Kojotenhöhle

Was dich hier erwartet, ist nicht der Versuch, irgendetwas zu umschreiben. Ich nenne die Dinge durchaus beim Namen, auch wenn ich versuche, das niveauvoll zu tun. Und ich versuche außerdem, Geschichten zu erzählen, in denen der Sex ein Teil des Ganzen ist und nicht der einzige Teil. Man findet hier wohl auch Grenzwertiges für manche Geschmäcker. Ob man es als BDSM-artig oder als abartig empfindet, liegt dabei ganz im Auge des Betrachters.

Wenn es dir gefällt, lass es mich wissen. Wenn es dir nicht gefällt, gerne auch. Hinterlass mir einen Kommentar oder schreib es mir per Mail an Mike.Stone bei gmx.net .

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Donnerstag, 26. April 2012

The World after Tomorrow - Teil 05 - wip


The World after Tomorrow
Eine ZOMBIE-Geschichte! ;-D


Work in Progress

*****

Teil 01
Teil 02
Teil 03
Teil 04
Teil 05


*****


V.

‚Keine Männer?‘, fragte er sich erstaunt. ‚Nur Mädchen?‘
‚Was immerhin eine Erklärung dafür wäre, wie sie überleben. Keine Männer bedeutet, keine Ansteckungsgefahr. Die Toten bleiben liegen.“
„Und wenn man sich dann noch in einer abgelegenen Gegend befindet, kann man sich sogar den Kuxus leisten, einen Glaubenskrieg zu führen, was?‘

Er führte sein Selbstgespräch lautlos. Nicht so sehr wegen der Kleinen, sondern aus reiner Gewohnheit. Es war meistens besser, sich leise zu verhalten. Es rettete einem das Leben.
Unauffällig blickte er zu seiner Gefangenen und bemerkte, dass sie ihn ebenfalls ansah. Anfangs war sie außer sich vor Furcht gewesen. Hatte sich so weit zurückgezogen, wie es der Raum zuließ.
Kein Wunder, denn sie hatte ihn offenbar für einen Stinker gehalten.
Aber nun verhielt sie sich anders. Ihre Angst schien beinahe völlig verflogen zu sein. Ihre Augen blickten eher neugierig.

‚Verbotene Worte‘, dachte er sich. ‚Alle Namen für Männer sind verbotene Worte.‘
‚Ihre Brust hat sich wundervoll angefühlt.‘
‚Halts Maul, du Freak. Das ist ganz bestimmt nicht der passende Zeitpunkt.‘
‚Sie mochte es auch…‘
‚Klar!‘ Er wurde auto-sarkastisch - seine eigene Worterfindung. ‚Sie hat noch niemals einen Mann gesehen, der sie nicht fressen und dabei bespringen wollte. Deswegen gibt es absolut nichts, was sie jetzt lieber hätte, als eine schnelle Nummer. Am besten noch gefesselt, weil sie ein Bondage-Fan ist.‘

„Wirst du mich töten?“, riss ihre Stimme ihn aus seinem Zwiegespräch.
„Hölle, nein!“, platzte er heraus, noch bevor er auch nur darüber nachgedacht hatte.
Dann wunderte er sich über sich selbst, denn noch wusste er viel zu wenig, um diese Option auszuschließen. Immerhin waren Männer für diese Mädchen hier gleichbedeutend mit Stinkern. Sie würden ihn also nicht bereitwillig willkommen heißen. Und vielleicht würden sie ihn sogar verfolgen, selbst wenn er sofort weiterzog.
Vielleicht würde er einen Vorsprung brauchen. Und vielleicht würde er sie deswegen…

„Nein“, sagte er noch einmal und wusste, dass es die Wahrheit war. „Werde ich nicht.“
„Das dachte ich mir“, erwiderte sie und für einen kurzen Augenblick - nur einen winzigen Moment - war da etwas kokettes in ihrer Stimme und ihren Augen. Etwas aufreizend Selbstbewusstes. Manche Dinge waren wohl genetisch veranlagt. „Ich wollte nur sicher gehen…“
Sie wich seinem Blick dann aus, als könne sie ihm nicht mehr standhalten. Sie… errötete?

„Wie alt bist du?“, fragte er unwillkürlich.
Danach hätte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen, denn es war keine sachliche Frage gewesen, sondern reine Neugier. Völlig unpassendes Interesse daran, ob sie ‚alt genug‘ wäre…
„Zwanzig“, lautete die Antwort. „Und du?“
„Fünfunddreißig“, erwiderte er. „Seit heute.“
„Oh… Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.“
Es war ein feierlicher Singsang, der fast wie auf einem Kindergeburtstag klang. Unwillkürlich musste er lachen, denn die Situation und das Gespräch waren absurd.

„Danke“, gluckste er. „Ich werde ich jetzt losmachen. Wirst du versuchen zu fliehen?“
Sie dachte nach. Ernsthaft. Und dieser Mangel an Verschlagenheit berührte sein Herz auf eigentümliche Weise.
„Nein“, sagte sie dann. „Noch nicht.“
Statt zu antworten bedeutete er ihr, sich auf die Seite zu drehen. Als sie ohne nennenswertes Zögern der Aufforderung folgte, löste er die Fesseln.
Sie richtete sich auf und brachte die Beine in einen Schneidersitz. Dabei kam sie ihm näher, als er es erwartet hätte, denn sie wich nicht vor ihm zurück. Nur Zentimeter trennten ihre Gesichter.

„Was bist du?“, wollte sie noch einmal wissen.
Zaghaft hob sie dabei die Hand und berührte seinen Vollbart am Kinn. Es war eine Mischung aus kindlicher Neugier und…
Nein. Nur Neugier! Das durfte er keinesfalls jemals vergessen. Nur Neugier!
„Du siehst beinahe aus, wie ein Mutant“, murmelte sie, während er noch überlegte, wie er ihr die Frage beantworten sollte. „Aber nicht ganz. Nicht in den Augen. Und deine Stimme… Sie ist so dunkel…“

Ihm fehlten die Worte. Er konnte das Mädchen nur anstarren.
Mit konzentriert gerunzelter Stirn betrachtete sie sein Gesicht und untersuchte es so unbefangen, wie man es von einem Kleinkind erwarten konnte. ihre hellgrünen Augen wanderten über seine Züge, seinen Bart und die Falten seines Gesichts, als wolle sie sich alles einprägen. Und ab und zu sah sie in seine Augen, nur um sofort - beinahe verschämt - den Blick wieder abzuwenden.
Es war lange her, dass er einer Frau so nahe gewesen war. Beinahe zwei Jahre, seit der letzten Annäherung auf weniger als eine Armlänge und noch ein halbes Jahr mehr seitdem er einem Gesicht so nahe gewesen war.
Und um bei der Wahrheit zu bleiben hielt die einäugige, vernarbte Anführerin einer kleinen Gruppe Überlebender von damals keinem Vergleich zu dem jungen, schmerzhaft hübschen Mädchen stand, dem er nun gegenüberhockte.

„Dieser Dreck in deinem Gesicht ist absichtlich aufgeschmiert, nicht wahr?“, murmelte sie eher im Selbstgespräch als wirklich an ihn gewandt. „Es ist eine Tarnung.“
Er deutete ein Nicken an und wurde mit einem weiteren Blickkontakt belohnt. Obwohl die Situation einen gefährlichen Verlauf zu nehmen begann, konnte er sich nicht lösen und Abstand zwischen sie und sich bringen. Denn dann hätte er ihre sanften Berührungen auf seinem Gesicht beendet.
‚Es ist ein Geburtstagsgeschenk‘, sagte er sich. ‚Ein ganz harmloses Geschenk.‘

„Ich fühle mich seltsam“, flüsterte das Mädchen dann und ihre Augen fanden wieder seinen Blick. „Schwindelig und kribbelig, als wäre ich krank… Ganz komisch im Bauch…“
Sie starrte ihn an und er konnte sich nicht losreißen, obwohl er es gemusst hätte.  Es war nicht richtig. Es war gefährlich. Und sie wusste doch gar nicht…
„Ich…“, seufzte sie und dann beugte sie sich noch ein wenig vor und ihre Lippen trafen auf seine.

‚Drei Jahre und elf Monate seit dem letzten Kuss‘, schoss ihm durch den Kopf. Selbst die seltenen Gelegenheiten zum Sex gingen nicht oft mit leidenschaftlichen Küssen einher. Und das hatte einen Grund: die Stinker.
Die triebgesteuerten, hirnamputierten Überbleibsel dessen, was einmal die männliche Hälfte der Menschheit gewesen war, hatten einige Angewohnheiten beibehalten. Komische Eigenheiten, die sich irgendwie aus kümmerlichen Resten des einstigen Erinnerungsvermögens speisen mussten.
Manche blieben am Rand einer Straße stehen, bevor sie diese überquerten. Manche schleppten Werkzeug aus ihrem einstigen Leben mit sich herum und ließen es niemals los. Andere hatten beinahe menschliche Gesten beibehalten, wie sich mit der Hand durch die Haare zu fahren oder sich am Kinn zu kratzen. Und ein paar reagierten auf Farben oder Formen, die vermutlich früher einmal eine Bedeutung für sie gehabt hatten.
Und praktisch alle, die er im Laufe der Zeit beobachtet hatte, versuchten zu küssen, wenn sie über eine Frau herfielen. Auf ihre ganz eigene, degenerierte und angesichts ihrer hygienischen und ernährungsbedingten Eigenheiten ziemlich widerwärtige Weise.

Warum die Stinker es überhaupt taten - über eine Frau herfallen - hätte vielleicht ein Wissenschaftler erklären können, wenn es noch einen gegeben hätte.
Paarungstrieb vielleicht, obwohl sie ihre unglücklichen Opfer noch während des Aktes verspeisten und so zumindest die Gefahr einer Fortpflanzung ausgeschlossen war.
Oder es war ein weiteres dieser Anzeichen dafür, dass sie einst Menschen gewesen waren. Nun reduziert auf ihre niedersten Triebe.

So oder so war es verständlich, dass die meisten überlebenden Frauen wenig Lust auf Küsse hatten. Kaum eine hatte noch überhaupt keine Erfahrungen mit einem angreifenden Stinker gemacht, oder nicht zumindest gesehen, was sie taten.
Und ganz offensichtlich traf das auch auf das rothaarige Mädchen zu, wie sich Sekunden später erwies.
Sekunden allerdings, in denen er mit einer übernatürlichen Klarheit die Wärme und Weichheit ihrer rosigen, frischen auf seinen rauen, aufgesprungenen Lippen wahrgenommen, ihren erstaunlich frischen Atem gerochen und sie sogar geschmeckt hatte. Für den Bruchteil einer Sekunde nur hatten sich ihre Lippen ein ganz klein wenig geteilt.
Aber dann war sie zurückgefahren und hatte sich mit dem Rücken gegen die Wand geworfen.

Aus weit aufgerissenen Augen starrte sie ihn schockiert an und ihre Hand tastete sogar dorthin, wo sich in ihrem Stiefel eine Waffe befunden hatte, bevor er die bei ihrer Gefangennahme entfernte.
Sie sah verängstigt und verzweifelt aus, aber auch hilflos und anrührend. Woher sollte sie auch wissen, was mit ihr passierte, wenn sie keine Männer kannte, die keine Stinker waren?

„Du… du bist… ein…“, stammelte sie panisch.
„Mann.“, ergänzte er und nickte.
Tränen traten ihr in die Augen, als vermutlich ein Teil ihrer Welt bis in die Grundfesten erschüttert wurde.


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*****

Wie bereits gesagt ist mir insbesondere bei den Sachen, die ich mit 'wip' (Work in Progress) markiere, inhaltliches Feedback mehr als willkommen. Sowohl insgesamt, als auch in Bezug auf beliebige Details und Kapitel, denn das gesamte Werk kann durchaus noch von Grund auf überarbeitet werden.

Mittwoch, 25. April 2012

The World after Tomorrow - Teil 04 - wip


The World after Tomorrow
Eine ZOMBIE-Geschichte! ;-D


Work in Progress

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Teil 01
Teil 02
Teil 03
Teil 04
Teil 05


*****


IV.

Red erwachte und erschrak ziemlich.
Sie war gefesselt und geknebelt. Sie war hilflos. Also bloß keinen Hinweis darauf geben, dass sie wach war. Vorsichtig öffnete sie ein Auge einen Spalt weit. Und beinahe hätte sie erschrocken gejapst.
Direkt ihr gegenüber am Fenster saß die schmutzige Gestalt. Und er war ein Mutant!

Verzweifelt versuchte sie, von ihm fort zu robben. So viel Abstand wie möglich zwischen sich und das Monster zu bringen. Nur weg von der Kreatur, die ihr das Fleisch von den Knochen reißen wollte.
Sie bäumte sich gegen die Fesseln auf und ein Teil ihres Verstandes registrierte, dass sie gekonnt angelegt waren. Und außerdem war sie geknebelt, wie ihr auffiel, als sie unwillkürlich anfange wollte, um Hilfe zu rufen. Oder vielleicht auch einfach nur voller Angst zu schreien.
Red wollte nicht sterben. Aber wenn es schon sein musste, dann keinesfalls auf diese Weise.

Der Mutant beobachtete sie gelassen und rührte sich nicht. Er sah ihr nur dabei zu, wie sie sich immer weiter von ihm fortschob, bis sie eine Ecke des Raumes erreichte.
Sackgasse!
Ihre Gedanken rasten, als ihr Gehirn panisch nach einer Fluchtmöglichkeit aus der offensichtlich völlig ausweglosen Situation suchte. Allerdings ohne Erfolg.

Schließlich, nach Minuten des verzweifelten Ringens mit den Fesseln unter dem ruhigen Blick aus den hellgrauen Augen des Monsters, sackte sie in sich zusammen und gab auf.
Schwer atmend wartete sie darauf, dass er sich auf sie stürzte und stählte sich gegen den Schmerz und das, was sie außerdem noch erwartete. Die… Dinge, welche die Monster mit ihren Opfern anstellten, während sie ihr Fleisch fraßen. Die unaussprechlichen Dinge, die ihr am allermeisten Angst machten…
Aber das Monster rührte sich nicht vom Fleck. Es griff nur nach einer Zigarettenschachtel und…

Augenblick mal…!
Die Beobachtung, dass ein Mutant sich eine Zigarette anzündete, war so absurd, dass sie sogar die Todesangst durchdrang.
Die Monster taten alles mögliche, aber sie rauchten nicht. Sie waren Tiere, auch wenn ihre Gestalt den Menschen ähnlich war. Red hatte noch niemals einen rauchen gesehen. Und sie hatte auch noch niemals von einem gehört, der dabei beobachtet worden war.
Diese Kreatur verhielt sich… eigenartig. Und eigenartig war gut genug für einen Hoffnungsschimmer, zumal es mit ‚nicht sofort gefressen worden sein‘ einherging.

„Fertig?“, kam plötzlich eine dunkle, unmenschlich klingende Stimme aus seinem Maul.
Red riss fassungslos die Augen auf. Sich einen rauchenden Mutanten vorzustellen fiel schwer, aber die Biester atmeten und wer atmete, konnte auch den Rauch schlucken. Aber Sprache?
Ein gefangenes Monster, dass sie und ihre Gruppe einmal studiert hatten, hatte gegrunzt und auch gebrüllt, aber selbst als sie es in Stücke hackten, hatte es niemals ein verständliches Wort herausgebracht.
Was war das hier für eine… Kreatur?

Mühsam zwang sie sich zur Ruhe und musterte die Gestalt eingehender.
Was wie Schmutz und Gestrüpp auf seinem Körper aussah, hatte eine eigenartige Struktur. Es sah beinahe aus, als wären Blätter und Zweige in einer Art Netz befestigt, dass möglicherweise sogar Kleidung bedeckte. So als wäre es absichtlich schmutzig. So als wolle es… sich tarnen!
Die seltsame Aufmachung ließ nur die Hände und das Gesicht frei. Und die waren schmutzig. Allerdings… auch mit System? Als hätte es sich Streifen verschiedenfarbigen Drecks ins Gesicht geschmiert?

Sie ließ ihren Blick weiterwandern und entdeckte Ausrüstung. Einen Rucksack, Dinge an einem Gürtel und… Waffen! Es besaß Waffen!
Ein Gewehr mit Zielfernrohr, eine Pistole, Messer und… eine Armbrust!
Neben dem Fenster auf dem Boden lag eine Armbrust und ein Köcher mit Bolzen. Unwillkürlich erinnerte sie sich an die Wilde auf der Straße, die ihr beinahe den Schädel zertrümmert hatte. Und die durch einen Armbrustbolzen gestoppt worden war.
Unmöglich!

„Bist du bereit zu reden?“, raunte die unwirklich tiefe Stimme wieder.
Es sprach leise, aber es waren eindeutig Worte in ihrer Sprache. Nur die Stimme war unnatürlich.
Red zögerte, nickte aber dann. Welche Wahl hatte sie auch? Allerdings war sie mittlerweile weniger panisch als vielmehr… neugierig.

Es erhob sich aus seiner sitzenden Position und trat zu ihr. Unwillkürlich spannte sie sich an, als es vor ihr n die Hocke ging. Aber dennoch bemerkte sie, dass es nicht nach Verwesung und Unrat stank. Es roch eigentlich fast gar nicht. Außer nach Wald vielleicht.
„Schrei nicht“, warnte es und streckte die Hand aus.
Beinahe hätte sie es in dem Moment nicht unterdrücken können und ein ängstliches zurückweichen konnte sie nicht unterdrücken.
„Keine Angst, kleines Mädchen“, sagte es - beruhigend? - und löste den Knebel.

Ihr erster Impuls war, aus Leibeskräften zu schreien. Es war vielleicht ihre einzige Chance dafür.
Wie auch immer es das machte, es schien ihre Gedanken zu lesen, denn es legte eine Hand auf ihren Mund und machte: „Sch-hh…“
Die Berührung war dabei aber nicht grob. Sie war nicht einmal wirklich fest genug, um sie vom Schreien abzuhalten, auch wenn sich das binnen eines Herzschlags ändern mochte. Aber gerade jetzt war sie beinahe… sanft?

„Was…?“, murmelte sie gegen die erdig riechende Hand.
Es studierte sie aufmerksam und gab ihren Mund frei, als habe es erkannt, dass sie bereit war, zu reden.
„Was bist du?“, wisperte sie dann.
Es stutzte und blickte sie an. Und es sah dabei trotz aller Fremdartigkeit seine Züge einfach nur verblüfft aus.

„Was meinst du damit?“, fragte es dann nach einer nachdenklichen Pause vorsichtig.
„Ich…“ Red stockte und stand ein wenig hilflos vor der Aufgabe, seine Gegenfrage zu beantworten. „Du… bist wie die Mutanten, aber hast mich nicht gefressen. Und du rauchst. Und du redest!“
Es starrte sie durchdringend an und schwieg. Lange. Aber sie konnte geradezu sehen, dass es angestrengt nachdachte.

„Sind alle Menschen hier in dieser Gegend so wie du?“, fragte es dann.
„Wie ich?“
„Körperlich“, erklärte er und beugte sich dann zögernd etwas vor. „So geformt wie du. Hier…“
Sie keuchte erschrocken, als seine Fingerspitzen sachte die Seite ihrer linken Brust berührte. Es war völlig unerwartet und erschreckend. Und obwohl es die Hand sofort wieder zurückzog, prickelte die Stelle noch minutenlang und die Haut dort zog sich zusammen, bis sich die spitze der Brust beinahe unangenehm verhärtet hatte. Red hörte ihren eigenen Puls in ihren Ohren rauschen.
Erst nach einer ganzen Weile, in der sie verwirrt in das fremdartige Gesicht gestarrt hatte, nickte sie langsam.

„Also seid ihr alle Frauen? Frauen und Mädchen?“
„Alle Menschen sind Mädchen“, gab sie verständnislos zurück und war dabei nur halb bei der Sache. Seine Frage war absurd, Die Antwort kannte jeder. Aber seine Berührung… Wieso brachte sie das so durcheinander?
Warum löste seine Berührung an ihrer Brust ein Gefühl aus, als wäre sie allein mit einer ihrer engeren Freundinnen und würde ‚Das Spiel‘ spielen? Nur viel intensiver, als es dabei jemals gewesen war…

„Und Männer?“, fragte er und riss sie damit zurück in die Wirklichkeit. „Brüder? Väter?“
„Sag nicht die verbotenen Wörter!“, zischte sie hastig. Auch wenn niemand außer ihr hier war, dürften sie nicht ausgesprochen werden. Es war verboten. Es konnte die Monster anlocken.
„Ich verstehe…“, murmelte er. „Was ist mit den anderen Mädchen? Denen, die dich gejagt haben.“
„Die Wilden?“ Sie war froh, das Thema so schnell wechseln zu können. „Sie sind verrückt. Und gefährlich.“
„Warum?“
„Sie… sie glauben, dass nur die Tiere ein Recht haben zu leben. Und sie wollen die stärksten Tiere sein. Sie sind verrückt.“

Es sachte eine Weile darüber nach, was sie gesagt hatte und rieb sich dabei über die Augen. Aus der Nähe konnte sie erkennen, dass sein unteres Gesicht von Haaren bedeckt war, wie es bei fast allen Mutanten der Fall war, aber beim sprechen zeigten sich weiße Zähne und nicht die fauligen Hauer der Monster. Und seine Augen waren nicht blutrot um das farbige Zentrum herum, sondern so weiß wie ihre.
Er war etwas anderes als die.
Mit einem Anflug von Unruhe bemerkte Red, dass sie ihn… mochte!


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Wie bereits gesagt ist mir insbesondere bei den Sachen, die ich mit 'wip' (Work in Progress) markiere, inhaltliches Feedback mehr als willkommen. Sowohl insgesamt, als auch in Bezug auf beliebige Details und Kapitel, denn das gesamte Werk kann durchaus noch von Grund auf überarbeitet werden.

The World after Tomorrow - Teil 03 - wip


The World after Tomorrow
Eine ZOMBIE-Geschichte! ;-D


Work in Progress

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Teil 01
Teil 02
Teil 03
Teil 04
Teil 05



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III.

Himmel noch eins! Das Mädchen war schnell!
Nur seine Reflexe retteten ihm das Leben. Hätte sie statt eines einfachen, direkten Angriffs gegen seinen Bauch auch nur ein wenig schlauer gehandelt, wären seien Eingeweide an die frische Luft gekommen.
Nein. Nicht schlauer. Erfahrener.
Sie wusste mit einem Messer umzugehen, aber sie hatte nicht gelernt, mit einem Messer zu kämpfen. Im Gegensatz zu ihm.
Und trotzdem konnte er den Angriff nur gerade eben so mit dem Schaft der Armbrust an ihrem Handgelenk abfangen. Und ihr einen gezielten Schlag gegen die Schläfe verpassen.
Womit die unmittelbare Gefahr gebannt war und die Fragen aufkamen…

Der Vormittag war ruhig gewesen. Keine Anzeichen irgendwelcher Menschen oder Stinker. Aber dann hatte er einen Schuss gehört. Vermutlich neun Millimeter. Kein großes Kaliber.
Aber ein Schuss war niemals gut. Und an Tagen wie diesem trug er weit. Stinker mochten ihn gehört haben, wenn irgendwelche in der Gegend waren.
Unmittelbar wichtiger war jedoch die Frage gewesen, wer eigentlich geschossen hatte. Minuten später war ein Teil der Antwort in sein Blickfeld gelaufen.

Es war ein Schock gewesen, ein gesundes, junges Mädchen von kaum zwanzig Jahren um eine Ecke flitzen zu sehen. Lange, rote Haare, ein altes, aber ziemlich intaktes Holzfällerhemd, schmutzige, aber heile Cargohosen und feste Stiefel. Dazu ein Fiberglasbogen, ein Köcher und, soweit er es hatte erkennen können, ein kleiner Revolver in einem Stiefelhalfter.
Das war solide Ausrüstung. Wenn es auch an vernünftigen Waffen für eine Gruppe Stinker fehlte. Aber wenn man ein nahegelegenes Lager hatte und vielleicht nur auf die Jagd gehen wollte…
Nun. Wenn man jung und unerfahren im Umgang mit Horden von Stinkern war, riskierte man das vielleicht.

Aber das war noch nicht alles gewesen.
Das Mädchen wurde verfolgt. Von zwei anderen Frauen. Wild aussehenden, hochgewachsenen Frauen in Lederkleidung, wie man sie in einem Fantasyfilm erwartete. Lendenschurze, Knochenschmuck, wilde Bemalung, Keulen. Aber Pistolen hatten sie auch gehabt. Und sie hatten sie benutzt.

Er war nur einen Moment lang unschlüssig geblieben. Es war nicht so sehr eine Frage auf wessen Seite er sich stellen wollte. Es war eher die Entscheidung weitere Schüsse zu verhindern, die Stinkern den Weg hierher weisen konnten.
Als eine der seltsamen Amazonen die Rothaarige mit ihrer Keule hatte erschlagen wollen, hatte er sie mit der Armbrust erlegt. Etwas hielt ihn davon ab, auch die Rothaarige selbst zu erschießen. Und dann war sie ziemlich schnell aus dem Blickfeld verschwunden.
Kurz darauf hatte er sie unten im Haus gehört. Also hatte er sich vorbereitet.
Sie an sich vorbei zu lenken, war ebenso einfach gewesen, wie ihrer Verfolgerin einen Bolzen in die Brust zu setzen. Leider hatte er das Herz verfehlt, also musste er ihrem Leiden ein Ende setzen, indem er ihr das Genick brach.
Und dann hatte die kleine Rothaarige sich darauf vorbereitet, ihm einen Kampf zu liefern.
Warum mussten immer alle kämpfen wollen?

Er fesselte sie. Und natürlich knebelte er sie auch. Schreie waren nicht so schlimm wie Schüsse, aber wer wusste schon, wie viele Leute sie in der Gegend hatte.
Eine schnelle Untersuchung der Amazone ergab nicht viel. Sie war erstaunlich hochgewachsen und muskulös, zeigte aber auch Zeichen einer eher einseitigen Ernährung. Viel Fleisch, wenig sonst.
Trotzdem war sie kein Stinker. Sie war vielleicht insgesamt nicht ganz dicht gewesen, aber eindeutig kein Stinker.

Er nahm sich die Zeit die Leichen einzusammeln und in Sichtweite seines Aussichtspostens auf einer Straße zu deponieren. Falls Stinker kämen, würden sie dem Blutgeruch folgen und sich zuerst auf das Fleisch stürzen. Falls andere kämen, würden sie auch zuerst die Leichen untersuchen.
Aus diesem Grund beförderte er die eine Leiche aus dem Haus auch aus dem Fenster. Keine Blutspur, die nach oben führte.

Er beließ den Toten ihre Ausrüstung. Mit Ausnahme ihrer Zigaretten. Seit Wochen hatte er keine Zigaretten gehabt. Und heute war sein Geburtstag.
Zurück im obersten Stock des Hauses an seinem Fenster lehnte er sich zurück und musterte die Rothaarige eingehend. Dabei zündete er sich eine Zigarette an.
Ahh…
Guter Stoff. Ein angebrochenes Päckchen, aber noch nicht lange. John Player. Eigentlich egal, aber trotzdem. Woher hatten diese Amazonen eingeschweißte Schachteln Zigaretten?
Und was war mit dieser Rothaarigen?

Sie war jung. Noch ein Teenager vielleicht sogar.
Lange, rote Haare in einem Pferdeschwanz. Aber irgendwas passte nicht ganz. Die Farbe war zu intensiv. Gefärbt?
Er lachte verblüfft. Wann hatte er zum letzten Mal gefärbte Haare gesehen?
Sie war richtig hübsch. Und sah friedlich aus, wie sie so dalag.
Die Haare waren gepflegt. Das ganze Mädchen war gepflegt. Nicht manikürt und geschminkt, aber ganz sicher regelmäßig gewaschen. Ebenso wie die Kleidung.
Im Gegensatz zu den Amazonen wirkte sie gesund. Ausgewogene Ernährung. Keine sichtbaren Krankheiten. Fit. Und schnell, wie er sich erinnerte. Sehr schnell.
Sie hatte Kämpferreflexe. Nur keine Ausbildung, die sich mit seiner vergleichen konnte. Eher eine Art roher, ungeformter Kampferfahrung.
Vielleicht die Sorte, die man sich erwarb, wenn man lange genug gegen wild bemalte Amazonen kämpfte, anstatt vor Stinkern davon zu laufen?

Er rekapitulierte. Keine Skelette in diesem Gebäude. Keine Leichen, die hier an Ort und Stelle verwest waren.
Die Stinker fraßen normalerweise vor Ort. Sie ließen die Reste zurück, nahmen nur Teile mit, um sie später zu fressen. Wo immer Stinker das Ende eingeläutet hatten, fand man Skelette.
Außer wenn sich die Menschen eine Zeitlang halten konnten. Oder wo die Leute nicht sofort von ihnen überrannt worden waren. Wo sie geflohen waren.

Diese Kleinstadt befand sich in der Wildnis. Waren die Menschen von hier geflohen, bevor es so richtig schlimm geworden war?
Die Seuche war nicht überall gleichzeitig ausgebrochen. Sie hatte sich ausgebreitet. Vielleicht war sie hier erst später angekommen.
Aber wer waren dann diese Mädchen?

Sie bewegte sich kurz. Verharrte dann sofort.
Sie war aufgewacht. Hatte aber beschlossen, sich weiter bewusstlos zu stellen. Sie suchte ganz ohne Frage nach einem Ausweg. Schätzte ihre Lage ab.

Zeit Antworten zu erhalten…


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The World after Tomorrow - Teil 02 - wip


The World after Tomorrow
Eine ZOMBIE-Geschichte! ;-D


Work in Progress

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Teil 04
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II.

Red duckte sich hinter eine halbzerfallene Mauer und fluchte still in sich hinein.
Verdammt! Der Tag hatte so gut angefangen. Alles war ruhig gewesen. Die Wilden hatten seit Tagen die Füße still gehalten und von den Monstern gab es seit Wochen keine Spur. Ein perfekter Tag, um auf die Jagd zu gehen.

Leider hatten sich das offenbar auch ein paar der Wilden gedacht. Und während Red sich allein auf den Weg machte, waren sie zu dritt gewesen.
Wie der unglückliche Zufall es gewollt hatte, war deren Ziel offenbar auch der westliche Wald gewesen, also waren sie einander begegnet. Und das hatte natürlich nur einen möglichen Ausgang zugelassen.

Red war schnell. Sie musste es sein, denn sie war nicht nur kleiner als die Wilden, sondern auch eine der Kleineren aus ihrer Gemeinschaft. Obwohl sie mit ihren ungefähr zwanzig Jahren eine der ältesten war.
Als sie an einer Häuserecke fast in die Dreiergruppe aus dem feindlichen Lager hineinlief, hatte sie ihr Messer schneller in der Hand als die große Anführerin der anderen Gruppe. Gurgelnd war diese in die Knie gegangen und hatte nach ihrer Kehle gegriffen, während ihr das Blut aus der langen Schnittwunde im Hals sprudelte.

Die anderen beiden brauchten eine kostbare Sekunde, bis sie überhaupt merkten, was geschehen war. Währenddessen rannte Red bereits um ihr Leben.
Als der erste Schuss krachte - dem Geräusch nach aus einer Pistole - hechtete sie in Deckung. Zu ihrem Glück war er schlecht gezielt, aber sie würde sich nicht darauf verlassen, dass dieses Glück anhielt.
Schnell war sie um eine Ecke gesprungen und rappelte sich schon wieder auf, als ihre beiden Verfolger losrannten. Immer wieder Haken schlagen. Kein freies Schussfeld anbieten. In Deckung bleiben.
Aber wohin?

Die beiden Wilden waren nicht völlig dumm. Sie zeigten manchmal allesamt einen erstaunlichen Mangel an logischem Denkvermögen, aber sie waren gute Jäger. Und stark.
An ihrer Stelle würde Red sich aufteilen und sie in die Zange nehmen. Aber aus welchen Richtungen?
Vielleicht vermuteten sie, dass Red versuchen würde, zurück in die Stadt zu gelangen. Aber vielleicht vermuteten sie auch, dass sie sich dachte, sie würden es annehmen, und bereiteten sich darauf vor, ihr die Flucht aus der Stadt zu verwehren.
Verdammter Mist.

Red entschied sich dafür, dass sie nicht zu kompliziert denken würden, und wandte sich in Richtung Stadtrand.
Zwei Ecken weiter spritzen kleine Gesteinsbrocken in ihr Gesicht, als eine Kugel ihren Kopf nur um Haaresbreite verfehlte. Noch bevor der Knall sie erreichte, ließ sie sich bereits fallen.
Das war die falsche Richtung gewesen…

Hektisch zurückrobbend blickte sie erst hinter sich, als sie ein alarmierendes Geräusch hörte.
Keinen Meter hinter ihrem Kopf stand die zweite Wilde und holte mit einer gemein aussehenden Keule aus. Ihr Gesicht war zu einer hasserfüllten Grimasse verzogen und ihre Augen schrien nach Rache.
Thud machte es. Dann blickte die Wilde erstaunt drein und die Keule entglitt ihren Fingern. Ein Armbrustbolzen ragte aus ihrer Brust. Herztreffer.

Erschrocken keuchte Red, als ihre Atmung wieder einsetzte. Eigentlich war sie tot. Mal wieder. Aber irgendwer hatte ihr den Arsch gerettet.
Nur wer?
Sich aufrappelnd hielt sie nur lange genug inne, um der Wilden ihre Pistole aus dem Gürtel zu ziehen. Keine Zeit, sie nach Wertgegenständen oder Zigaretten zu filzen. Da draußen war noch eine.

Fieberhaft über einen Fluchtweg nachdenkend spurtete Red um einige Ecken. Nur fort von der Pistolenschützin.
Sie hatte beinahe den Stadtrand erreicht. Nur noch eine Straße zu überqueren und zwischen zwei Häusern hindurch. Aber damit wäre sie ein leichtes Ziel gewesen.
Zeit für eine Planänderung.
Kurzentschossen huschte Red in das hohe Mietshaus zu ihrer Rechten.
Ein Knall und das Pfeifen des Querschlägers verrieten ihr, dass sie richtig entschieden hatte.

Nur weiter. Die Treppen hoch. Dritter oder vierter Stock vielleicht. Und dort auf die Lauer legen.

Als sie den ersten Stock erreichte, hörte sie ihre Verfolgerin im Erdgeschoss. Zu nah, verdammt!
Ohne innezuhalten raste sie noch eine Treppe hinauf. Und noch eine.
Die schmutzige Gestalt direkt auf dem Treppenabsatz im vierten Stock schien aus dem Nichts zu erscheinen. Keine Zeit eine Waffe hochzubekommen. Nicht einmal Zeit zu schreien.
Getötet auf der Flucht vor einer Wilden von einem Mutanten…

Aber der Mutant sprang sie nicht an. Er schrie nicht. Er versuchte nicht, sie zu beißen und er krallte auch nicht nach ihrem Fleisch. Er drehte sich nur beinahe elegant zur Seite, gab ihr einen Stoß mit der Hand und ließ sie an sich vorbeifliegen.
War das eine Armbrust in seiner anderen Hand gewesen? Benutzten die Monster jetzt Waffen?

Red’s Überlegungen wurden vom Boden des Stockwerks unterbrochen, der rasend schnell auf sie zu kam. Der Aufprall trieb ihr die Luft aus den Lungen und ließ sie Sterne sehen.
Den wilden Kampfschrei der Wilden hörte sie kaum. Ihren schmerzerfüllten Aufschrei und das Poltern ihres Körpers die Treppe hinab schon etwas deutlicher. Und das scharfe, trockene Knacken, dass dem schmerzerfüllten Wimmern ein Ende bereitete, wieder in aller Klarheit.
Was zum Teufel?

Aufstehen, aufstehen, aufstehen!
Mit reiner Willenskraft zwang sich Red wieder auf die Beine. Aber sie war langsam. Zu langsam.
Was oder wer auch immer der Wilden den Rest gegeben hatte, war schon wieder die Treppe hinauf gekommen. Es näherte sich von hinten.
Die erbeutete Pistole lag zu weit entfernt auf dem Boden. Ihr Jagdbogen war in dieser Situation nicht viel wert und ihre eigene Pistole steckte im Stiefel. Nie wieder ohne zweite Pistole, schwor sie sich.
Blieb nur das Messer.
Langsam und unauffällig griff sie danach und zog es aus der Scheide, während die drohende Präsenz in ihrem Rücken immer näher kam.
Noch einen Schritt und es wäre in Reichweite.

Es zögerte.
Hatte es etwas bemerkt?
Keine Zeit für Spekulationen. Sie musste handeln. Bevor es das seinerseits tat.

Red war schnell. Sie musste es sein, um zu überleben. Aber was immer die schmutzige Gestalt war, sie war noch schneller.
Das Messer kam in einem flachen Bogen herum. Auf die Eingeweide gezielt. Aber etwas Stählernes stoppte den Angriff durch einen Treffer an ihrem Handgelenk.
Und der Schatten, den sie aus dem Augenwinkel wahrnahm, löschte ihr unmittelbar danach die Lichter aus.


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Work in Progress

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Teil 01
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Teil 04
Teil 05


*****


I.

„Achter Strich für den sechsten Zählstab?“
Irgendetwas nagte an ihm, während er es leise vor sich hin murmelte. Wie jeden Morgen nach dem Aufstehen war die kleine Kerbe im Holz seine erste Handlung.
Sechster Zählstab. Und im lackierten Holz der Schwertscheide waren es nun zehn Kerben. Damit war dies der Achte Juni des Jahres 2022. Oder des zehnten Jahres danach.
„Oh“, sagte er verblüfft, als es ihm einfiel. „Ich habe Geburtstag.“
„Wen interessiert‘s?“
„Mich“, erklärte er entschieden. „Früher hat es mich vielleicht nicht interessiert, aber jetzt schon.“
„Aber du bist auch der Einzige, den es kratzt.“
„Ich bin vielleicht der einzige Mensch im Umkreis von tausend Kilometern. Also ist es von entscheidender Bedeutung für einen signifikanten Prozentsatz der Menschheit dieser Region.“

Nachdem er diese Sache zufriedenstellend mit sich geklärt hatte, war die nächste Frage, was er aus seinem Geburtstag machen wollte.
Torte? Zu kindisch für einen Fünfunddreißigjährigen. Ein Besäufnis? Nicht außerhalb eines sicheren Unterschlupfes. Und Dope war ihm kürzlich ausgegangen. Das würde also warten müssen, bis er Neues fand. Und einen sicheren Unterschlupf.
Aber ein kleines Festmahl wäre vielleicht machbar.

Eifrig kramte er das abgenutzte Fernglas hervor und schälte es aus einigen Lagen Stoff, die den wertvollen Ausrüstungsgegenstand vor Beschädigungen schützten. Am Abend in der Dämmerung hatte es so ausgesehen, als gäbe es im nächsten Tal eine kleine Ortschaft. Zeit das zu überprüfen.

Mit der Sicherheit langjähriger Übung richtete er sich auf dem starken Ast des Baumes auf, der ihm als Nachtlager gedient hatte. Die weiter oben liegenden Äste waren nicht sehr vertrauenerweckend, aber er musste auch nicht weiter hinauf. Nur ein wenig aus dem Laub heraus.
Und tatsächlich. Da war sie. Zum Teil bereits wieder überwuchert und beinahe in den umgebenden Wald integriert. Aber ohne Zweifel eine kleine Stadt.
Hier draußen, in einem ehemals nur dünn besiedelten Gebiet, standen die Chancen gut, dass es nicht viele Überlebende gegeben hatte. Vielleicht gab die Stadt noch einiges her. Vielleicht sogar noch haltbare Konserven oder sogar eingelagerte Notreserven aus Armeebeständen.
Einen Besuch hätte er dem Ort so oder so abgestattet. Diskussionsbedarf bestand also keiner.

Sorgsam packte er das Fernglas wieder ein und nahm das Zielfernrohr von seinem Sturmgewehr. Weniger Reichweite und geringere Auflösung als das Fernglas, aber bessere Nahaufklärung.
Sorgsam untersuchte er die Umgebung des Baumes. Suchte nach Fußspuren. Anzeichen für eine Gefahr.
Rehe, Wildschweine und die Fährte eines Dachses oder Fuchses. Keine Spuren von Zweibeinern.
Gut.

Langsam und sorgfältig kletterte er von seinem Baum. Ganz am Anfang, kurz nachdem die Welt zum Teufel gegangen war und er sich als einer der wenigen Überlebenden wiederfand, hatte er oft den Sprung von einem solchen Ast gewagt. Bis er sich dabei einmal den Knöchel verstauchte und am darauffolgenden Abend beinahe erwischt worden war.
Risiken musste man manchmal eingehen, aber man lebte länger, wenn man sie auf die Nötigsten beschränkte.

Auf dem Boden angekommen nahm er sein Gewehr vom Rücken und begann den Marsch ins Tal. Immer auf der Hut. Auf jedes Geräusch lauschend und bereit, auf jede Gefahr zu reagieren.
Man überlebte keine zehn Jahre, wenn man nachlässig wurde. Wahrscheinlich begegnete er deswegen nur noch so selten anderen Überlebenden.

Sein Weg führte ihn durch den Wald. Nah genug an einer der alten Straßen, um sie im Blick zu behalten, aber auch weit genug davon entfernt, um selbst fast außer Sicht zu bleiben.
Die Tiere hielten sich von diesen, langsam unter der Vegetation verschwindenden, Lebensadern der einstigen Zivilisation noch immer fern. Sie erinnerten sich an längst vergangene Gefahren. Und sie wussten um die eine Verbliebene.
Die Stinker folgten den Straßen auf ihrer Wanderschaft. Auf ihrer Suche nach neuer Beute.
Was an Stinkern noch existierte, hatte das Verhalten von Raubtierrudeln angenommen. Nicht völlig geistlos, wie die meisten Opfer der Seuche, die das Ende der Welt eingeläutet hatte. Aber auch nicht fähig zu menschlichen Gefühlen oder Vernunft.
In Großstädten gab es sesshafte Gruppen, die einander belauerten und auf die zahlreicher werdenden Tiere Jagd machten. Aber wenn sie weiterzogen, weil die Gegend nichts mehr hergab, dann folgten sie den Straßen.
Deswegen reiste er niemals auf einer Straße. Versuchte sogar, es zu vermeiden, eine überqueren zu müssen.
Deswegen überlebte er.

Natürlich war er einer Gruppe Stinker gewachsen. Wenn sie nicht das komplette Überraschungsmoment auf ihrer Seite hatten, brauchte er noch nicht einmal sein Gewehr. Was eine gute Sache war, denn Schüsse lockten sie aus vielen Kilometern Entfernung an.
Aber selbst wenn er darauf vertraute, dass sein Schwert, seine Messer und die verlässliche Armbrust auch mit einer Gruppe Stinker fertig würden, wäre es dumm gewesen, es darauf ankommen zu lassen. Ein Fehler und er war Stinkerfutter.
Wenigstens musste er keine Angst davor haben, sich anzustecken. Aus irgendeinem Grund war er immun gegen die Seuche, die aus fast allen menschlichen Männern wilde Tiere gemacht hatte, die wiederum binnen kürzester Zeit die weibliche Hälfte der Menschheit umbrachten.

Heute war allerdings ein guter Tag.
Keine Stinker zu sehen, zu hören oder zu riechen. In der verlassenen Stadt blieb alles ruhig.
Er hielt inne.
Irgendetwas war nicht in Ordnung.
Es war ruhig.
Nicht zu ruhig per se. Die Vögel waren nicht irritiert. Aber wo waren die größeren Tiere?
Normalerweise störten sie sich nur wenig an ihm, wenn er langsam und bedächtig durch die Wälder schlich. Für ein Reh war er zu groß um als Raubtier in Frage zu kommen. Jedenfalls solange er sich nicht zu schnell bewegte.
Nur wenn die Tiere hier in letzter Zeit hatten lernen müssen, dass Menschen gefährlich waren, würden sie sich so deutlich von ihm fernhalten.
Was nur eines bedeuten konnte: Stinker.
Doch kein guter Tag, was?

Noch aufmerksamer und vorsichtiger näherte er sich dem einstigen Stadtrand. Augen und Ohren allen Eindrücken geöffnet. Am wichtigsten bei begrenztem Sichtfeld war jedoch die Nase. Stinker betrieben keine Körperpflege.
Was zum Henker?
Rauch!
Trockenes Holz. Kein Waldbrand. Ein Feuer.
Ein kontrolliertes Feuer.
Ein Lagerfeuer!

Stinker machten kein Feuer.
Also Überlebende.
Was gut oder schlecht sein konnte.
Zeit, noch vorsichtiger zu sein. Menschen waren in diesen Zeiten entweder tot, oder erfolgreich aufmerksamer als der hungrigste Stinker. Und sie schossen erst und fragten dann.

Glücklicherweise gab es in einer Stadt noch mehr Möglichkeiten, sich zu verstecken, als im Wald. Und er kannte sich in Städten aus, auch wenn er sich meistens in der Wildnis herumtrieb.
Aber manche Dinge verlernte man nicht. Und Erfahrungen im Stadtkampf gehörten dazu, zumal sie in den letzten zehn Jahren immer wieder benutzt worden waren.

Regel Nummer eins in einer solchen Situation war: Verschaff dir Informationen.
Stinkern begegnete man am besten wie Raubtieren. Für sie musste man denken wie ein Jäger. Auch wenn sie manchmal cleverer waren als der cleverste Tiger im indischen Dschungel.
Aber Menschen gegenüber musste man denken wie ein Soldat. Und in einem früheren Leben war er das gewesen.

Nur eines der Häuser am Stadtrand war für die Beschaffung von Informationen geeignet. Es war ein Mietshaus, das die anderen Gebäude überragte. Teilweise zerfallen wie alle anderen Häuser, aber noch nicht völlig marode.
Es war nicht schwer, hinein zu gelangen. Und es war offensichtlich, dass dieses Haus schon vor langer Zeit gründlich durchsucht worden war. Nicht eine einzige Schublade war noch dort, wo sie hingehörte.
Viel wichtiger war aber, dass er durch das Treppenhaus bis in den obersten Stock gelangen konnte. Und dort suchte er sich einen Raum mit intakten Wänden und einem Fenster zur Stadt und holte sein Fernglas heraus.
Zeit zu warten.


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Wie bereits gesagt ist mir insbesondere bei den Sachen, die ich mit 'wip' (Work in Progress) markiere, inhaltliches Feedback mehr als willkommen. Sowohl insgesamt, als auch in Bezug auf beliebige Details und Kapitel, denn das gesamte Werk kann durchaus noch von Grund auf überarbeitet werden.