmal teilen, weil ich sehen möchte, wie sie bis hierhin wirkt. Weil sie anders ist, als meine anderen Geschichten. Zumindest für Leute, die mich nicht persönlich kennen.

Ich nehme gerne jedes Feeback, dass irgendwem einfällt. Und auch gerne Aussagen zum Titel oder Untertitel. Insbesondere Letzterer ist nur eine 'wip'. ;-)

Hinweisen sollte ich noch auf Folgendes:
Triggergefahr. Die Story enthält selbstverletzendes Verhalten in verschiedenen Variationen und eine gehörige Portion Selbsthass und Selbstzerstörung.
Wenn du damit Probleme hast, dann ließ sie vielleicht lieber nicht.

*****



Liebes Tagebuch
Mein Name ist Serena. Ich bin neun Jahre alt und gehe in die dritte Klasse der Grundschule.
Und ich habe das Feuermal.

Mama sagt, es ist das Feuermal, weil es so groß und rot ist. Papa hat immer gesagt, dass es schon in Ordnung ist, weil ich ja sowieso etwas Besonderes bin und es so jeder sehen kann. Aber Papa ist leider letztes Jahr gestorben. Und weil er mir gesagt hat, dass ich ihm und meinem Tagebuch alles anvertrauen kann und weil er jetzt nicht mehr da ist, habe ich jetzt ein Tagebuch.
Das ist zwar nicht so gut wie Papa, aber immer noch besser als Mama. Die hört nämlich nicht gerne zu.

Auch wenn Papa gesagt hat, dass es in Ordnung ist, etwas Besonderes zu sein und ein Feuermal zu haben, mag ich es nicht. Ich wäre lieber normal. Dann würden die anderen Kinder nämlich auch nicht so gemeine Sachen zu mir sagen.
Aber leider kann man das Feuermal nicht wegmachen. Bei anderen Leuten geht das, aber die haben auch keine Sonnenallergie. Deswegen kann man die Läsern Lesern. Nur bei mir ist das gefährlich, hat der Arzt gesagt.

Wenn ich groß bin, dann möchte ich gerne eine Fee werden, weil man da lernt, Wünsche zu erfüllen. Und dann wünsche ich mir Papa zurück. Und wenn ich dann noch darf, dann wünsche ich mir das Feuermal weg.
Aber Papa ist wichtiger, weil ich ihn ganz doll vermisse.
Es tut zwar auch weh, wenn die anderen Kinder sagen, ich wäre ein hässlicher, kleiner, rothäutiger Freak, aber als Papa gestorben ist, hat das noch viel mehr wehgetan.</i>

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I.

Serena trat aus der Dusche und vergrub den Kopf in einem Handtuch, um sich die Haare anzutrocknen. Ganz vorsichtig natürlich, denn wenn man zu wild herum rubbelte, dann war jeder positive Effekt einer Dusche auf den morgendlichen Kater völlig für die Katz.
Wie jedes Mal, wenn sie mit ihren Kumpels gefeiert hatte, fragte sie sich, wieso sie es eigentlich tat. Die Kopfschmerzen waren nicht besser, nur weil sie Absinth und Met anstelle von Bier oder Schnaps getrunken hatte. Eher im Gegenteil.
Aber die Antwort lag auch auf der Hand: Zumindest im Rausch konnte sie fliehen.

Im Rausch war sie einfach eine Frau. Eine Goth unter anderen Goths, die nicht weniger betrunken waren und sich deswegen nicht mehr sonderlich für Details interessierten, wenn das Gefummel anfing und sich langsam zu einer allgemeinen Orgie steigerte. Ein Satz Titten, ein Mund, eine Fotze und ein Arschloch. Gut genug.
Nüchtern war Serena jedoch ein Freak. Und nichts konnte daran etwas ändern.
Wo andere Leute ein Geburtsmal hatten, hatte Serenas Körper ein paar normale Stellen Haut. Der Rest war bedeckt von einem sogenannten Feuermal. Und in ihrem Fall war es groß genug, um richtiggehende Euphorie bei den Ärzten ihrer Kindheit ausgelöst zu haben. Rekordverdächtig.
Yay…

Wider besseres Wissen blickte sie in den Badezimmerspiegel. Sie betrachtete ihren Körper, der vielleicht keine abstoßende Wirkung auf Menschen gehabt hätte, wenn er nicht großflächig - auf dem Rücken und Po, ihrer rechten Seite und Brust und den Hals hinauf bis zum Ansatz ihrer Wange - geleuchtet hätte wie eine rote Ampel.
Im Gegensatz zu ihrem, vor vielen Jahren verstorbenen, Vater konnte Serena kein Muster darin entdecken. Sie sah keinen großen Vogel, der die Schwingen spreizte, sondern einen hässliche Flatschen, der aus einer kleinen, dürren Frau mit einer Handvoll Titten einen Freak machte. Einen Mutanten, der am besten im Kuriositätenkabinett eines reisenden Jahrmarkts aufgehoben wäre, wenn es sowas noch gegeben hätte.

Wenn sie noch länger in den Spiegel starren würde, dann wäre sehr bald der Drang da, sich zu verletzen. Also wandte sie sich ab und konzentrierte sich auf eine jogaartige Streckübung gegen die Verspannungen und damit letztlich auch gegen die Kopfschmerzen.
Und genau in dem Moment ging die Tür zum Bad auf.
Sie hatte nicht abgeschlossen. Wieso auch. Niemand wagte es, das Bad zu betreten, wenn auch nur der Hauch einer Chance bestand, dass sie darin war. Sicherlich aus Abscheu, aber auch, weil Serena nicht einfach nur mit Kastrationen drohte, sondern auch sofort nach einem Messer griff, um die Ankündigung umzusetzen.

Zu einer langestreckten Salzsäule erstarrt blickte sie erschrocken den unbekannten Mann an, der nicht weniger regungslos in der Tür stand. Sie registrierte ein attraktives Gesicht mit wachen, intelligenten Augen und Zügen, denen man ansah, wie gerne sie lachten. Es wurde von einem strubbeligen Blondschopf beschattet.
Sie bemerkte auch seinen sportlich schlanken Körper, der zugleich kraftvoll wirkte. Einen Körper, der seine Kalorien eher bei der Arbeit verbrannte, als in einem Fitnessstudio.
Er hingegen schien nur eines zu sehen: das Feuermal. Was auch sonst.

Serena reagierte, wie es ihr in Fleisch und Blut übergegangen war. Sie schrie nicht, sie fuchtelte nicht mit den Armen und sie machte sich gar nicht erst die Mühe, ihre Blöße zu bedecken. Wenn er sich ernsthaft von ihrem Makel losreißen könnte und ihre weiblichen Reize bemerkte, wäre es schon beinahe ein Heiratskandidat gewesen.
Stattdessen wandte sie sich ihm zu, verschränkte die Arme und deutete mit einem Finger an ihren Hals.
„Hier ist auch noch was davon.“
Er hatte den Anstand zu erröten. Aber sein Blick streifte nur kurz ihre Augen, bevor er dem Fingerzeig folgte. Natürlich…

„Und hier“, wies sie auf ihre Brust.
Er zuckte zusammen und brachte ein „Sorry“ heraus.
„Mach dir nix draus. Du bist nicht mein erster Spanner“, gab sie zurück und hielt den Kopf hoch erhoben, als sie auf ihn zuging.
Er schaffte es immerhin, ihr so lange ins Gesicht zu blicken, bis sie sich an ihm vorbeidrängte. Und da sie ihr Handtuch liegen gelassen hatte, bekam er danach noch einen perfekten Blick auf ihren Rücken.

Serena spürte die Berührung seiner Hand einen Sekundenbruchteil, bevor sie tatsächlich stattfand, als sie gerade an ihm vorbei war.
„Erst zahlen, dann anfassen“, fauchte sie sofort, ohne innezuhalten oder sich umzudrehen. Und wie immer wirkte auch das.
Unter seinem bohrenden Blick stolzierte sie durch den Flur, als wäre ihr egal, dass sich im Wohnzimmer noch mindestens ein weiterer Kumpel ihrer Mitbewohnerin aufhielt. Und auch das zeigte seine Wirkung, denn jeder weitere Kommentar blieb aus.

Erst in ihrem Zimmer gestattete sie sich, an der geschlossenen Tür hinabzusinken und vergrub ihr Gesicht in der nächstbesten Jacke, die auf dem Boden in Reichweite lag. Darin erstickte sie ihr frustriertes Stöhnen.
Sie hasste es beinahe noch mehr als ihren eigenen Körper, wenn jemand das Feuermal zu sehen bekam. Alles in ihr zog sich dann zusammen und am liebsten wollte sie sich einrollen und wimmernd warten, bis derjenige verschwunden war. Aber die Aasfresser stürzten sich immer zuerst auf die Verletzten und Schwachen. Diese Lektion hatte sie schon als Kind gelernt.
Abschreckende Wirkung hatte es nur, wenn man sich stark und unnachgiebig aufführte und selbst zum Angriff überging, bevor die anderen es tun konnten.

Aus diesem Grund versteckte Serena ihr Feuermal niemals. Sie präsentierte es im Gegenteil, wann immer sich eine Gelegenheit bot. Und auch wenn sie jedes einzelne Stück in ihrem Kleiderschrank dafür hasste, besaß sie fast nichts, was ihr verfluchtes Schandmal verborgen hätte.
Tatsächlich ging ihre aggressive Angriffspolitik sogar soweit, dass sie ihre Wohnungswahl beeinflusste. Sie hatte unter mehreren Alternativen ausgerechnet die WG für sich ausgewählt, in der eine besonders attraktive und beliebte Schickse wohnte. Auf diese Weise konnte sie sich gar nicht erst verkriechen, sondern musste ständig ihre Krallen zeigen. Und immerhin hatte sie sich mittlerweile einen Ruf erarbeitet, der ihr sogar auf dem Unicampus Ruhe verschaffte.

Zur Ehrenrettung ihrer Mitbewohnerin Jennifer musste Serena eingestehen, dass sie Blondine sich perfekt beherrschte. Nach einem ersten Tag voller provozierter Zusammenstöße hatte kein einziger Kommentar mehr deren Mund verlassen. Und sogar ihre zahlreichen Kumpel und Freundinnen hielten sich zurück, nachdem sie Serenas Schokoladenseite - die aus einhundert Prozent Kakao und ohne Zucker - kennengelernt hatten.
Zumindest verbal. Mit den Augen verteilten sie natürlich den gewohnten Hohn und Spott bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Bis zu dem Punkt, an dem Serena sich fragte, wie viele der Arschlöcher eigentlich ihre Augen- oder auch nur ihre Haarfarbe kannten.

Sie gönnte sich ein paar Minuten der Schwäche, bevor sie sich zusammenriss und in ihrer Wäscheschublade nach einem durchscheinenden Höschen fischte. Dergestalt ‚bekleidet‘ verließ sie ihr Zimmer noch einmal, weil der siegreiche Feldherr schließlich das Schlachtfeld nicht mied. Allerdings kam sie nur bis in den Flur.
Von dort aus hörte sie bereits die Stimme des Neuen, wie er sich dem anderen Kerl - einem Verlierer namens Kevin - gegenüber ereiferte.
„Es wäre ein Riesending“, erklärte er gerade. „Über den gesamten Rücken bis runter auf den Arsch. Und auf der rechten Seite bis über die Brust. Das wäre dann das Ende der einen Schwinge. Oben am Hals ist der Kopf. Und für den unteren Bereich wären es dann Schwanzfedern in der Art. Ich sehe es richtig vor mir…“
„Alter“, erwiderte Kevin staunend. „Ich kann’s mir echt vorstellen. Vor allem den Teil mit dem Arsch und den mit der Titte.“
„Schwanzgesteuerter Freak…“
„Nein im Ernst. Ich mag die Idee. Und auf dem Körper…“ Er stockte kurz. „Alter… Vergiss es.“

Serena hatte genug gehört. Sie hatte sogar zu viel gehört. Aber sie schaffte es dank jahrelanger Erfahrung, ihre Trauer durch Wut zu überdecken. Und jetzt gerade hatte sie eine Menge Wut dafür zur Verfügung.
Ausgerechnet der eine Vergleich für die Form des verfluchten Mals, den ihr Vater immer verwendet hatte und dem noch der winzige Hauch einer positiven Note anhaftete, war nun ebenfalls für immer entweiht. Gleich als Zweites würde sie die Handvoll Vogelbilder in ihrem Zimmer abnehmen und wegschmeißen.
Aber als Erstes musste sie etwas anderes tun.

„Na ihr Freaks“, stichelte sie beim Betreten des Wohnzimmers und musste keinerlei Mühe aufbringen, um die Worte vor Verachtung triefen zu lassen.
„Uh…“, machte Kevin offensichtlich ertappt. Aber da er sie im Türrahmen gut sehen konnte, fanden seine Augen genug Ablenkung, um sich gar nicht erst in ihr Gesicht zu verirren. „Hey Schönheit. Du bist ja heute richtig festlich gekleidet.“
Die Anspielung darauf, dass sie fast schon häufiger nackt durch die WG lief, als mit irgendetwas bekleidet, traf sie nicht. Die höhnische ‚Schönheit‘ hingegen schon. Aber natürlich ließ sie sich das nicht anmerken.
„Mein neuester Spanner und mein ältester tauschen sich aus?“, fragte sie, während der Neue sich umdrehte.
„Ja… Haha…“, machte Kevin gequält. „Das ist Will. Alter Freund von Jenni und Tätowierer. Kommt grad aus Japan, wo er…“
„Tätowierer, hm?“, unterbrach sie und betrat den Raum. Während sie zielstrebig auf den Wohnzimmertisch zusteuerte, musterte sie diesen Will betont abschätzig. „Naja irgendwie muss ja jeder versuchen, an nacktes Fleisch zu kommen.“
„Wenigstens werde ich fürs Anfassen bezahlt. Und nicht fürs Anfassen lassen“, gab der Wichser ziemlich schlagfertig zurück.

Für eine Millisekunde brachte er Serena damit aus der Balance. Kevin und die meisten von Jennifers Kumpels waren weniger schlagfertig. Zumindest mittlerweile.
„Oh… Da hat jemand noch kein Gebiss, sondern richtige Zähne“, kommentierte sie, während sie sich über ihn beugte, und sich Kevins Zigaretten vom Tisch nahm. „Wieder was zum Ausschlagen.“
Im Gegensatz zu den meisten anderen, die allerdings neben ihren metaphorischen Krallen auch schon ihre echten kannten, wich er kein bisschen einer Berührung aus.
„Ich könnte dir das noch anders beweisen“, schlug Will vor und klackte einmal mit den Zähnen dicht vor ihre Brust.
„Ruhig, Brauner. Meinen Tarif kannst du dir in hundert Jahren nicht leisten.“

Lässig richtete sie sich wieder auf und zündete sich eine Zigarette an, deren Rauch sie dem frechen Mistkerl entgegen pustete. Man konnte ihm richtiggehend ansehen, dass er sich eine Antwort verbiss.
„Spuck‘s schon aus, bevor du dran erstickst. Ich mag es, wenn ein Männchen zumindest einen Hauch von Gegenwehr leistet, bevor ich es verspeise.“
„Nein. Ich würde es später bereuen, weil ich nur auf deine Provokationen reagiert hätte. Ich gebe dir meine Antwort, wenn mir eine weniger billige Beleidigung einfällt.“
„Ein Eunuch mit Stil? Ich bin ja richtig beeindruckt“, gab sie zurück. Und es war nicht ganz gelogen. Sie war ein klein wenig beeindruckt und hätte beinahe vergessen, wie wütend sie auf den Bastard war. „Aber Kredit gebe ich nicht.“

„Versuchst du eigentlich, mich mit deinen Sticheleien dazu zu bringen, meinen Schwanz auszupacken?“, fragte er viel zu lässig für ihren Geschmack. „Hast du es so nötig?“
„Wenn ich Regewürmer sehen will, gehe ich angeln.“
„Weil Fische, Würmer und Ruten keine Widerworte geben, schätze ich.“
„Widerworte sind ein nettes Vorspiel, wenn ihnen auch mal Taten folgen“, schoss sie zurück.
Sie bemerkte, wie sie ihn nicht mehr so richtig höhnisch anblicken konnte, sondern eher anfunkelte. Und außerdem erkannte sie mit einem gewissen Schrecken, dass es anfing, ihr Spaß zu machen.
Als er abrupt aufstand und sich ihre Körper beinahe berührten, konnte sie den Blick nicht von seinen Augen lösen, in denen ebenfalls ein Funkeln zu sehen war. Und sie konnte auch nicht verhindern, dass sie sich unwillkürlich auf die Unterlippe biss und sich ihre Brustwarzen ein wenig verhärteten.

„Vielleicht sollte ich so unverblümten Aufforderungen einfach mal nachkommen“, grollte er leise.
„Vielleicht würde ich das sogar begrüßen“, hauchte sie zurück, riss sich dann aber zusammen.
Spaß beim Spiel hin oder her. Das führte zu nichts. Und spätestens, wenn er seine Aufmerksamkeit vom Wortgefecht wieder auf ihren missratenen Körper lenkte, würde das auch ihm auffallen. Aber diese Erkenntnis wollte sie nicht in seinem Blick heranreifen sehen. Das wäre zu viel für einen Tag.
Schnell packte sie mit der freien Hand zu und ergriff den Bereich in seiner Hose, der sich als überraschend gut gefüllt erwies. Eindeutig ein Fleischpenis, denn eine Erektion schied ohne Frage aus.
„Och“, machte sie dann. „Schade. Gemessen, gewogen und für nicht gut genug befunden.“
Seine Überraschung über ihre Dreistigkeit verschaffte ihr genug Zeit, um einen sauberen Abgang hinzulegen, bevor er sich wieder gefangen hatte. Das verunsicherte Gelächter von Kevin spielte dazu die Begleitmusik.

Zurück in ihrem Zimmer musste sich Serena schnell eine von ihren eigenen Zigaretten anzünden, damit ihre zittrigen Hände etwas zu tun bekamen. Das war mehr als knapp gewesen. Und mehr als schlecht.
Natürlich verdiente sie sich ihr Geld nicht als Hure. Welcher Mann hätte schon für eine wie sie Geld bezahlt? Außer vielleicht in einem Darkroom. Aber die Anspielungen funktionierten normalerweise, um die Aufmerksamkeit abzulenken und dem Ekel ein anderes Ziel zu geben.
Es war nicht schlimm, verachtet zu werden, wenn es wenigstens nicht aufgrund des Feuermals geschah.

Aber tatsächlich war eines von Serenas größeren Problemen, dass sie Sex mochte. Und sie mochte starke, intelligente Männer. Männer wie diesen Will, der ihr keine Antwort schuldig blieb. Und der ein gutes Gefühl dafür hatte, wann es Zeit wurde, einer Frau zu nahe zu treten.
Sie hatte ungefähr ein halbes Dutzend Mal darauf reinfallen müssen, als sie noch jünger gewesen war. Schon früher hatte sie lieber provoziert, als das Opfer zu spielen. Auf den Mund gefallen war sie dank ihrer Kindheit ganz sicher nicht.
Ein paar Mal hatte man ihr Paroli geboten. Und sie hatte sich der Hoffnung hingegeben, dass es Männer gäbe, die nicht entgeistert zurückweichen würden, wenn sie ihren Körper freilegten. Aber ein halbes Dutzend Heimwege unter Tränen, nachdem sie vor den angewiderten und entgeisterten Blicken geflohen war, hatten eine sehr heilsame Wirkung auf diese Illusion gehabt.

Was nichts daran änderte, dass sie nun mehr als nur ein wenig kribbelig war. Und auch der Versuch, ihrem Tagebuch anzuvertrauen, dass sie sich einen neuen Intimfeind auserkoren hatte, half nicht weiter. Das Wort ‚Intimfeind‘ entwickelte plötzlich ein unverschämtes Eigenleben in ihrem Kopf und bescherte ihr reihenweise Bilder, die etwas mit Intimitäten und Hassliebe zu tun hatten.
Als sie dann auch noch entdeckte, dass ihre Hand sie verriet, indem sie sich einen Weg in ihren Schoß suchte - und es war genau die Hand, die diesen ganz und gar nicht mickrigen, sondern im Gegenteil sehr reizvollen Schwanz gepackt hatte - gab sie frustriert auf.
Manchmal musste eine Frau stark sein. Aber manchmal musste sie auch akzeptieren, dass sie nur dann gegen gewisse Dinge - oder Personen - ankam, wenn sie ihre Gier nach denselben irgendwie ersatzbefriedigt hatte.

Ihr Zimmer war aufgrund ihrer mehr als empfindlichen Reaktion auf Sonnenlicht ohnehin verdunkelt. Mit einem energischen Schlag auf den Lichtschalter versank es in völliger Finsternis. Und in der Dunkelheit waren schließlich alle Katzen grau.
In völliger Schwärze war es vorstellbar, dass sie Will herbeirufen könnte und er sich durch die Haufen von Klamotten und anderem Kram auf ihr Bett zu tastete. Dass seine Hände, denen sie mit ihren eigenen Gestalt verlieh, sich um ihre Fesseln legten und dann langsam ihre Beine hinauffuhren. Jeden Zentimeter ihrer Haut mit festem Griff und doch streichelnd erkundeten.
Aber kurz vor dem Ort, der bereits vor Verlangen nach ihrer Berührung pochte, lösten sie sich und fanden zielsicher ihre Hüfte, um von dort ihren Weg nach oben fortzusetzen und Serena frustriert aufstöhnen zu lassen.

Er quälte sie, weil sie frech zu ihm gewesen war. Und sie hatte es verdient. Sie war ein sehr böses Mädchen gewesen.
Will wusste, wie man mit einem bösen Mädchen umging. Er wusste, wie man eine kleine Brust so packte, dass man mit der anderen Hand einen schnellen Schlag platzieren konnte, sodass der Nippel sich noch minutenlang an den Schmerz erinnerte. Und er wusste, dass man daraufhin das laute, ebenso schmerz- wie lustvolle Stöhnen mit einer festen Hand auf dem Mund erstickte.
Er war weit gereist und erfahren. Er wagte es, eine Frau am Hals zu packen und gleichzeitig an ihre Brust zu greifen - den noch unbekümmerten, zweiten Nippel zwischen Daumen und Zeigefinger - und langsam fester zuzudrücken, bis sie nicht mehr aushielt und wimmernd darum bettelte, er solle… noch fester zupacken.

Und dann, wenn sie so bereit war, wie nur wirklich kundige Hände eine Frau binnen kürzester Zeit bereitmachen konnten, griff er zu. Von hinten griff er ihr zwischen die Beine und scherte sich nicht darum, dass dort noch ein durchnässtes Höschen den Weg versperrte. Er fetzte es einfach beiseite.
Zielsicher landete sein Mittelfinger genau auf dem Punkt, der schon längst regelrecht nach Aufmerksamkeit schrie. Und zielsicher tauchte gleichzeitig die Spitze seines Daumens in die glitschige Nässe ihrer willigen Fotze, um sich doch nur genug Feuchtigkeit für sein wahres Ziel zu holen.
Ohne auf ihr bettelndes Flehen zu hören, dass er ihr das ersparen solle, drang das notdürftig benässte Fleisch dann grob in ihren Arsch ein, bis es sich dort festen Halt suchen konnte, damit er den Druck auf ihren Kitzler erst ins wirklich Unermessliche steigern konnte.

Der Schrei, als der Orgasmus über ihr zusammenschlug, erstickte im Kissen und das Gedankenspiel endete. Aber nicht bevor sich Serena von ihrem Fantasie-Will ‚zwingen‘ ließ, ihren eigenen Saft von ‚seinen‘ Fingern zu lecken.
Erst danach irrten ihre Gedanken zu der Frage ab, wieso sie sich in dieser Art von Fantasie so sehr verlieren konnte, dass ein Orgasmus immer nur Minuten entfernt zu sein schien. Und wie immer blieb diese Frage unbeantwortet.
Aber wenigstens konnte sie nun ihren Tagebucheintrag beenden, indem sie schrieb:
Nun hat es dieser Bastard Will auch noch geschafft, sich in meine heißeste Fantasie zu schleichen.
Nun hasse ich ihn also auch noch dafür, dass er mir niemals antun wird, wonach sich dieses abartige Stück Dreck… wonach ich mich sehne.

Als Serena nach einem kurzen Nickerchen - das erfreulich mit einem wohlig befriedigten Gefühl seinen Anfang nahm und dann zu einem unerfreulichen Höllentrip in Form eines sehr erotischen Traumes degenerierte - aufwachte, quälte sie sich aus dem Bett.
Natürlich hatten es in der Traumwelt ausgerechnet Will und die blöde Jennifer es sein müssen, die es mit ihr trieben. Wo waren die gesichtslosen Fremden, wenn man sie brauchte?
Frustriert, schlecht gelaunt und bis in die Haarspitzen erregt ließ sie ihre Wut an den Vogelbildern aus, die zwischen umgedrehten Pentagrammen und Kreuzen und Postern von so sympathischen Zeitgenossen wie Anton LaVey und Aleister Crowley ihre Wände geziert hatten. Sie durch den Raum zu pfeffern und die Rahmen zerspringen zu sehen, hatte etwas Befreiendes.
Und ihre Augen tränten dabei nur, weil sie Zigarettenrauch hinein bekam.

Es war gerade einmal in etwa früher Nachmittag, aber sie wusste ganz genau, dass sie raus musste. Sie musste sich betrinken, ein oder zwei Männer besoffen machen und den Druck in ihrem Unterleib loswerden, oder sie würde jemanden töten.
Also zog sie sich etwas über, das sie auch auf der Straße nicht wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses in den Knast bringen würde. Oder zumindest nicht, wenn sie es nicht mit einem ganz besonders pingeligen Polizisten zu tun bekam, der sich über zu viel Durchblick oder zu wenig Stoff zwischen den Löchern aufregen wollte.
So ‚bekleidet‘ machte sie sich auf den Weg nach draußen.
Der Wohnungsflur der Dreiraumwohnung entwickelte allerdings die lästige Angewohnheit, sie über Dinge zu informieren, von denen sie gar nichts wissen wollte. Und die sie zum Henker trotzdem nicht zu ignorieren imstande war.

„Och jetzt hör schon auf, du Blödian“, vernahm sie Jennifers niedlichen Singsang. Dicht gefolgt von ihrem bezaubernden Lachen. „Ich würde dich nicht von der Bettkante stoßen.“
„Und genau deswegen richte ich mein Augenmerk auch woanders hin und spare dich als Notlösung auf“, antwortete Will gutgelaunt.
„Oh du bist gemein!“, murrte Jenni und Serena verdrehte die Augen, weil sie den Schmollmund der Blondine regelrecht vor sich sehen konnte.
Die blöde Kuh war nicht nur zuckersüß und hatte so ziemlich alles, was sie selbst nicht hatte, sondern schaffte es auch irgendwie, sich immer knapp wieder von Serenas Abschussliste zu retten. Wie auch immer sie das hinbekam.

Eigentlich war ihr Plan unverändert. Sie wollte durch den Flur zur Haustür gehen und die Wohnung verlassen. Aber irgendeine Verschiebung der Erdachse ließ das Gebäude sich drehen und schon stand Serena im Wohnzimmer, wo sie Will und Jennifer auf der Couch vorfand. In so einer Art halb freundschaftlicher, halb schmusender Umarmung, die sich ohne jeden Zweifel immer weiter in die zweite Richtung verlagern würde, bis sie in die Kategorie ‚Sex auf dem Sofa fiele‘, wenn niemand etwas dagegen unternahm.
Aber warum sollte jemand das wollen?

„Nun schau sich einer die beiden Turteltäubchen an“, gurrte sie so erfreut, als hätte man ihr einen Lolli angeboten, der zuvor in Hundescheiße gelegen hatte. „Ist das nicht süß?“
„Sei bitte nett, Seri“, ermahnte Jenni auf ihre dreimal verflucht liebenswerte Weise, die man ihr einfach nicht übelnehmen konnte. Und wie oft sollte sie ihr eigentlich noch sagen, dass sie ‚Seri‘ als Spitznamen hasste?
„Du hast ihn heute schon gekaut und wieder ausgespuckt. Gib ihm einen Tag zur Erholung, bevor du ihn ganz fertig machst.“
„Wenn das hier so weitergeht, wird es mit der Erholung nicht so weit her sein“, gab sie missmutig zurück.
„Wir schmusen nur ein wenig und erneuern unsere Sandkastenliebe“, wiegelte Jennifer ab.

„Warum rechtfertigen wir uns vor deiner Mitbewohnerin“, fragte Will ein wenig angefressen. „Ist deine Mutter geschrumpft und hat doch noch ihren Meister in Hexerei gemacht?“
„Wenn ich eine Hexe wäre, dann wärst du schon Krötenfutter“, versetzte Serena, aber er ignorierte sie und starrte Jenni herausfordernd an.
„Lasst mich bitte da raus“, forderte die und löste sich von ihm, um eine normalere Sitzposition einzunehmen.
Serena verbuchte das als siegreiches Geplänkel auf einem Nebenkriegsschauplatz. Vor allem, weil Will seine alte Freundin anstarrte, als hätte sie ihm gerade ein Messer in die Seite gerammt.

Mit einem überlegenen Lächeln verkündete sie ihren Abgang und machte sich auf den Weg zu einem der Orte, an denen sie ohne Zweifel eine frühe Party finden würde, in die sie einsteigen könnte. Immerhin war nun zwar ihre Laune besser, aber noch immer juckte ihr die Muschi. Und ohne Alkohol im Blut eines Samenlieferanten standen ihre Chancen auf einen Ständer zum Kratzen eher schlecht.
Kurz fragte sie sich allerdings schon, wieso sich die liebreizende Prinzessin Stupsnase gerade von ihrem Ritter abgewandt hatte. Ein Gefühl sagte ihr, dass er auch nach ihrem Abgang erst einmal auf Granit beißen würde. Und das war ungewöhnlich, wenn man bedachte, dass sie für Jennifer nun nicht gerade eine Freundin war, sondern eher sowas wie die gestörte, mit einem Messer bewaffnete Mitbewohnerin aus ‚Roommate‘.
Moment… Dann wäre sie ja von der Blondine… Ach scheiß drauf…

Serenas erster Anlaufpunkt war die Kellerwohnung von Pierre, der sich allerdings lieber Armand nennen ließ und sich für einen Dichter hielt. Seine Werke als gequirlte Kacke zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung für jede Darmausscheidung gewesen, aber trotzdem kam er einem Kumpel auf der Vortreppe zur Freundschaft beinahe nahe.
Er war stockschwul, obwohl auch er sie im Suff schon einmal in den Arsch gefickt hatte, wenn sie sich richtig erinnerte - was keinesfalls sicher war. Aber eben deswegen war er eine Art Verbündeter, denn wenn irgendein Typ gerade ihren Körper beackerte, stiegen seine Chancen auf dessen Arsch gehörig, selbst wenn der jeweilige Macker dafür nichts übrig hatte.
Sie konnte nämlich ein sehr einehmendes Wesen haben, wenn sie erst einmal bei der Sache war.

Ansonsten war Pierre ein egozentrisches Arschloch. Aber auch deswegen mochte sie ihn. Die Makel anderer Leute interessierten ihn nicht die Bohne. Nur ihre Psyche reizte den Dichter in ihm. Und über ihre verkorkste Psyche dichtete er mit Vorliebe.
Ursprünglich hatte er sie ‚gebrannte Prinzessin der Nacht‘ genannt. Ein sehr eindringliches, kurzes Gespräch zwischen ihr, ihrem Klappmesser und seinem Schwanz hatte ihn davon allerdings kuriert und nun war sie die ‚Nachtschattenklinge‘.
Was auch immer…

Wie erwartet war er Zuhause und ansprechbar. Gerüchte darüber, dass er Schlaf benötigte, waren vermutlich unbegründet. Und wie erhofft war er nicht allein, sondern hatte bereits einige Gäste. Und die hatten schon angefangen zu trinken und Dope zu rauchen. Also die perfekte Situation.
Wie meistens ignorierte Serena alle Versuche, sie in ein Gespräch zu verstricken, bis sie hinlänglich angetrunken war. Und angesichts ihres heutigen Zustands hatte sie danach nur ein Thema, bei dem ihr Text in Schmatzen und der Text des beliebigen Typen in Stöhnen bestand.

Es war nicht ganz so, wie es sein sollte. Um sich das vorzugaukeln, war sie nicht betrunken genug.
Ein steifer Schwanz zwischen ihren Lippen und die eine oder andere Hand auf Wanderschaft über ihren Körper waren eine gute Sache, aber all das gehörte Leuten, die sich bereits nicht mehr dafür interessierten, wen sie da vor sich hatten.
Sich in den Mund ficken zu lassen, bis sie röchelte, und dann eine Ladung Sperma zu schlucken, bevor sie schließlich von irgendwem endlich gefickt wurde, war genau das, was ihr Körper jetzt brauchte, aber ihre Seele schrie danach, dass jemand sie ficken wollte. Nicht irgendeine Fotze, sondern die von Serena.
Verflucht. Sie hatte eindeutig zu wenig getrunken.

Trotzdem besserte sich die Situation urplötzlich, als eine der Frauen auf sie zukam und sie fordernd küsste. Es half schon, dass die Schnalle blondierte Haare hatte. Ebenso wie es half, dass der Typ hinter ihr sich kein bisschen zurückhielt und sie gehörig durchschüttelte.
Es war genug, um sich vorzustellen, dass sie plötzlich Jenni küsste. Die süße, kleine Jenni, deren Mund nicht nach Anis, sondern nach dem Zucker schmeckte, aus dem sie gemacht war.
Energisch packte sie das kleine, blonde Flittchen, während Will sich fest an ihrer Hüfte festhielt und seinen Schwanz in ihr versenkte. Allerdings war der doch eher mickrig. Also riss sie sich lange genug los, um über die Schulter zu fordern: „Fick meinen Arsch!“

Daraufhin wurde alles noch besser, weil ein Schwanz im Arsch sich immer riesig anfühlte, wenn er überhaupt die Bezeichnung Schwanz verdient hatte.
Ja. So war es besser. Zeit, sich ihre ekelerregend liebenswürdige Mitbewohnerin so vorzunehmen, dass die kleine Schlampe eine Woche lang breitbeinig gehen würde und von jedem Hunger auf Wills Schwanz für immer kuriert wäre. Zeit ihr so ausdrücklich zu zeigen, was eine Frau mit einem Frauenkörper machen konnte, dass sie mit fliegenden Fahnen Lesbe würde.

Der Rest des Nachmittags war ein Rausch. Das war das andere Manko an diesen Orgien. Man bekam nicht so richtig etwas davon mit, wenn man besoffen war. Was einen schalen Beigeschmack hinterließ, als sich Serena irgendwann kurz vor Mitternacht auf den Heimweg machte.
Ihr Körper sagte ihr zwar, dass sie ordentlich durchgefickt worden war, aber die fühlte sich nicht befriedigt. Nur der gröbste Hunger war auf ein erträgliches Maß reduziert. Die wahre Gier lauerte weiterhin unbefriedigt in ihrem Inneren und rüttelte wütend an ihren Käfigstäben.
Mit aller Kraft musste sie sich davon abhalten, eine von Pierres Rasierklingen mitzunehmen und den dumpfen, inneren Schmerz mit heißem Blut zu löschen.

Sie war früher auf dieses Drängen eingegangen und die Innenseiten ihrer Unterarme bezeugten das ebenso, wie ihr Schamhügel. Aber wem würden die beiden umgedrehten Kreuze und das beinahe schon kunstvolle Baphomet-Symbol in ihrer Haut auffallen, solange sie ihr Feuermal hatte?
Trotzdem riss sie sich zusammen. Abhängigkeit war ihr zuwider. Abhängigkeit war es gewesen, was ihren Vater getötet hatte. Durch die Hand eines Junkies bei seiner Arbeit als Streetworker. Und sie würde das Andenken des einzigen Menschen, der sie nehmen wollte, wie sie war, nicht beschmutzen.
Also beherrschte sie sich. Ebenso wie sie sich niemals auf Drogen einließ und immer wieder wochenlang auf Alkohol oder Sex verzichtete, weil sie sich beweisen musste, dass sie nicht süchtig danach war. Oder nach irgendetwas anderem.

Zuhause fand sie Ruhe vor. Also genau das, was sie nun gar nicht gebrauchen konnte. Daher schnappte sie sich ein Buch und machte sich auf den Weg dorthin, wo ihre Mitbewohnerin und haufenweise andere Verlierer ohne jeden Zweifel feierten, dass die Semesterferien gerade erst angefangen hatte.
Hinter dem Haus lagen ein Park und ein Friedhof nebeneinander. Und in Ersterem befand sich ein See. Der Friedhof schreckte alle nächtlichen Besucher ab oder zog sie so sehr an, dass sie den Park selbst ignorierten. Deswegen war der See eine Art Geheimtipp in Sachen Partylocations. Sofern man etwas, dass Jennifer und ihrem absurd großen Freundeskreis bekannt war, als geheim bezeichnen konnte.

Am liebsten hätte Serena sich heimlich in die Nähe der locker gruppierten Feiernden begeben und sich irgendwo in den Schatten gesetzt. Irgendwie das Gefühl haben, nicht allein zu sein und doch gleichzeitig möglichst niemandem aufzufallen war alles, wonach ihr der Sinn stand.
Aber damit hätte sie den Eindruck vermittelt, sie würde sich verstecken. Würde sich vor der Aufmerksamkeit fürchten. Damit hätte sie geradezu provoziert, dass man sich auf sie stürzte und ihre Schwäche ausnutzte. Und deswegen tat sie, was sie tun musste.

Am äußeren Rand der Veranstaltung gab es einen großen Felsen direkt am Seeufer. Diesen Stein bestieg sie nicht zum ersten Mal in einer warmen Sommernacht. Und auch das, was sie dann tat, war keine Premiere.  Außer für diejenigen unter den Feiernden, die neu zum Kreis um Jennifer hinzugestoßen waren.
Allerdings starrten nicht nur diese Leute zu ihr hinüber, als sie ihre ohnehin kaum verhüllende Kleidung ablegte und es sich auf dem Felsen gemütlich machte, als wolle sie ein Sonnenbad nehmen. Nur eben im Mondlicht.
Sie starrten und bekamen einen perfekten Blick auf ihren Rücken und ihre Seite. Und für ein paar Minuten wurde das allgegenwärtige Gemurmel leise und verschwörerisch. Aber was sollten sie ihr schon noch an den Kopf werfen, wenn sie ihnen mit der einen Sache, die ihnen so einen Ekel verursachte, sozusagen ins Gesicht sprang?
Serena hasste es, sich so zu exponieren. Und die Leute um sie herum hassten es ganz bestimmt, ihren Anblick ertragen zu müssen. Also waren die Fronten geklärt und die Sache ausgeglichen.

Daran, wirklich in einem Buch zu lesen und den Inhalt auch wahrzunehmen, war natürlich unter diesen Umständen nicht zu denken. Aber sie konnte hervorragend den Eindruck erwecken, als täte sie genau das und würde ihre Umgebung nicht bemerken. Und das verschaffte ihr die Freiheit, heimlich den Blick schweifen zu lassen.
Sie fand Will binnen Sekunden. Umgeben von einer regelrechten Traube junger Frauen, schien er sich wohlzufühlen, zu schäkern und von irgendwelchen Abenteuern zu erzählen.
‚Ouh, seht mich an‘, synchronisierte Serena in Gedanken seine Gesten. ‚Ich bin der große Tätowierer Will und komme gerade aus Japan, wo ich jede Pussy genommen habe, die ich kriegen konnte. Aber jetzt ist mir mal wieder nach deutschem Fleisch. Und ich werde jede Einzelne von euch flachlegen, weil ihr nur dumme Landeier seid.‘

Auch wenn das vielleicht eher in seinem Kopf vor sich ging, waren seine Chancen ziemlich gut, genau das zu tun. Geschickt balancierte er sozusagen mit jedem Finger eine Tussi und gab allen gerade genug Zucker, um sie bei der Stange zu halten, ohne sich festzulegen.
Am Ende würde er sie alle nach Hause schicken und sich dann eine greifen, wenn die anderen außer Sichtweite waren. Und wenn er ein wenig Glück hatte, würde sich das erst herumsprechen, wenn er die Meisten durchhatte.
Machoarsch!

Ihr Blick irrte hinüber zu Jenni, die mal hierhin und mal dorthin eilte und die Gastgeberin spielte. Hatte sie gerade eben zu Serena hinüber gesehen? Ihr war so…
Und wieso sah sie überhaupt zu der Blondine hin? Wen interessierte das Sumpfhuhn?
Nettes Kleid hatte sie allerdings an. Rückenfrei und ziemlich kurz. Man konnte sowohl den Ansatz der Pobacken sehen, als auch den der Brüste von der Seite. Und beides war so viel voller und runder als bei Serena.
Ähh… Halloho?! Wen interessierte das?!

Nun… Offen eingestanden war Jennifer wirklich ein Sonnenschein. Sie war so nett, dass sie ganz besonders gefährlich war, denn die Netten erschlichen sich dein Vertrauen und rammten dir genau dann den Dolch in den Rücken, wenn du mal wirklich verletzbar warst.
Aber es wäre schon schön gewesen, eine Freundin wie sie zu haben. Eine Freundin und eine Freundin. Die Kleine war wirklich lecker…
Ein Jammer, dass sie sich im Laufe der Zeit bereits verraten hatte. Wenn auch ohne es zu merken. Nur immer mal hier oder da, wenn sie und Serena sich versehentlich nahe kamen und Jenni sich versteifte. Oder wenn sie Serena unerwartet nackt sah. Also ohne sich darauf einstellen zu können. Auch dann zeigte ihre mehr als steife Reaktion ihre wahren Gefühle.

Im Gegensatz zu Will, der… Zur Hölle war das zum Kotzen, wie die Hühner an ihm hingen, als hätten sie noch nie zuvor einen Mann gesehen.
Will hatte sich sofort verraten, aber er war etwas Besonderes, weil er seinen Ekel unter Kontrolle behielt. Er bot ihr die Stirn, und wenn sie ihn genug reizte, dann würde er vielleicht… Wen er so richtig außer sich war vor Wut… Eventuell…
Er würde sie möglicherweise zwingen, wenn er glaubte, das würde ihr etwas ausmachen. Obwohl er eigentlich für so etwas nicht unbedingt der Typ war, steckte es doch irgendwie in ihm, fand Serena. Er hatte eine sorgsam kontrollierte Bestie in sich, die sie herauskitzeln könnte. Und dann…
‚Satan, Mädel‘, ermahnte sie sich nun ernsthaft. ‚Reiß dich gefälligst zusammen und bleib realistisch.‘
Erst da fiel ihr auf, dass jemand neben dem Felsen hockte und quasselte. Aber es war sonst keiner in Hörweite. Führte der Selbstgespräche?

„… bestimmt schon tausend Mal gehört, aber ich kann einfach nicht anders. Ich muss…“
Er redete mit ihr! Whoah. Erde an Serena, oder wie?
„Wenn du weiter so ununterbrochen laberst, liege ich hier bald und blute aus den Ohren“, unterbrach sie den Fremden. „Aber falls das dein Plan war, um mich in Ruhe besteigen zu können, mach nur weiter.“
Er floh lieber. Aber es war trotzdem erschütternd, dass sie ihn erst gar nicht bemerkt hatte. Worüber hatte er geschwafelt?
Nah… Blöde Frage. Natürlich über das Feuermal, auf das sie tatsächlich schon weit mehr als tausend Mal angesprochen worden war. Und irgendwie endeten die meisten dieser Gespräche unschön. Selbst wenn sie gar nicht erst dazu beitrug. Also hatte sie schon richtig reagiert.

„Hey Serena“, ertönte dann plötzlich de Stimme von Kevin über die leise Musik aus der tragbaren Anlage. Er stand neben dem verjagten und nun hochroten Knilch von gerade und ihr schwante bereits, was nun kommen würde.
„Man fragt sich gerade, ob du jedem Mann den Schwanz abreißt und ihn verspeist, oder ob du auch mal einen unkastriert entwischen lässt.“
Fast gegen ihren Willen musste sie grinsen. Manchmal - ganz selten - war Kevin witzig. Und es schien ihm beinahe so viel Spaß zu machen, andere vorzuführen und von ihr fertigmachen zu lassen, wie er es offensichtlich liebte, sich selbst zur Zielscheibe zu machen.
„Manchmal verspeise ich einen, Kev“, gab sie zurück. „Aber meistens spucke ich die Kümmerlinge aus, weil sie das Kauen nicht lohnen. Und bei dir wüsste ich nicht mal, welches Haar ich da abbeißen soll.“
Und damit erwies sich der Abend als eines dieser seltenen Exemplare, an denen die Dynamiken zwischen Serena und andere Menschen sich ein wenig verschoben.

Es war selten genug, dass sie sich unter dieses Volk mischte. Und meistens bildeten sich dann zwei Gruppen: Sie und alle anderen. Aber manchmal passierte etwas und ihre Bissigkeit bekam einen Drall ins beinahe freundschaftlich Provokative. Und dann…
Irgendwie endete das dann damit, dass ein Haufen Leute sich so drapierte, dass sie in deren Kreis eingeschlossen wurde. Und alle möglichen Leute spielten ihr verbale Bälle zu, die eigentlich auf Kosten anderer gehen sollten, aber von ihr dann auf denjenigen umgemünzt wurden, der die Vorlage geliefert hatte. Beinahe als wäre sie ein Stand-Up-Comedian oder eine Zirkusattraktion.
Aber der Witz an der Sache war, dass es Spaß machte. Und das sie sich für eine Weile beinahe fühlte, als wäre sie… irgendwie Teil der Gruppe. Irgendwie ‚drin‘. Als würden die anderen sie nicht verabscheuen und hinter ihrem Rücken über sie lästern, sondern sie beinahe… bewundern oder etwas in der Art.
Natürlich war das Blödsinn, aber sie gab sich keine Blöße bei diesem Spiel. Und deswegen pfiff sie einfach drauf und genoss es. So wie heute auch.

Ganz am Rande bekam sie mit, dass Will nicht Teil des Kreises war, sondern irgendwo abseits saß und in einem abgegriffenen Notizbuch herum kritzelte. Wahrscheinlich notierte er Telefonnummern oder machte sich Vermerke, welche Details er über seine nächsten Opfer bereits kannte. Playboys taten sowas, oder nicht?
Jennifer hingegen war nicht nur anwesend, sondern lag sogar vor ihr auf dem Stein. Statt sich der Gruppe zuzuwenden, starrte die Blondine allerdings in den Himmel. Und manchmal, wenn sie sich unbeobachtet fühlte, weil Serena sich auf jemanden konzentrierte, schien sie ihre Mitbewohnerin anzusehen. Aber erwischen ließ sie sich dabei nicht.
Sie hatten beinahe Körperkontakt und Serena erwischte sich selbst dabei, wie sie das auch noch forcierte, indem sie beispielsweise ihr Bein aus dem Schneidersitz etwas ausstreckte und fast die Schulter von Jenni berührte. Sie riss sich mehrfach gerade noch rechtzeitig zusammen, bevor es zu einer Berührung kam.

So oder so hatte es das kleine Bückstück aber damit schon wieder geschafft, völlig aus der Schusslinie zu bleiben. Man musste ihre diesbezügliche Ausweichfähigkeit schon fast bewundern.
Nur Serena bemerkte, dass die Blondine irgendwann tatsächlich einschlief. Und nur Serena bemerkte, dass Jennis Hand irgendwann von ihrer Schulter rutschte und auf ihrem Unterschenkel zu liegen kam. Niemand sonst registrierte, dass sie danach nicht mehr wagte, ihr Bein zu bewegen oder das sie sehr genau analysierte, ob das Mädchen wirklich schlief.
Und natürlich bemerkte auch niemand, wie Serena eine Gänsehaut bekam, oder ahnte etwas von dem Wunsch, diesen zufälligen Kontakt niemals enden zu lassen. Niemand. Am allerwenigsten Serena selbst. Darauf hätte sie jeden Eid geschworen.

Gefühlte und wohl auch reale Stunden später löste sich die Versammlung auf, als alle mehr oder weniger betrunken bereit waren ihre oder fremde Betten aufzusuchen. Weswegen es irgendwie überraschend war, dass Will beim Aufräumen half und nicht ebenfalls verschwand. Aber wahrscheinlich wollte er die Nacht lieber mit Jenni verbringen…
Die lag allerdings noch immer auf dem Stein und schlief. Also musste sie geweckt werden. Und dazu hatte Serena sich unnötig weit vorgebeugt, bis ihre langen, schwarzen Haare einen undurchdringlichen Vorhang bildeten, hinter dem sich nur zwei Gesichter befanden, die einander gerade näher waren, als jemals zuvor.

Die Blondine sah so friedlich und liebenswert aus, dass Serena sie am liebsten geküsst hätte. Stattdessen atmete sie nur ihren Duft ein. Eine Mischung aus ihrem Parfüm, ihrem Shampoo und ihr und absolut geeignet, in Flaschen abgefüllt zu werden.
Immer näher kam sie den zarten, hellrosa Lippen, die nach einem Kuss zu schreien schienen. Wider besseres Wissen gelang es ihr nicht, einen Schlussstrich zu ziehen. Aber dann schlug Jenni die Augen auf.
„Hi“, hauchte sie leicht verschlafen und blickte ihrer Mitbewohnerin tief in die Augen. Und da war… etwas. Aber es war nichts Schlechtes. Nichts Böses oder Höhnisches oder Hämisches sondern etwas unglaublich Intimes. Etwas Magisches.
Jennifer schloss die Augen ganz langsam. So wie eine Frau sie nur schloss, wenn sie einen Kuss erwartete und bereit war, ihn zu erwidern. Und genau das war der Moment, in dem der unbezahlbare Augenblick endete.

Vielleicht war sie noch nicht richtig aufgewacht oder glaubte irgendwie, noch zu träumen. Ohne Zweifel natürlich von einer anderen Person, die sich vorbeugte, um sie zu küssen. Vermutlich Will.
Ganz sicher hatte sie in der Dunkelheit nicht Serena erkannt, sonst wäre ihre Reaktion anders ausgefallen. Und diese Erkenntnis traf wie ein Schlag mit dem Hammer ein. Zusammen mit dem vertrauten Gefühl des Verrats, noch bevor dieser eigentlich stattgefunden hatte.

Diesmal allerdings überschattet von den taufrischen Eindrücken. Vom Ausdruck in den blauen Augen, die normalerweise hell, fast blass gefärbt waren. Gerade eben waren sie aber dunkel und tief gewesen. Und es hatte fast so etwas wie Sehnsucht in ihnen gestanden.
Das zarte ‚Hi‘ war ein Ausdruck der Freude und Zuneigung gewesen. Und auch wenn es sich offenbar auf eine Traumgestalt bezogen hatte, die für eine Sekunde vor Jennifers Augen mit Serena verschmolzen sein musste. So war sie noch niemals von jemandem begrüßt worden.
Und würde es auch nie…

„Zeit aufzustehen, Prinzessin“, presste sie mit Mühe hervor.
Die Betonung war so ätzend und abfällig, dass Serena sich am liebsten die Zunge abgebissen hätte. So hatte sie es nicht sagen wollen. Irgendetwas zur Klärung der Situation, bevor die Blondine sich bewusst wurde, wem sie da ihre perfekten Lippen anbot. Aber nicht in diesem Ton.
Diese Erkenntnis kam jedoch zu spät. Jenni riss die Augen auf, erkannte die Situation und kroch wie von der Tarantel gestochen von dem Stein. Bloß weg von ihrer Mitbewohnerin. Was auch sonst?