Kojotenhöhle

Was dich hier erwartet, ist nicht der Versuch, irgendetwas zu umschreiben. Ich nenne die Dinge durchaus beim Namen, auch wenn ich versuche, das niveauvoll zu tun. Und ich versuche außerdem, Geschichten zu erzählen, in denen der Sex ein Teil des Ganzen ist und nicht der einzige Teil. Man findet hier wohl auch Grenzwertiges für manche Geschmäcker. Ob man es als BDSM-artig oder als abartig empfindet, liegt dabei ganz im Auge des Betrachters.

Wenn es dir gefällt, lass es mich wissen. Wenn es dir nicht gefällt, gerne auch. Hinterlass mir einen Kommentar oder schreib es mir per Mail an Mike.Stone bei gmx.net .

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Freitag, 24. Januar 2014

Open Shorts - Hassliebe


Hassliebe
Eine Geschichte über absolute Gegensätze und deren Anziehung.
© 01/2013 Coyote/Kojote/Mike Stone

Open Shorts, dafuq?
Manche Leute sagen, dass einige Sachen, die ich so geschrieben habe, eigentlich schon als vollwertige Kurzgeschichten mit offenem Ende durchgehen, obwohl ich eher annahm, es wären Anfänge, die ich nicht weitergeschrieben habe.
Deswegen sind 'manche Leute' auch allein dafür verantwortlich, dass ich das jetzt als Open Shorts poste, die eventuell auch noch mal weitergeschrieben werden. Oder auch nicht...

*****

Fair warning:
Das Thema ist nicht ohne, denke ich. Und die Perspektive verstärkt das, hoffe ich.
Gewalt spielt eine Rolle. Weniger sexuelle Gewalt, als sonstige. Politische Ideologien bilden eine Rahmenhandlung und es gibt - da will ich ganz offen sein - eine offensichtliche Vergewaltigungssituation ziemlich nah am Anfang. Also Finger weg, falls dich das triggert. Falls du darauf spekulierst, dass es eine Rape-Fantasy ist, wirst du allerdings auch enttäuscht werden.
Heftig ist die Geschichte - hoffe ich jedenfalls, denn das soll sie sein - aus anderen Gründen.


‚Drei Tage aus dem Knast, in dem ich so ziemlich mein ganzes Erwachsenenleben verbracht habe. Und schon bin ich wieder dabei, mich in Schwierigkeiten zu bringen‘, denkt er sich genervt. ‚Ach, scheiß drauf…‘

Es gibt Auseinandersetzungen, denen man aus dem Weg gehen sollte.
Die kleine Straßenschlacht zwischen Rechten und Linken im Viertel, in dem er einen Unterschlupf für die nächste Zeit gefunden hat, gehört zu dieser Sorte. Mit der Kapuze über dem Kopf und gesenktem Kopf geht er den herumrennenden Spinnern aus dem Weg. Seine Größe sorgt dafür, dass es niemand so richtig eilig hat, ihn zu fragen, ob er irgendwo dazugehört.
Seine Chancen stehen gut, irgendwo ein ruhiges Plätzchen zu finden und die Sache auszusitzen. Jedenfalls solange ihm niemand in die Visage schaut.

Dann hört er den Schrei aus der Gasse. Und die Chancen sind am Arsch, denn es gibt auch Auseinandersetzungen, denen man aus dem Weg gehen kann. Wenn man will.
Für Erik gehört ein panischer, weiblicher Schrei voller Todesangst in einer vermüllten Seitengasse bei einer Straßenschlacht zur Feier irgendeines Nazi-Feiertags allerdings nicht in diese Kategorie. Nicht mehr, seit er seine Mutter und seine Schwester so schreien hörte.

Schnell bewegt der 24-Jährige sich durch den Unrat in Richtung Ende der Gasse.
Er weiß bereits in etwa, was er sehen wird. Und seine Erwartung wird nicht enttäuscht. Wohl aber seine Hoffnung, rechtzeitig zu kommen.

Die unvermeidliche Auseinandersetzung stellt ihn gegen vier Glatzen. Momentan ahnen die allerdings noch nichts von ihrer allernächsten Lebenserfahrung mit ihm. Ihre Aufmerksamkeit gilt der Frau, deren Schrei er gehört hat.
Sie ist ganz offensichtlich von der gegnerischen Seite des fröhlichen Geprügels auf der Straße. Rastazöpfe, Piecings, Punkstyle bei Klamotten und Tattoos. Und ihr Pech ist, dass sie ziemlich gut aussieht. Soweit er Erik das sehen kann.

Alles kann er nicht erkennen. Ihr Shirt und ihre Hose haben es hinter sich, aber auf ihrem Mund und ihren Brüsten liegen große Hände und packen nicht eben zärtlich zu. Und zwischen ihren Beinen steht einer der Typen und amüsiert sich offenbar bereits prächtig.
Die Kleine - an ihr ist wirklich nicht viel dran… Was zum Henker hat sie hier zu suchen? - ist jenseits gezielter Gegenwehr. Sie hatte nie eine Chance und jetzt lernt sie, weswegen sie besser Zuhause geblieben wäre. Nur leider zu spät, um sie noch vor dem Schlimmsten zu bewahren.
Aber das ist natürlich kein Grund, auch nur eine Sekunde zu zögern.

„Hey!“, sagt Erik.
Laut genug, um wahrgenommen zu werden. Mehr nicht.
Die Glatzen blicken auf. Aber sie lassen ihr Opfer nicht los. Natürlich nicht.

„Verpiss dich, Punk!“, schnauzt einer von ihnen.
Er hält der Kleinen den Mund zu und scheint das Kommando zu haben. Auf einen Wink seines Kopfes hin wenden sich die zwei am wenigsten involvierten Typen dem Neuankömmling zu.
Erik lässt sich nicht lange bitten und korrigiert das Missverständnis. Als er die Kapuze zurückschlägt, runzeln sich vier Stirnpartien.
„Alter“, macht einer von ihnen. „Warum schleichst du dich so an?“

Sie kennen ihn nicht. Aber wie sollen vier Glatzen eine Stirn mit einem auftätowierten Hakenkreuz missverstehen?
Erik zögert auch diesmal nicht. Während sich die Männer entspannen, tritt er näher. Und als sie sich wieder ihrem Opfer zuwenden wollen, schlägt er zu.
Zwei Schläge, zwei zertrümmerte Kehlköpfe. Den Rest wird Mutter Natur erledigen.
Die beiden Überlebenden haben genug Zeit, sich zu fragen, was da gerade passiert ist. Genug Zeit, um sich zu erschrecken, sich verraten zu fühlen und den Adrenalinstoß zu spüren.
Dann ist es nur noch einer. Der Typ am Kopf der Kleinen wird ebenfalls niemandem mehr wehtun. Das Knacken, als sein Schädel gegen die Wand knallt, die das Ende der Gasse markiert, ist mehr als eindeutig.

Der Letzte zieht sich aus dem Mädchen zurück und verschwendet dabei mehr Zeit, als ihm noch verbleibt.
Erik befördert ihn mit einem Tritt vor die Brust gegen die Wand und hat bereits eine der Metallstangen, die den Schlägern als gerade nicht benötigte Bewaffnung zur Verfügung stand und achtlos auf dem Boden liegt, aufgehoben.
Vermutlich wird niemand die Leichen so schnell finden, aber wenn es passiert, sollten sie nicht aussehen, wie von einem Profi getötet. Also brauchen sie eine Nachbehandlung.
Der letzte der Vier ist auf dieser Liste der Erste und stirbt schneller, als er es verdient hätte. Seine beiden noch röchelnden und zuckenden Kameraden folgen ihm bald.

Die kleine Zecke realisiert derweil, dass sich etwas verändert hat. Und natürlich versteht sie gar nichts, als sie die Augen öffnet.
Aber sie sieht. Und zwar, was ihre Peiniger auch gesehen haben. Weswegen sie gleich noch mehr in Panik gerät.
Ohnmacht wäre ja auch zu schön gewesen…

Erik kann sie nicht gehen lassen. Er muss untertauchen und sie würde jedem ihrer Freunde erzählen, was sie gesehen hat. Das würde zwangsläufig diejenigen, die Erik gerne wiedersehen wollten, weil er ihnen so viel Geld eingebracht hatte, auf den Plan rufen.
Er ist sich sicher, dass man die Suche nach ihm zähneknirschend aufgeben wird, wenn er einfach nur untertaucht. Er ist ersetzbar, und solange er nicht zur Presse oder Polizei rennt und seine Geschichte erzählt, ist er auch kein extremes Risiko. Nur eine Unbekannte in der Gleichung.
Die logische Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Zumindest für den Moment muss das Mädchen mit ihm untertauchen.

Ihr gefällt das nicht. Als sie versucht, sich aus dem Staub zu machen und von ihm abgefangen wird, wehrt sie sich mit neuer Kraft. Todesangst lässt sie ihre letzten Reserven mobilisieren.
Natürlich ist sie ihm nicht gewachsen, aber er will ihr auch nicht wehtun. Nur ist er in dieser Disziplin des Nahkampfes nicht sehr erfahren. Also nutzt er das absolute Minimum seiner Kraft.

Die kleine Ratte macht es ihm nicht leicht. Sie sieht eine Chance, da sein Griff nicht sehr fest ist. Also kämpft sie.
Sicherlich… Das Gewicht ihres anderthalb Meter langen Körpers liegt irgendwo im Bereich eines seiner Beine. Aber sie ist wendig wie ein Aal. Und in etwa so kooperativ.
Das ist nicht gut. Sie muss mitspielen, wenn das glimpflich ausgehen soll.

„Willst du leben oder sterben?“, knurrt er.
Das wirkt. Sie ist sofort stocksteif und rührt keinen Muskel mehr. Der vierfache Beweis seiner Ernsthaftigkeit liegt ziemlich breitgetreten in der Gasse.
„Also leben?“, schlägt er vor.
Sie deutet ein Nicken an.
Und dann… dann fängt sie an zu weinen. Und Erik zerreißt es fast.

Er würde ihr gern sagen, dass er sie nicht töten wird. Aber selbst wenn sie ihm das glauben würde, würde sie seine Erklärung für die Tätowierung niemals kaufen. Also muss er sie leiden lassen.
Fuck!
Wahrscheinlich ist das auch nicht besser, als das, was sie gerade noch erlebt hat.

Zusammen mit Erik verbringt sie Stunden hinter einem Müllcontainer. Er hält sie fest. Die Hand auf ihrem Mund, damit sie nicht schreit. Sicherheitshalber.
Er muss die Dunkelheit abwarten. Sein auserkorenes Versteck ist nicht weit, aber wenn ihn irgendwer mit dem fast nackten Mädchen sieht, ist es nicht mehr sicher. Also muss sie weiter leiden.

„Ich werde dir nichts tun“, raunt er ihr ins Ohr.
Sie schluchzt nur.
„Ich habe die Vier nicht von dir weggeschafft, um dich zu verletzen. Aber ich kann dir auch nicht trauen, also musst du bei mir bleiben, bis es sicher ist, dich gehen zu lassen.“
Ihr Schluchzen wird stärker.
Verdammt! Was hat er gesagt, was sie in Angst versetzt?
‚Abgesehen von der Auffrischung der Erinnerung daran, dass du vier Leute vor ihren Augen umgebracht hast, meinst du?‘, stellt er sich selbst die Gegenfrage. ‚Du Vollidiot!‘

Das ist der Beweis. Bücher über Diplomatie und Psychologie zu lesen ist einen Scheiß wert, wenn man das Wissen nicht auch umsetzen kann.
Glücklicherweise beruhigt sie sich bald wieder und er versucht, sie so sanft wie möglich zu halten. Aber er muss aufpassen. Die Straßenratten von heute - und sie ist eine, da ist er sich sicher - sind ganz sicher nicht langsamer als zu seiner Zeit.
Und als er in ihrem Alter war, war er verdammt flink.

Als die Dämmerung herannaht, wird aus ihrem ständigen Zittern ein Schütteln. Sogar ihre Zähne klappern…
‚Oh, Erik!‘, sagt er sich. ‚Du dämlicher Vollpfosten! Sie friert!‘
Das Schluchzen ist sofort wieder da, als er sich erhebt und sie an die Wand drückt.
Natürlich versteht sie nicht, weswegen er sie mit einer Hand über dem Mund fixiert und mit der anderen aus dem Mantelärmel schlüpft.
Ihre Augen verraten ihre Vermutung. Ebenso wie die neuen Tränenströme.

Als er die Hand wechselt, versucht sie nicht zu schreien. Aber das als gutes Zeichen zu werten wäre wohl zu optimistisch. Die Angst schnürt ihr eher die Kehle zu.
Sie begreift erst, als er den Mantel aus hat, sie vorwärts zieht und ihn ihr umlegt. Erst dann tritt für einen Sekundenbruchteil irritierte Dankbarkeit in ihren Blick, bevor das Misstrauen wieder überwiegt.
Aber wenigstens zittert sie nicht mehr, als er sie wieder in den Arm nimmt und ihren Rücken an seine Brust zieht.

Mit der Dunkelheit wird es ruhiger.
Was sich zunächst zu Krawallen ausgewachsen hat, verebbt nun. Nachts sind alle Katzen grau und außerdem kommen dann andere Raubtiere hervor. Auch solche, die Katzen besonders delikat finden.
Erik fürchtet diese menschlichen Räuber nicht. Aber auf eine Begegnung legt er auch keinen Wert. Also wird es Zeit aufzubrechen.

„Wir gehen“, erklärt er. „Es ist nicht weit und dir wird nichts passieren.“
Sie nickt langsam.

Natürlich versucht sie es, als er mit ihr an der Straße ankommt.
In dem Moment, in dem er sich umsieht, will sie sich losreißen. Er zuckt nicht einmal zusammen. Selbst mit all ihrer Kraft käme sie nicht gegen eine seiner Hände an.
Worte sind unnötig. Sie musste es versuchen. Er nimmt es ihr nicht übel. Stattdessen hebt er sie hoch und trägt sie die zweihundert Meter bis zu seinem Unterschlupf.

Es ist eine Ruine. Ein abgebranntes Haus mit kaum mehr als in paar Wänden vom Erdgeschoß.
Und einem Keller, für den Erik den Schlüssel hat, der all die Jahre seit dem Tod seines Großvaters an seinem Platz lag, ohne gefunden zu werden.
Natürlich gibt es andere Wege in den Keller zu gelangen. Nichts von Wert ist darin zurückgeblieben. Nichts außer Opas ganz privatem Geheimzimmer. Dort hat Erik alles unverändert vorgefunden.

Das Mädchen kennt den Keller. Er merkt an ihrer Anspannung, wie sehr es sie überrascht, das er einen Schlüssel hat. Und dann an ihrem Keuchen, wie fassungslos sie ist, dass es einen geheimen Raum dort gibt.
Das unmittelbar folgende, röchelnde Luftholen gilt allerdings mehr dem Interieur, wie er annimmt.

Ja. Opa war ein Nazi. Noch nicht geboren, als der Krieg stattfand, aber von einem ideologisch reinrassigen und straffrei entkommenen Parteimitglied in bester Tradition erzogen.
Das Zimmer ist voller Andenken an eine andere Epoche. Früher war Erik davon zutiefst beeindruckt. Heute bedeutet es ihm nichts mehr.
Aber der Kleinen bedeutet es etwas. Es bedeutet ihr, in der Hölle zu sein.

Als er die Tür hinter sich verschlossen hat, ist sie frei. Mit hochgezogenen Schultern versteckt sie sich in seinem Mantel und sieht sich angewidert um.
„Machs dir bequem“, bietet er an. „Da hinten ist eine Toilette. Es gibt sogar fließend Wasser aus dem Hahn, falls du dich waschen willst. Aber es ist kalt.“
„Nazischwein.“

Erik zieht eine Augenbraue hoch. Das Wort geht ihm Lichtjahre am Arsch vorbei. Aber das kann sie nicht wissen.
„Ist das schlau?“, fragt er.
Sie starrt ihn feindselig an.
„Vergiss es.“ Er winkt ab. „Denk, was du willst.“
Als er sich abwendet, springt sie zur Tür. Aber daran kann sie rütteln, soviel sie will. Opas Raum ist ein kleiner Luftschutzkeller. Ziemlich sicher, wenn man nicht gerade einen Atomkrieg erwartet.

Erik setzt sich, lehnt sich zurück und schließt die Augen.
Nicht, weil er wirklich schlafen will. Dafür ist er zu aufgekratzt. Aber die Kleine soll sich ein wenig beruhigen, und wenn er sich ruhig verhält, gelingt ihr das sicherlich besser.
Tatsächlich erweist sich diese angewandte Erkenntnis aus ‚Psychologie Heute‘ von vor zehn Jahren als richtig. Eines Fluchtweges beraubt und mit einem ideologischen Gegner vor der Nase, der sich auf kein Streitgespräch entlassen will, sieht sie sich noch einmal um. Dann verschwindet sie im Bad.

Den Geräuschen nach zu urteilen reißt sie zuerst einige Bilder von den Wänden und wäscht sich dann. Letzteres sehr lange und ausgiebig. Interessante Prioritätenverteilung.
Erik nutzt die Zeit, um eine Konserve zu öffnen. Die Vorräte sind ein Jahrzehnt alt. Aber sie sind für ein Jahrhundert ausgelegt. So in etwa…
Nach einer guten halben Stunde kommt sie wieder. Seinen Mantel gibt sie nicht auf. Verständlicherweise.

„Hunger?“
„Nazifrass.“
„Das Spiel können wir ewig spielen.“

Er dreht sich zur Kommode, öffnet die Schublade und erwartet ein paar Klamotten von seinem Großvater. Er findet etwas anderes…
„Fuck!“
Ungebeten und unvermeidlich sind die Tränen da.
‚Reiß dich zusammen, Erik!‘

Langsam und mechanisch nimmt er das Kleidchen aus der Schublade.
Es gehörte seiner Schwester. Es war ihr Lieblingskleid, als sie etwa im Alter der Kleinen gewesen war. Warum musste er ausgerechnet auf sowas stoßen?
Kurz streichelt er über den Stoff. Dann reißt er sich zusammen.

„Hier.“
Er reicht das Kleid ohne einen Blick zur Seite. Mehr zu sagen ist nicht drin. Mehr gibt die Stimme nicht her.
„Ich will deinen Na…“
„Nicht! Bitte… Beschimpf mich, den Raum, meinen Großvater, aber lass sie da raus. Sie hat niemandem etwas getan.“
‚Aber genützt hat ihr das auch nicht‘, fügt er in Gedanken hinzu.

Erstaunlicherweise schweigt die Kleine.
Sie nimmt sogar das Kleid und verschwindet noch einmal im Bad. Zwar trägt sie danach noch immer den Mantel, aber wenigstens hat sie jetzt etwas drunter.
Das ist gut.

„Also?“, fragt sie und setzt sich.
„Also?“, fragt er zurück.
Was wird das jetzt?

Als sie schnieft, sieht er sie an.
Sie blickt zu Boden und plötzlich ergibt alles einen Sinn. Sogar ihr streitsüchtiges Verhalten.
Stille zwingt dich zum Nachdenken. Und sie hat gerade ein paar deftige Dinge, über die sie nachdenken muss, wenn sie sich nicht ablenken kann.
Das hat Erik nicht bedacht.
Er sieht sie an. Ihre Unterlippe zittert und Tropfen fallen auf ihre Hände in ihrem Schoß. Der Mantel klafft auf und darunter ist das Kleid seiner Schwester.
Sollte er…? Ach, fuck it!

„Schließ die Augen.“
Sie schreckt hoch und sieht ihn an. Misstrauisch. Verängstigt.
„Vertrau mir.“

‚Ja genau‘, sagt seine innere Stimme. ‚Das wird sie jetzt mit Freuden tun.‘
Aber sie tut es. Langsam. Zögerlich.
Sie zuckt zusammen, als er sich auf das winzige Bett setzt, an dessen Fußende sie sich niedergelassen hat. Und noch einmal, als er sie in den Arm nimmt und mit sich zieht.
Dann verharrt sie regungslos wie ein kleines Nagetier im Angesicht der Schlange. Minutenlang.

Als sie anfängt zu weinen, ist es wie eine Kapitulation.
Erik kann ihr nicht helfen sich abzulenken. Darin ist er nicht gut. Aber Einsamkeit und Verzweiflung versteht er.
Er kann sie halten. Und trotz der riesigen Kluft zwischen ihnen ist es das, was sie jetzt am meisten braucht. Also klammert sie sich an ihn, wie eine Ertrinkende.
Und weint.
Stundenlang.

Zweiundsiebzig Stunden später ist alles fast gleich. Und doch völlig anders.
Der Raum bietet keine Bewegungsfreiheit. Und er drückt aufs Gemüt. Aber er ist sicher.
Es gibt Essen, ein Bett, ein Klo, fließend Wasser und genug Wärme. Zumindest unter der Bettdecke.

Erik liegt weiterhin im Bett und hält das Mädchen im Arm. Sie hat nicht viel gesprochen, aber etwas gegessen. Und nun hört sie zu.
„Rede mit mir“, hatte sie nach einigen Stunden unruhigen Schlafs gesagt. „Bitte…!“
Aber Erik ist kein Erzähler. Also liest er ihr etwas vor.

Mittlerweile ist es mehr als eine Ablenkung. Mittlerweile hört sie genau zu und folgt der Handlung.
Er merkt es an der Art, wie sie manchmal fester zupackt, wo sie sich an ihm festhält. An der Art, wie sich ihre Fingernägel in seine Haut graben. Und daran, wie die Tränen darauf tropfen.
Es ist kein lustiges Buch. Eher das exakte Gegenteil.
Der Titel lautet ‚Das wunderbare Überleben‘ und es ist von einem polnischen Juden nach seinen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg geschrieben worden.

Dass Erik gerade dieses Buch zur Hand hat, kommt ihm wie ein Wink des Schicksals vor. Denn es schlägt eine Brücke zwischen ihm und dem Mädchen, die er niemals selbst hätte schaffen können.
Es hat ein bitteres Ende, aber es handelt von Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit. Und es handelt von Menschen, die sich über ideologische Grenzen hinweg verständigen.
Es ist ein gutes Buch.

Drei Tage hat er gebraucht, um es vorzulesen. Sie hat ihm wenige Pausen gegönnt. Und er war froh, etwas zu tun zu haben.
Nun ist es vorüber und er fühlt sich, als würde er eine Erkältung bekommen. So viel spricht er sonst in zwei Jahren nicht.
Aber es ist gut, denn die Kleine denkt nun über etwas anderes nach als das, was ihr wiederfahren ist. Sie beweint nicht mehr ihr Schicksal.
Zu Tode erschöpft von der fast ununterbrochenen Wachphase schläft sie ein. Und Erik schließt ebenfalls die Augen.

*****

Als sie aufwacht, ist ihr sofort bewusst, wo sie sich befindet. Aber diese Erkenntnis hat ihren Schrecken verloren.
Der Große - sie hat ihn noch immer nicht nach seinem Namen gefragt - schläft. Sie weiß das sicher, denn ihr Kopf liegt auf seiner Brust. Sein leichtes Schnarchen lässt sie fast mit vibrieren.
Aber es war auch dieses Schnarchen, das ihr den Halt gegeben hat, wenn sie aus dem Schlaf hochschreckte. Die Träume sind vage geblieben. Dank des… Nazischweins.

Langsam öffnet sie die Augen und blickt auf seine Haut. Hakenkreuze sind nicht das Einzige, was dort eigentlich ihre Wut erregen musste. Aber diese Gedanken sind so fern…
Wie er ihr vorgelesen hat… Anfangs so unsicher und dann immer fester. Er kannte das Buch schon. Aber welche Glatze liest denn solche Bücher?
Oder erschlägt in Sekundenschnelle vier andere Glatzen, was das angeht?

Er wird ihr nicht wehtun. Das hat er gesagt und jetzt glaubt sie ihm.
Er hätte schließlich auch schon längst gekonnt. Er ist so stark, dass sie es kaum fassen kann. So unglaublich groß und massiv und…
Schluss damit. Das führt nirgendwohin!

‚Vielleicht ist er ja schwul?‘, fragt sie sich dennoch weiter.
Gedankenverloren fährt sie mit dem Finger das Symbol der Schreckensherrschaft nach, deren ewig gestrige Anhänger sie ihr Leben lang gehasst hat.
Nein. Er ist nicht schwul. Sein Ständer mag schlafbedingt sein, aber er reagiert ganz bestimmt auf ihre Anwesenheit.

Es ist warm im Raum. Stickig nach so vielen Tagen. Es müssen viele gewesen sein…
Lisa löst sich langsam von ihm und richtet sich auf. Sein Schnarchen verstummt. Aber es spielt keine Rolle.
Oder vielleicht spielt es auch die Hauptrolle…

Langsam zieht sie sich das Kleid aus. Es bedeutet ihm etwas. Das hat sie ihm angesehen. Aber es ist zu warm.
Sie hat nichts sonst. Aber sie braucht auch nichts sonst. Es ist warm. Sie ist sicher. Er wird ihr nichts tun.
Sie legt sich wieder hin. Schmiegt sich an den schrecklichen Körper. Fährt wieder mit dem Finger die Konturen nach.
Lisa hasst dieses Symbol. Das ist eine Tatsache.

Er ist wach. Kein Zweifel. Und seine Erregung steigt.
„Du bist kein Nazi“, stellt sie fest.
„Nein.“
„Aber du warst einer.“
„Ja.“
„Hast du jemals…?“
„Nein!“
Er sagt es so hart und leidenschaftlich, dass sie nicht zweifelt.
„Warum dann?“
Sie muss es wissen!

„Meine Familie hing an dieser Idee wie an einer Lieblingsjacke“, erklärt er. „Ich habe selten über den Tellerrand gesehen. Aber wenn ich es tat, waren da nur die Türken, die Russen und die anderen Gruppen. Nur Feinde. Aber gemeinsam waren wir stark.“
„Also musstest du dazugehören. Zum Schutz…“
„Nein. Ich glaubte. Wahrscheinlich mehr als die meisten anderen, weil ich mehr über die Vergangenheit wusste.“
„Aber…?“
Er stockt.

„Kein Aber. Ich habe erst im Knast verstanden, dass jede Ideologie Blödsinn ist und es nur einen Gott gibt.“
„Du glaubst an Gott?“, keucht sie erstaunt.
Das kommt überraschend!
„Jeder glaubt an diesen Gott. Geld ist allmächtig und seine Macht ist unübersehbar.“

Lisa schweigt. Das muss sie überdenken.
Geld. Kapitalismus. Nationalsozialismus.
Wie kann er angenehm riechen, obwohl er sich tagelang nur gewaschen hat?
Wie schlimm riecht sie selbst wohl?
Würde es ihn stören?

Als sie seine Brust küsst, fragt er:
„W-was tust du?“
Lisa spürt eine Welle der Wärme und Zuneigung, als sie diesen hilflosen, unsicheren Tonfall hört.
Er ist so stark. Er hat ihr das Leben gerettet. Und nun ist er hilflos.
„Nichts…“, haucht sie, kombiniert mit einem zweiten Kuss.
„Kleines…“
„Lisa“, korrigiert sie.

Er will etwas antworten, aber sie rutscht zu ihm hinauf.
Er trägt noch seine Hose. Nur das Shirt hat er irgendwann abgelegt. Aber trotzdem spürt sie seinen Schwanz an ihrem Bein, als sie es darüber gleiten lässt.
Sie küsst seine Lippen und er starrt sie an.
Angst steht in seinem Blick.

Angst?
Vor ihr?
Sie schaut genauer hin.
Er ringt mit sich. Kämpft.
Er…
Er will ihr nicht wehtun!

„Mach mir schöne Erinnerungen und töte die schlechten, wie du die Bastarde getötet hast“, wispert sie.
Warum weint sie dabei?
„Kleines…“, stöhnt er gepresst, denn sie reibt ihren Unterleib an seinem Ständer. „Lisa…!“
„Ja! Sag meinen Namen. Und sag mir deinen, damit ich ihn schreien kann, wenn ich komme…“

Das ist verrückt. Ohne jeden Zweifel.
Aber sie kann nicht anders. Er… braucht es. Und sie… will es.

Ruckartig richtet er sich auf. Aber Lisa hält sich fest. Schließt ihn in die Arme und presst ihre Brust an seine.
Seine Kiefer mahlen. Eine Ader an seiner Schläfe pocht.
Er kämpft. Für sie. Um sie zu schützen.
‚Ja!‘, denkt sie. ‚Kämpf weiter. Kämpf, bis du nicht mehr kannst. Und dann fick mich…‘

„Wir können nicht…!“, grunzt er.
„Du kannst. Ich fühle es sehr deutlich“, haucht sie lockend.
„Du… Ich…“, stammelt er.
Hilflos drückt er sie gegen die Wand und versucht, ihre Arme an seinem Nacken zu lösen.
Lisa schlingt dafür die Beine um seine Hüften.
Ihr Stöhnen ist ungeplant, aber was soll sie tun? Er fühlt sich einfach so gut an.

„Wir sollten nicht… Du hast doch erst…“
„Ich wollte noch nie einen Mann so sehr wie dich“, sagt sie. Es sprudelt einfach heraus. „Ich hasse, was du darstellst. Und ich liebe, was du bist…“
„Du kannst nicht…“, knurrt er fast schon wütend.
„Ich kann…“

Mit den freien Händen greift sie nach unten und öffnet seine Hose.
Sex war immer ein netter Zeitvertreib und eine Drohung zugleich. Aber niemals exakt im gleichen Moment. Niemals so wie jetzt.
Er ist pure Gewalt. Er ist so groß, dass es wehtun wird. Und es wird wunderbar sein.

„Fühlst du“, fragt sie, „wie sehr ich dich will…?“
Seine Eichel liegt frei und steht vor ihrer Muschi.
Es ist feucht dort. Sie weiß es.
Er vibriert vor Anspannung. Seine Muskeln sind zum Zerreißen gespannt. All seine Kraft auf die Beherrschung konzentriert.

Er starrt sie an.
Seine Augen verraten, wie sehr er sie will. Mehr als alles andere.
Aber er wird es nicht tun. Wegen ihr wird er nicht aufgeben.
Etwas passiert. Aber nicht bei ihm. Bei ihr. In ihr!
So ist es noch nie gewesen.
Er berührt doch nicht einmal ihren Kitzler…

„Gott!“, presst sie hervor. „Ich komme! Deinen Namen!“
„Was?!“
„Deinennamen!“
„Erik?“

Alles dreht sich…
Um Erik…

Instinktiv zieht sie mit ihren Beinen an ihm, während ihr schwindelig von einem Gefühl wird, wie sie es sonst kaum selbst hervorrufen kann.
Sie zieht, aber er bleibt standhaft. Rührt sich keinen Millimeter.
Im Gegensatz zu Lisa…

„OhmeinGottErik!“, schreit sie.
Fuck!“, stöhnt er zur gleichen Zeit.

Es ist, als würde eine kleine Faust in ihren Körper eindringen.
Der Schmerz ist so intensiv, dass er nicht mehr wehtut.
Er tut… guuut!

„Sag-mir…“, japst sie, „du-mich-liebst!“
„Fuck!“, stöhnt er wieder.

Immer weiter und weiter sprengt er sie auf. Das Gefühl rast durch ihren ganzen Körper.
Sie bekommt keine Luft…

„Nie-mals-ver-lass-sen…“, winselt sie hilflos.
„Lisa!“

‚Ja!‘, denkt sie, während sie vor Glück aufschreit. ‚Ja! Er tut es!‘
Erik verliert den Kampf mit seiner Selbstbeherrschung und seine Hüfte bewegt sich.
Die Intensität ist unerträglich. Aber Lisa will mehr.
Niemals in ihrem Leben hat sie sich so lebendig gefühlt, wie in diesem Moment.

Der Mann vor ihr mit den Hakenkreuz-Tätowierungen ist ihr personifizierter Teufel. Und trotzdem rettet er ihre Seele.
Die Jahre des ewigen Katz-und-Maus-Spiels mit all den anderen Jugendlichen der Gegend sind vorbei. Lisa hat einen Mann gefunden. Und an seiner Seite wird sie niemand anderen mehr mit ihrem Körper bezahlen müssen. Nur noch ihn, bei dem die Rechnung sie fast umbringt.
Ihr unterentwickeltes Schmerzempfinden hat endlich einen würdigen Gegner gefunden. Und ihr abgestumpfter Verstand ist endlich hellwach.
Sie fühlt!

Sie weiß nicht, wie tief er in ihr steckt. Aber sie fühlt, wie er kommt.
Er schreit es heraus, aber sie fühlt es auch.
Dann stößt er einmal zu und ihr gehen fast die Lichter aus.
Ihre Körper pressen sich aufeinander und er ist in ihr. Ganz und gar in ihr.
Er hat einen Punkt passiert, den niemals zuvor ein Mann erreicht hat. Aber ihm gelingt es und er verströmt sich dort, wo er die Saat für neues Leben pflanzen könnte.

Seit Jahren fürchtet sie das Leben.
Nun - noch nicht sofort, aber bald - fürchtet sie zum ersten Mal den Tod.

*****

Eines der Ergebnisse meiner Phase, in der ich einige ‚Gegensätze ziehen sich an‘ Ansätze angefangen habe. Zecke/Ausländerin/Pazifistin liebt Skin/Hooligan - das war die vage Ausgangslage und bei diesem Ding hier kam die - für mich doch eher neue - 3te Person Präsenz als Perspektive dazu.
Ich würde es nicht fertig nennen, aber als ich es gestern mal wieder zur Hand nahm, fand ich es auch nicht unfertig. Mir kam es so vor, als würde die Perspektive mit dem Thema harmonieren und ich wollte mal sehen, wie andere das empfinden. Betrachtet es als Kurzgeschichte. Ob ich es weiterschreibe, werde ich sehen, aber so kann man es mit offenem Ende ja durchaus stehen lassen.
Interessieren würde mich, was für Gefühle es weckt und ob es eben wirkt.

Dienstag, 8. Januar 2013

Replay

Replay
Die Geschichte einer schicksalhaften Nacht


*****

Eine Kurzgeschichte, die ein gewisses Maß an Gewalt beinhaltet.
So be warned yee who enter here...


*****



Das Haus war dunkel, als er es betrat. Nirgendwo brannte Licht, aber er brauchte auch keines, um sich zu orientieren. Immerhin war es sein eigenes Haus. Seit vielen Jahren schon.
Ohne Probleme schaffte er es, die Treppe ins Obergeschoß zu erreichen. Dort oben musste sie sein. Vermutlich im Schlafzimmer. Oder im Bad.
Wartete sie auf ihn?

Sie wusste, dass er irgendwann kommen würde. Aber sie kannte den Zeitpunkt nicht.
Argwöhnte sie etwas? Hatte er am Telefon zu viel gesagt? Hatte er sich verraten?
‚Vermutlich nicht‘, beruhigte er sich.
Und selbst wenn… Ihr Auto stand in der Einfahrt. Sie war hier. Nur darauf kam es an.

Kurz erinnerte er sich an das Bild von ihrem Gesicht. Über und über mit Sperma beschmiert. Lachend in die Kamera blinzelnd.
„Mein Mann darf mir nie ins Gesicht spritzen“, säuselte sie.

Es war nur die letzte einer ganzen Reihe solcher Aussagen gewesen, die sie immer mal wieder von sich gegeben hatte.
Das Video war lang. Viel Raum für solche Neckereien, selbst wenn sie die meiste Zeit damit beschäftigt war, Schwänze zu blasen oder vor Freude zu jodeln, weil sie einen davon im Arsch und den anderen in der Fotze hatte.
Zeit genug, den Mann zu verhöhnen, dem sie die Treue geschworen hatte. Zeit genug, es auf der Betriebsfeier mit all seinen Kollegen zu treiben.

Natürlich hatte ihm dieses Video nie in die Hände fallen sollen. Aber wie der Zufall nun einmal so spielte, war es doch geschehen. Und er hatte es sich angesehen. Wieder und wieder.
Er hatte getobt. Hatte seine Beherrschung verloren.
Vier Jahre Anti-Aggressions-Therapie für die Katz. Aber die hatte er ja auch ihr zuliebe auf sich genommen. Für die Frau, die er über alles liebte und die ihn zum Dank mit allen Männern betrog, die er kannte.

Sie wolle harten, dreckigen Sex, hatte sie verkündet. Nicht die blumige Weichei-Nummer, die er ihr zu bieten hatte.
Nun… Er war fest entschlossen, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Er würde ihr zeigen, was er für ein Mann gewesen war, bevor er sich ihr zuliebe… besonnen hatte und sein altes Leben hinter sich ließ.
Sie würde ihren harten Sex bekommen. Und dann würde er sie auf die Straße setzen.

Langsam und leise ging er die Treppe hinauf und orientierte sich am Lichtschimmer, der unter der Schlafzimmertür zu sehen war.
Das eheliche Schlafgemach war zwar nicht der perfekte Ort, um ihr zu zeigen, wen sie eigentlich geheiratet hatte. Aber es würde ausreichen müssen.

Bedächtig ging er auf die Tür zu und öffnete sie.
Sie saß an der Frisierkommode und kämmte sich die Haare. Nur ihren seidenen Bademantel hatte sie an. Und der stand so weit offen, dass er im Spiegel ihren Traumkörper sehen konnte.
Schnell blickte er zu Boden. Aus Gewohnheit zunächst, denn sie mochte es ja nicht, von ihm begafft zu werden. Doch dann auch um seine frisch hochkochende Wut zu verbergen.

„Huch“, entschlüpfte es ihr und er sah sie zusammenzucken. „Du bist schon da, Schatz?“
Statt einer Antwort schaltete er das Licht aus. Er wollte ihr Gesicht nicht sehen. Wollte sich weiterhin nur an ihren Anblick aus dem Video erinnern. Seine Wut nähren.
Der Mond lieferte genug Beleuchtung für das, was er im Sinn hatte.
„Schatz?“, fraget sie irritiert.

Was auch immer sie noch hatte sagen wollen wurde zu einem Röcheln, als er mit zwei schnellen Schritten bei ihr war und sie am Hals packte. Sie hatte sich gerade weit genug gedreht, dass er perfekt zugreifen konnte. Und er nutzte die Gelegenheit.
Wütend zog er sie hoch und scherte sich nicht um ihr Strampeln und ihre rudernden Arme.
Noch leistete sie keine echte Gegenwehr. Noch verstand sie nicht. Aber das würde sie bald.

„Rate mal, was ich heute für ein interessantes Video gesehen habe“, grollte er. „Ein Tipp: Es war von der letzten Betriebsfeier.“
Sie erstarrte für einen Moment. Dann fing sie an sich zu wehren.

„Ja genau“, schnauzte er wütend. „Das Video!“
Verzweifelt versuchte sie, sich aus seinem Griff zu lösen. Es brachte sie ganz schön aus dem Konzept, dass er sie plötzlich losließ.
So sehr, dass sie gar keine Chance hatte, seinem Rückhandschlag auszuweichen.

Sie drehte sich einmal um ihre eigene Achse, während sie in den Raum zurück stolperte. Ein lauter Aufschrei, dann ein Wimmern und sie griff sich ins Gesicht.
Ganz kurz stockte er. Ging er zu weit?
„Das wirst du bereuen“, zischte sie eisig.
Antwort genug.

Einen Moment lang schien sie bereit, sich wirklich zur Wehr zu setzen. Mit aller Kraft.
Sie richtete sich auf und nahm eine lauernde Haltung ein. Sprungbereit. Nicht auf Flucht bedacht.
Ihm war das nur recht.

Als er auf sie zu ging, versuchte sie ihn zu kratzen. Ihre Finger zu Klauen gekrümmt schlug sie nach ihm.
Er wischte die Hand beiseite und versetze ihr eine Ohrfeige, die sie zu Boden schickte. Er mochte nicht mehr in Topform sein, aber körperlich war er ihr dennoch haushoch überlegen.
„Schatz…“, winselte sie von unten herauf flehend.
Wie selbstverständlich verlegte sie sich auf Manipulation, wenn ihre Drohgebärden einmal nicht funktionierten. Aber nicht heute.

„Ich habe mir fleißig Notizen gemacht“, knurrte er. „Habe mir all die Dinge gemerkt, die dein Mann dir nicht geben kann. Und ich bestehe darauf, dass du mir die Chance gibst, den Gegenbeweis anzutreten.“
„Ich weiß nicht was…“, setzte sie an.
„Willst du es wirklich damit versuchen?“, unterbrach er barsch. „Die Ahnungslose spielen?“
„Können wir nicht darüber…?“
„Reden?“, fuhr er wieder dazwischen. „Reden?“
Sie nickte und kämpfte sich auf die Beine.

Er wartete ab, bis sie stand. Sie schien ein klein wenig unsicher auf den Beinen.
Eine sich drohend hebende Rechte ließ sie den Kopf einziehen. Den Rückhandschlag mit der Linken von unten sah sie gar nicht kommen.
„Bleib da unten, wo du hingehörst, du Stück Dreck“, warnte er. „Du magst es doch, zu Männern aufzusehen. Hast du selbst gesagt.“

Zitternd kauerte sie vor ihm und sah ihn an. Zuviel von ihrem wunderschönen Gesicht war im Mondschein zu erkennen. Er fühlte einen Funken Mitleid und stockte kurz.
„Du hast es nicht besser verdient“, zischte sie wie auf Kommando.
Sofort kochte seine Wut wieder weißglühend.
„Das stimmt wahrscheinlich“, gestand er ein.
Und noch während er es sagte, öffnete er seinen Gürtel.

„Du kannst nicht…“, japste sie schockiert. „Du willst doch nicht etwa…?“
„Ich kann. Und ich werde“, bestätigte er. „Wenn die ganze Firma kann und hat, dann werde ich mich jetzt einfach einreihen. Und ich verspreche dir, dass ich kein Loch unbenutzt lasse.“
Ein Schauer ging durch ihren Körper. Fast als… gefiele ihr die Vorstellung. Was noch nicht einmal verwunderlich sein mochte, wenn er bedachte, was er so alles über seine ach so anständige Ehefrau erfahren hatte.
„Nur über meine Leiche“, fauchte sie allerdings.
„Auch das lässt sich einrichten…“

Als ihr bewusst wurde, wie ernst es ihm war, wollte sie schließlich ihr Heil doch lieber in der Flucht suchen.
Sie wartete, bis er die Hose um die Knöchel hatte. Dann sprang sie auf und wollte um ihn herum laufen. Aber er war schneller. Sie unterschätzte ihn offenbar noch immer.
Er packte nicht einfach nur ihrem Oberarm und riss sie zurück. Er nutzte auch den Schwung, um sie gegen die Wand zu werfen.
Stöhnend glitt sie daran hinab und schien für einen Moment benommen. Zeit genug, die Hose loszuwerden und zu ihr zu treten.

Geschickt packte er ihre Handgelenke, bevor sie richtig realisierte, was er vorhatte. Und schon zog er sie daran in eine aufrechte Sitzposition und nahm ihr praktisch jeden Bewegungsspielraum.
Mit einer Hand konnte er ihre Handgelenke leicht gegen die Wand drücken und sie so festhalten. Die andere war daher frei.
Fest, aber nicht brutal griff er in ihr Haar und zog ihren Kopf so weit nach hinten, dass er ihr in die Augen sehen konnte. Neben Hass loderte dort auch noch etwas anderes.

„Wenn du versuchst, mich zu beißen oder etwas anderes zu tun, um mich außer Gefecht zu setzen, werde ich dir jeden Knochen in deinen Händen einzeln brechen“, erklärte er ihr leise. „Und das war dann nur der Anfang.“
Sie starrte zu ihm hinauf und Tränen liefen ihr aus den Augen. Er sah fort.
Statt zuzulassen, dass erneut Mitleid aufkeimte, drängte er seinen Körper gegen ihren und drückte ihr seinen Schwanz ins Gesicht.
Sie drehte den Kopf zur Seite.

„Blas ihn“, forderte er.
„Blas dich selbst“, murmelte sie.
Er nahm den Körper nur weit genug zurück, um ihr eine weitere Ohrfeige zu verpassen. Nicht so wuchtig, wie die anderen zuvor, aber auch ganz und gar nicht sanft.
„Machs Maul auf und lutsch meinen Schwanz, du dreckige Fotze!“, schnauzte er dann.
Sie zuckte, als liefe ein Stromstoß durch ihren Körper. Und trotz ihrer unveränderten Abwehrhaltung sah er, wie ihre Brustwarzen härter wurden.
Drecksschlampe…

Da sie noch immer nicht reagierte, packte er ihren Kiefer und zwang sie, den Mund zu öffnen. Und dann schob er seinen Schwanz zwischen ihre Lippen.
Er war bereits halb steif. Offenbar war sie nicht die Einzige, die von der Situation trotz allem nicht unberührt blieb.

Hart drängte er sein Becken vor, bis sie seinen Prügel tief im Rachen hatte. Und seine Hoffnung auf ein Würgen erfüllte sich.
Hektisch versuchte sie, ihm irgendwie zu entkommen. Und er ließ ihr auch immer wieder ein wenig Raum zum Atmen. Aber mehr nicht.
Wenn seine Frau es hart haben und benutzt werden wollte, dann gehörte das schließlich dazu, nicht wahr?!

„Gib dir mehr Mühe“, grunzte er abfällig und zitierte sie dann: „Den mickrigen Schwanz von deinem Alten wirst du ja wohl ganz schlucken können.“
Röchelnd schien sie etwas wimmern zu wollen, aber aus ihrem Mund kam nur Speichel, der ihr in einem Rinnsal auf den Oberkörper lief.
Ohne viel auf ihre Kommunikationsversuche zu achten, presste er ihr seinen mittlerweile steifen Schwanz immer wieder in den Rachen, bis er spürte, wie er einen Widerstand überwand.

Natürlich ging er nicht völlig rücksichtslos vor. Als therapierter Choleriker hatte er noch immer eine gewisse Kontrolle über seine Wut. Und er wollte außerdem, dass sie vom Rest auch noch etwas mitbekam.
Und was er darüber hinaus wollte war, einmal ihre entfesselte Leidenschaft zu erleben. So wie in dem Video. Auch wenn das selbst in seinem Kopf ziemlich unwahrscheinlich klang.

„Na? Macht dich das geil? Mir gefällts jedenfalls.“
Was nicht einmal gelogen war.
Obwohl er sich bereitwillig von sexuellen Ausschweifungen verabschiedet hatte, als sie das forderte, hatte er eine Art perverser Freude daran, wie ihr immer mehr Spucke auf die Brust lief. Er beugte sich sogar hinab und spuckte ihr mitten ins Gesicht, um seine ganz persönliche Note hinzuzufügen.
Und seine Frau? Die erzitterte und rutschte tatsächlich gelegentlich ein wenig mit dem Hintern hin und her.

„Das macht dich geil“, entschied er. „Weil du eine billige Drecksschlampe bist, die drauf steht, wenn man sie anspuckt.“
Die Pause in seinen Hüftbewegungen nutzte sie, um ihre Lippen ein wenig um seinen Schwanz zu schließen und daran zu saugen. Was man durchaus als Antwort verstehen konnte, auch wenn sie vermutlich nur versuchte, das böse Spiel mitzuspielen und unbeschadet zu überstehen.

Nein.
So ging das nicht.
Er wollte Gewissheit darüber, ob sie wirklich spitz war. Er wollte ohne jeden Zweifel wissen, dass sie ein billiges Drecksstück war.

Schnell zog er sich zurück und packte wieder ihren Hals. Ohne ihre Mithilfe schob er sie an der Wand nach oben, bis sie nur noch auf den Zehenspitzen stand und röchelnd versuchte Luft zu bekommen.
Ein prüfender Griff an ihre glatt rasierte Fotze bestätigte ihm, was er vermutete. Sie war mehr als nur ein wenig feucht.

„Du lässt dich wirklich von jedem bespringen…“
Zur Antwort spuckte sie ihm ins Gesicht, obwohl sie langsam panisch wurde vor Luftmangel.
Und er erwiderte das, indem er sie losließ und ihr in ihrer Fallbewegung eine neue Ohrfeige verpasste, die sie zur Seite schleuderte.
Mit aufgeplatzter Lippe blickte sie vom Boden aus zu ihm hinauf, leckte das Blut ab und sagte: „Du bringst es ja nicht.“

Den Satz, den er daraufhin auf sie zumachte, quittierte sie mit einem ängstlichen Schrei. Sie zog den Kopf ein und rollte sich zusammen. Aber er wollte sie gar nicht schlagen.
Am Oberarm zog er sie grob in Richtung Bett und schubste sie halb darauf. Und noch bevor sie sich richtig orientieren konnte, war er bereits über ihr und drehte sie auf den Bauch.
Sie fing an sich zu wehren, als sie schließlich sein Ziel erkannte. Aber wieder behielt er die Oberhand und drückte ihren Kopf mit der Hand im Nacken hart in die weiche Matratze.

„Nicht!“, winselte sie, als er ihr kräftig auf den Arsch spuckte und die Flüssigkeit in ihre Arschritze schmierte. „Bitte nicht!“
„Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du so zufrieden in die Kamera geschrien hast, wie geil du einen harten Arschfick findest.“
„Ich flehe dich an…“; versuchte sie es noch einmal.
Er ignorierte es und setze seine gut von ihrem Speichel geschmierte Eichel an.

Sie schrie, als er eindrang. Laut und durchdringend.
Er überwand den Widerstand ihres Schließmuskels mit Gewalt und nicht mit Technik. Es tat ihr hoffentlich höllisch weh.
Aber sie schaffte es dennoch, gleichzeitig einen Treffer zu landen und seine Erregung noch mehr anzukurbeln, als sie gleich im Anschluss stöhnte:
„Gott! Du machst mich so geil!“

Es war nicht richtig. Und gleichzeitig war es das doch.
Was gerade passierte hätte - in etwas weniger brutaler Form - sein Liebesleben in den Ehejahren sein sollen. Nicht nur ihres und das aller Männer aus ihrer beider Bekanntenkreis.
Es war irritierend. Er wollte sie weinend und ehrlich um ihr Leben fürchtend am Boden und gleichzeitig wollte er genau diese Worte hören. Wollte hören, dass er - und kein anderer - es ihr gut besorgte.

Verwirrt und ein wenig hilflos fiel er auf seine Wut zurück und bestrafte sie mit harten Schlägen auf den Hintern, während er immer wieder weit ausholend seinen Schwanz in ihren Arsch rammte.
Und sie quittierte das mit Schreien, die gleichermaßen voller Schmerz und Leid und voller Lust und Begierde waren. Und mit dazu passenden Worten.
„Nein! Bitte! Du tust mir weh! Härter! Schlag zu! Bestraf mich! Lass mich gehen! Hör auf! Hör bitte auf! Hör bitte nie mehr auf!“

Nach einer Weile hielt er lange genug inne, um sie umzudrehen. Er wollte die Lust und den Schmerz in ihrem Gesicht sehen. Und sie nutzte die Gelegenheit, sich mit den Beinen an ihn zu klammern.
Wie von allein flutschte er wieder in ihren gut geweiteten Arsch. Sie versuchte gar nicht erst, ihn irgendwo anders hinzulenken. Und sie tat auch nichts, als er sich vorbeugte und wieder ihre Handgelenke packte.
Tränen liefen ihr übers Gesicht, aber ihre Augen glänzten. Wie im Fieberwahn. Oder bei einer Irrsinnigen.

Sie schrie vor Schmerz, als er mit der freien Hand brutal ihre perfekte Brust packte und quetschte. Und trotzdem presste sie sich ihm entgegen.
Nichts hatte ihm keinen Hinweis darauf geliefert, das die Frau…
Nein. Seine Frau. Das seine Frau sich für Schmerzen begeistern konnte. Aber sie tat es.
Und er… genoss es. Er war verantwortlich für die Ekstase in dem zerbrechlichen Körper unter ihm. Es lag in seiner Hand.

Als er ihre Arme losließ und ihren Hals packte, verdrehte sie die Augen.
All seine Wut lag in dem harten Griff, der ihr keine Luft zum Atmen ließ. Und all sein Hass lag in den Stößen, mit denen er ihren Arsch fickte.
Und dann war da plötzlich noch dieses neue Gefühl, als sie sich ihm trotz seiner Kraft entgegenwarf und ihr ganzer Körper verkrampfte. Als sie ohne Vorwarnung ihre Arme hochriss, um sich dann doch nur an seine Handgelenke zu klammern. Ohne auch nur zu versuchen, seinen Griff zu brechen.
Als sie schreiend zum Orgasmus kam und die Kontraktionen ihrer Muskeln ihn mitrissen. Als er sich in ihrem Arsch ergoss und sie gemeinsam explodierten. Als sie das Bewusstsein verlor und aufhörte zu atmen.

Es war das Gefühl, das er seit Jahren nicht gespürt hatte.
Es war… Liebe.


Nachhall

Zu Tode erschöpft lag er da und hielt den Körper im Arm, dem er so viel Gewalt angetan hatte.
Es war alles anders geplant gewesen. Und nun war nichts wie zuvor.
Mehr als alles andere wünschte er sich, er könne es wieder gut machen. Es irgendwie ungeschehen machen.
Aber das war nicht möglich.

Der Körper in seinen Armen gehörte nicht seiner Frau. Die war seit vielen Jahren tot. Durch seine Schuld. Und nun hatte er noch einen Menschen auf dem Gewissen.
Natürlich hätte er es kommen sehen können. Es war keine sonderlich intelligente Idee, sich professionelle Prostituierte für eine Neu-Inszenierung der schicksalhaften Nacht zu buchen, in der sein Leben endete. Aber der Versuch, den Ereignissen von damals eine andere Wendung zu geben, brachte seine Schuldgefühle zum Verstummen. Und er konnte danach wenigstens eine einzige Nacht ohne die Träume verbringen.
Bis heute.

Bald würde die junge Frau aufwachen. Oder das Bewusstsein wiedererlangen, wenn man es richtig betrachtete. Und dann würde sie so schnell wie möglich das Weite suchen.
Er würde versuchen, sie mit Geld zu entschädigen. Es war das Mindeste, was er tun konnte. Aber was er ihr angetan hatte, war damit nicht ungeschehen zu machen.

Die Vereinbarung, die er mit den Frauen traf, beinhaltete einige Grenzen. Und die hatte er heute überschritten. Bei Weitem.
Sicherlich waren Frauen wie sie spezialisiert auf sehr abgründige Praktiken. Sie hatten gewisse Neigungen, die ihnen ihre Arbeit erleichterten. Painsluts nannten sie sich ziemlich verächtlich selbst.
Aber heute hatte er jede Grenze weit hinter sich gelassen. Und damit endete auch dieses Ritual, mit dem er erfolglos versuchte, den Tod seiner Frau zu bewältigen.

Ein tiefes Einatmen bereitete ihn vor und er stählte sich für das, was kommen würde. Zitternd rollte sie sich erst ein wenig zusammen und schien sich kurz orientieren zu müssen. Und dann schluchzte sie sofort. Und auch ihm traten die Tränen in die Augen.
Vorsichtig hob sie den Kopf und sah zu ihm hinauf. Der Mond brachte die Nässe in ihrem Blick zum Glitzern.
Statt ihn anzuschreien oder aufzuspringen und nach ihren Sachen zu suchen, griff sie zaghaft zu seinem Gesicht und näherte sich im Zeitlupentempo mit ihrem Kopf.

Ihr Blick war wie der eines Rehs. Wachsam und auf der Suche nach Anzeichen für Gefahren.
Nein… Auf der Suche nach Ablehnung. Das wurde offensichtlich, als sie sich immer weiter näherte und sich daran machte, ihn sachte zu küssen.
Perplex ließ er es geschehen.

„Darf ich bei dir bleiben?“, flüsterte sie heiser.
„Warum?“, fragte er, noch bevor er realisierte, dass er bereits nickte.
„Weil ich mich bei dir sicher fühle“, antwortete sie, als würde das alles erklären.
Und irgendwie… tat es das auch…



Samstag, 30. Juni 2012

Blutrache - Teil 04

Blutrache
Eine Fantasy-Legende von Leidenschaft und Lust, Bestien und Blut.
© 2012-2014 Coyote/Kojote/Mike Stone

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Teil 01
Teil 02
Teil 03
Teil 04
Teil 05
Teil 06

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III.

Angestrengtes, kehliges Stöhnen und hartes, scharfes Klatschen in schnellem Wechsel erfüllte den weitläufigen Weinkeller der Ordensfestung. Immer wieder folgten die Laute aufeinander, bis das Dutzend vollständig war.
Nur ein Bereich des Gewölbes war mehr als spärlich mit Fackeln beleuchtet. Dort hatte man einige Regale beiseite geräumt, um Platz zu schaffen. Zwei große Kohlenbecken strahlten eine gewaltige Hitze aus und einige der darin ruhenden, metallenen Werkzeuge glühten bereits.
Ein heiliger Talisman des Selokur badete mit seinem grellweißen Licht alles in blendende Helligkeit. Vor allem den Frauenkörper, der im Zentrum des freien Bereiches mit dem Gesicht zu einem Stützpfeiler stand.

Shadiya musste auf den Zehenspitzen balancieren, denn ihre Hände lagen in eisernen Fesseln und waren hoch über ihren Kopf gezogen worden. Auf eine Fesselung ihrer Beine hatte man verzichtet. Und sie hatte auch nur einmal den Fehler begangen, sich zu drehen. Das Ergebnis war ihr eine Lehre gewesen.
Für eine kurze Weile hatte der kühle Stein vor ihr noch Linderung gebracht, als die Kohlen die Umgebung aufheizten und in einen Backofen verwandelten. Doch mittlerweile war der Stein beinahe körperwarm. Und außerdem hatte sie bereits andere Sorgen als die Hitze.
Zwölf Schläge mit der Peitsche hatte sie bereits erduldet, ohne ein einziges Mal zu schreien. Zwischen zusammengebissenen Zähnen hatte sie angestrengt keuchend die Luft ausgestoßen, wenn das Leder auf ihre Haut traf. Doch kein Schreien, Wimmern oder Klagen war ihr entschlüpft.

„Du erträgst erstaunlich viel Schmerz für ein Weib. Welche Verschwendung von Stärke an ein unwürdiges Wesen“, knurrte der Hexenjäger.
Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen, dass er den Arm sinken ließ. Schweiß floss in Strömen über sein faltiges Gesicht und verschwand in seinem graumelierten Bart.
Die Erleichterung darüber, dass er nicht mehr mit der Peitsche ausholte, wurde überschattet vom Brennen der Striemen, die ihren Rücken und ihre Seiten nun zierten. Die unerträgliche Hitze ließ auch ihr den Schweiß über den Körper laufen und die salzige Flüssigkeit brannte wie Feuer, wenn sie mit den Stellen in Berührung kam, wo ihre Haut unter der Gewalt des Leders gerissen war.

„Man kann nicht gerade dasselbe von diesem jungen Novizen sagen“, fuhr er fort.
Auch wenn sein angestrengtes Schnaufen seinen beiläufigen Ton Lügen strafte, verengte sich Shadiyas Kehle bei der Erwähnung von Geron und dem Hinweis darauf, dass er bereits gefoltert worden war.
Es erleichterte sie nur, dass der Priester nicht viel Zeit dafür gehabt haben konnte. Sonderlich lange hatte man sie nicht in dem Verschlag unter dem Hof eingesperrt gelassen.
„Ein Dutzend Hiebe mit der Peitsche und nur ein einziges Eisen waren nötig, bevor er sich mir anvertraute und seine Sünden bekannte.“
Noch immer verweigerte sie jede Reaktion, obwohl sie die Lippen zusammenpressen musste, als sie erfuhr, dass Geron gebrannt worden war.
„Als sein Widerstand erst einmal gebrochen war, wurde er sehr mitteilsam“, behauptete der Hexenjäger dann. „Es wirft ein völlig neues Licht auf die heutigen Ereignisse, dass du nicht einfach nur ein triebiges Weibsbild bist, sondern von einem dämonischen Waldgeist abstammst.“

Eine eisige Klaue legte sich um ihr Herz, als sie diese Worte vernahm. Von wem, wenn nicht von Geron, sollte der Priester um die Gerüchte über ihre Herkunft wissen. Das Gefühl von Verrat schaffte, was die Hiebe der Peitsche nicht vollbracht hatten: Es löste Shadiyas Schweigen.
„Lüge!“, schnappte sie. „Ich falle nicht auf deine Tricks herein.“
„Tricks? Tsk, tsk, tsk“, machte ihr Peiniger. „Du hältst mich für einen Lügner?“
„Und Schlimmeres…“, murmelte sie.
„Oder glaubst du den Worten deines Opfers nicht?“, fragte er unbeirrt. „Ist es also eine Lüge, dass ihr euch unter den Zweigen eines dieser heiligen Bäume der Gotteslästerer ewige Liebe gelobtet? Oder das ihr euch - Selokur bewahre - Kinder wünschtet?“
Atemlos und mit weit aufgerissenen Augen hörte sie die Worte mit an.
„Wolltet ihr nicht einen Jungen und ein Mädchen, um sie Rudor und Shyla nennen zu können? Nach seinem Vater und deiner dämonischen Mutter…“

„Lüge…“, wisperte sie erstickt, doch es war mehr ein Flehen.
Die Folter hatte sie bisher ohne eine Träne ertragen, doch nun spürte sie, wie ihre Augen sich füllten.
„Du führtest ihn nicht in all die widerwärtigen Geheimnisse gottloser Triebhaftigkeit ein? Lehrtest ihn nicht, seinen Mund zu deinem Vergnügen zu benutzen? Oder seine Männlichkeit tief in deinen verderbten Rachen zu schieben? Und in deinen schmutzigen Hintereingang?“
Ein Schluchzen brach aus ihrer Kehle hervor und die Tränen flossen nun ungehindert. Niemand hatte diese Geheimnisse von ihr erfahren und es war nicht sehr wahrscheinlich, dass Geron sie zuvor jemandem anvertraut hatte. Also hatte er ihre Liebe verraten…

„Und das ist noch nicht alles“, frohlockte der Folterknecht beim Anblick ihrer Tränen zufrieden. „Dank seiner Redseligkeit weiß ich von den gottlosen Ritualen zur Anrufung dämonischer Kräfte. Seine detailreichen Beschreibungen stellen dich als das bloß, was du bist: Eine Hexe und Dämonenbuhle!“
Wut kochte in ihr hoch. Der Mann, den sie liebte, hatte sie nicht nur verraten, sondern offenbar auch verkauft. Vermutlich um seine Haut zu retten.
„Wenn er dir Derartiges erzählt hat, dann gehört er wirklich hierher. Dann ist er in diesem Drecksloch unter euch feigen Schweinen bestens aufgehoben.“

„Schließ dein lästerliches Hurenmaul oder ich stopfe es dir“, schnappte der Hexenjäger aufgebracht.
„Sicher nicht mit deinem schrumpeligen Schwanz“, knurrte sie.
Gewiss war es nicht klug, ihn derartig zu reizen, doch welche Bedeutung hatte ihr Leben noch, nachdem ihre Liebe sich in Rauch aufgelöst hatte?
„Bekenne!“, keifte der Priester nun wütend. „Bekenne deine Machenschaften und Pakte mit den Niederhöllen, oder deine Qualen werden endlos sein! Bekenne und ich werde Gnade walten lassen!“
„Schieb dir deine Gnade in den Arsch“, gab sie eisig zurück, obwohl sie vor unterdrückter Wut zitterte. „Tu dein Schlimmstes, schwanzloser Bastard. Ich bekenne keine Lügen. Und ich werde nicht um Gnade bitten.
Niemals!“

Mit hochrotem Kopf griff das Schwein wieder nach der Peitsche und zog außerdem eines seiner Brandeisen aus dem Feuer, deren Griffe in dicke Tücher gewickelt waren, um seine Hände vor der Hitze zu schützen.
„Der Zorn Selokurs…“, setze er mit schriller Stimme an.
„Ich lache über deinen mickrigen Gott. Shehera ist bei mir!“
„Dafür wirst du brennen!“

Bevor sie antworten konnte, traf sie die Peitsche an der Seite. Wie eine Schlange wand sich das Leder um ihren Körper und die Spitze des Folterwerkzeugs traf ihre Brust. Sie spürte, wie ihre Haut aufriss und Blut aus der Wunde sickerte.
Der Schmerz war atemberaubend und traf sie unvorbereitet, doch sie erstickte den überraschten Aufschrei in ihrer Kehle. ‚Schmerz ist Lust‘, rief sie sich die Worte ihrer Mutter ins Gedächtnis, die tatsächlich so viel mehr war, als ‚nur‘ der Geist eines Baumes. ‚Du musst es nur so wollen.‘
Der zweite Schlag war ebenso hart, wie der erste. Aber diesmal traf die Spitze beinahe ihren Schoß. Mit aller Kraft konzentrierte sich Shadiya auf die Worte ihrer Mutter und kein Laut entkam ihrer Kehle. Nur das Zischen ihres entweichenden Atems beantwortete das Klatschen der Peitsche.

Beim dritten Schlag fühlte sie es schließlich. Sie spürte, wie das Messer des Schmerzes sich veränderte. Es war noch immer eine Klinge, aber ihr Schnitt löste zugleich ein Kribbeln in ihrem Inneren aus, anstatt ihr das Gefühl zu geben, in zwei Hälften geteilt zu werden.
Den vierten Schlag beantwortete sie mit einem Keuchen. Einem lustvollen Keuchen.
„Ist das alles, was deine dürren Ärmchen hergeben?“, stieß sie hervor. „Wenn du aufhörst, wie ein kleines Mädchen zuzuschlagen, habe ich vielleicht doch noch…“
Schweig!“, kreischte der Hexenjäger und machte einen Schritt auf sie zu. Bevor sie sich stählen konnte, traf sie das Brandeisen auf dem Schulterblatt.
Schmerz! Lust! Alles war eins…
„Aaahh!“, stöhnte Shadiya.

Ihr Körper wurde gegen die Säule geworfen und drehte sich. Das unerträgliche Brennen wandelte sich ebenso, wie es der schneidende Schmerz der Hiebe getan hatte. Aber die Macht der Empfindungen raubte ihr dennoch für einen Moment alle Kraft. Sie sackte nach unten, bis allein die Fesseln sie noch aufrecht hielten.
Es dauerte einen Augenblick, bis ihr Blick sich wieder klärte und ihr bewusst wurde, dass sie gerade einen Höhepunkt erlebt hatte. Nicht wie jene, die sie mit Ge… mit Männern geteilt hatte. Ganz und gar anders. Aber nichtsdestotrotz real.

„Nun lernst du Demut“, geiferte der Folterknecht und freute sich, denn er hielt ihre Reaktion offenbar für schmerzvolles Delirium.
„Demut?“, schnaubte sie. „Glaubst du, ich hätte mich eingenässt? Was mir die Schenkel hinab läuft, ist meine Geilheit!“
Ungläubig starrte der Priester sie an, während sie sich wieder auf die Zehenspitzen stellte. Trotzig reckte sie ihr Kinn vor, als sein Blick sich umwölkte. War er zuvor von einem sadistischen Funken erfüllt gewesen, so übernahm nun der Wahnsinn die Kontrolle.

„Hexe!“, keifte er und wich wieder zurück. „Dämonenhure! Buhle! Höllengezücht!“
Diese und zahllose andere Worte - begleitet von einem Speichelregen, als er seine Aussprache nicht mehr kontrollieren konnte - begleiteten die wilden Schläge der Peitsche, mit denen er ihre Vorderseite eindeckte.
Shadiya wusste, dass sie sterben würde, aber es würde ein ekstatischer Tod werden. Schmerz war Lust. Sie verstand es nun. Und jeder Schlag trieb daher nur noch ihre Erregung an und nichts weiter.
Aus ihrem Stöhnen wurden Schreie, aber es waren Schreie der Lust. Und ihr Peiniger wusste das.

Noch drei weitere Male traf sie neben der Peitsche auch das Brandeisen. Und jedes Mal sah sie Sterne, als eine verdrehte Lust ihren Körper durchzuckte und sie ausfließen ließ, als würde sie sich wirklich einnässen.
Aber das Einzige, was sie ihrem Gegenüber gewährte, waren die unkontrollierbaren Schreie ihrer Ekstase. Und ihr Lachen.
Als die unerträgliche Qual plötzlich abbrach, schüttelte sie fast unwillig den Kopf.
„Ich lebe noch, Bastard. Und meine Lust ist ungestillt…“

Erst als sich ihr Blick ein wenig klärte, erkannte sie, dass der Hexenjäger sie nicht mehr schlagen konnte. Und auch das brodelnde Zischen, dass ihre Ohren nicht hatten einordnen können, ergab nun plötzlich einen Sinn.
Der Priester lag mit dem Kopf in einer Kohlenpfanne und seine Haut verkohlte in Windeseile, während seine Augen verkochten und seine Robe in Flammen aufging. Für einen kurzen Moment wollte es ihr nicht gelingen, sich einen Reim darauf zu machen, wie sein Körper eine solche Haltung einnehmen konnte. Es lag daran, dass er auf Hüfthohe beinahe zweigeteilt worden war. Der Unterleib hatte sich gedreht und die Knie und Füße wiesen in die falsche Richtung.
Beinahe lachte sie auf, als sie dank der zerteilten Robe entdeckte, dass er tatsächlich einen lächerlich winzigen Schwanz gehabt hatte.

Eine Bewegung lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die andere Seite des freigeräumten Bereichs, wo ein grimmiger Krieger mit zwei blutigen Schwertern in den Händen stand und sie anstarrte.
Er hatte dunkle Haare, die zu langen, dünnen Zöpfen geflochten worden waren. Und außer einem blutgetränkten Beinkleid und Stiefeln trug er…
Nein. Es war keine Rüstung, die seinen Oberkörper bedeckte, sondern ein Muster aus Ornamenten, die scheinbar in die Haut geritzt oder gebrannt worden waren. Man hatte sie mit schwarzer Farbe nachgezeichnet, die trotz des vielen Blutes darauf nicht verwischte, als sei sie Teil seiner Haut.

Bis in sein Gesicht mit dem kurz gestutzten Bart erstreckten sich die seltsamen Symbole und verliehen ihm einen finsteren, bedrohlichen Ausdruck.
Der lauernde Blick in der fast silbrigen Bläue seiner Augen jagte einen Schauer über ihren geschundenen Körper. Er wirkte beinahe, wie bei einem Raubtier. Einem wütenden Tier im Blutrausch…
Unwillkürlich zuckte sie zurück, als er sich ein wenig Blut von den Lippen leckte und dabei Fangzähne entblößte, die einfach nicht zu einem Menschen gehören konnten.

„Kartaren!“, keuchte sie erschrocken, als sie es endlich schaffte, die Ornamente einzuordnen.
Die Geißel des Meeres der Stürme war über die Küste hereingebrochen. Und beinahe fühlte sie Mitleid für deren Opfer. Doch dann besann sie sich, wem dieser Angriff galt und fühlte eine grimmige Zufriedenheit.
Ungeahntes Leid brachten diese Barbaren aus dem Norden, erzählte man sich. Und auch wenn ihr bewusst war, dass sie damit vielleicht einige Unschuldige verdammte, wünschte sie sich, die Männer würden mehr als nur die Ordensfestung überfallen. Sollte Selokur seine Herde doch beschützen, wenn er konnte…
„Die Beute dem Sieger“, schnaubte sie. „Meine Kraft reicht nicht mehr aus, um noch einen Mann zu demütigen. Also gehöre ich dir. Aber falls du mich umbringen willst, bitte ich dich um einen schnellen Tod.“

„Hat er dir das angetan?“, knurrte der Mann misstrauisch und deutete mit einem seiner Schwerter auf den Hexenjäger. Fasziniert beobachtete sie, wie ein langer, zäher Blutfaden davon zu Boden tropfte.
„Er, sein Gott und der Mann, von dem ich glaubte, er würde mich lieben“, bestätigte sie. Voller Verachtung fügte sie noch hinzu: „Doch er ließ sich wohl lieber von seinen Brüdern in den Arsch ficken.“
„Sie tun ihren eigenen Frauen so etwas an und nennen uns Barbaren!?“, sagte er in den Raum hinein. Angewidert spuckte er auf den Leichnam.
„Deine Wunden scheinen schwer. Wenn es dein Wunsch ist, werde ich dir den Tod einer Kriegerin gewähren“, schlug er dann an sie gewandt vor.
„Ich wünschte, ich wäre nicht so dumm gewesen, einem Schwächling nachzulaufen“, gab sie zornig zurück, stemmte sich aber gleichzeitig hoch, bis sie wieder stand, und legte den Kopf zur Seite, um dem Barbaren ihren Hals für einen sauberen Schlag darzubieten.

„Vielleicht bist du auch weniger geschwächt…“, setze er verwundert an.
„Hinter dir!“, unterbrach sie ihn, als sie eine Bewegung im Schatten zwischen den Regalen sah.
Schneller als Shadiya es für menschenmöglich gehalten hätte, fuhr der Krieger herum, duckte sich und rammte sein Schwert in den Wanst eines Mönchs. Der Schlag mit der liebsten Waffe der Gottesbrüder - einer schweren Streitkeule - wischte über seinem Kopf ins Leere und wenige Augenblicke später hauchte der Mönch auf dem Boden röchelnd sein Leben aus.

Verwundert drehte der Kartare sich zu ihr um und blickte ihr in die Augen.
„Warum hast du mich gewarnt?“, wollte er wissen.
„Ihr mögt der Schrecken des Nordens genannt werden, aber niemand kann schlimmer sein, als diese Brut“, antwortete sie und musste dann seinem durchdringenden Blick ausweichen. Er ließ sie an einen weiteren Grund denken, den sie jedoch unmöglich aussprechen konnte.
Stattdessen hob sie wieder den Kopf und neigte den Hals.
„Bring es zu Ende… Falls du keine Lust hast, mich zuvor noch ein wenig zu vergewaltigen.“

Bei Shehera! Hatte sie das gerade wirklich gesagt?
Sein überraschtes Grunzen bestätigte ihre Befürchtung. Keinesfalls konnte sie sich nun seinem Blick stellen, obwohl sie ihn bohrend auf ihrem Gesicht spürte.
Dann stand er plötzlich unmittelbar vor ihr und sah auf sie hinab. Mit einer Hand ergriff er ihr Kinn und zwang sie so dazu, seinen Augen zu begegnen.
„Warum riecht es hier nur nach seiner Furcht und so überdeutlich nach deiner Lust?“, grollte er wie ein… Wolf und sein Gesicht näherte sich bis auf wenige Fingerbreit dem ihren.

„Meine Mutter lehrte mich… Schmerz ist Lust… Lust ist Schmerz… Alles ist eins…“
Sie hatte nichts zu gewinnen, wenn sie log. Und sie fühlte sich auch ganz und gar außerstande dazu, während der Blick der silbrig-blauen Augen sie in seinem Bann hielt.
Das Verstehen in seinem Blick war unerwartet. Wirklich erstaunlich jedoch war die Begierde, die sie verspürte. Ihrer Erschöpfung und ihren Wunden zum Trotz begehrte sie den Barbaren.
„Schände mich…“, hauchte sie so flehend, wie sie nie zuvor zu einem Mann gesprochen hatte, und konnte nicht glauben, worum sie den Krieger da bat.

„Das ist nicht die Art meines Volkes“, knurrte er.
Doch gleichzeitig fielen seine Schwerter klappernd aus der Hand, mit der er sie gehalten hatte und der Griff an ihrem Kiefer wurde hart. Tief gruben sich seine Fingernägel in ihre Haut, als seien sie in Wahrheit Krallen. Und der Schmerz war süß… so süß…
Animalische Lust füllte seinen Blick aus und sie wusste, dass er ein Spiegelbild davon in ihrem sehen musste. Ihr Mund öffnete sich wie von allein, noch bevor seine rauen Lippen ihre beinahe berührten.
Ihre Zunge wartete nicht auf die Berührung, sondern drängte sich seiner entgegen. Sie trafen einander auf halbem Weg und umspielten sich in einem wilden Ringkampf, der ihr beinahe das Bewusstsein raubte.

Shadiya wollte die Augen schließen, aber sein Starren ließ das nicht zu. Und so sah sie, wie er sich wieder von ihr entfernte, und beobachtete den Speichelfaden, der sie noch kurz miteinander verband, bevor er abriss und auf ihrem Kinn landete.
„Wo, bei der Göttin, hast du gelernt, so zu küssen, Nordmann?“, keuchte sie mit zitternder Stimme.
„Bei meiner Schwester“, erwiderte er, als sei es das Natürlichste auf der Welt.
Aus irgendeinem Grund setzte diese Eröffnung eine Erschütterung in ihrem Inneren frei, die sich in Wellen bis in ihren Schoß ausdehnte. Sie fühlte, wie sie regelrecht überquoll.

Sein Blick wanderte ihre Arme hinauf zu den Ketten, doch die waren verschlossen und Shadiya hatte nicht die Absicht, ihm gerade jetzt zu eröffnen, wo die Schlüssel lagen.
„Deine Gefangene…“, hauchte sie und zog sich nach oben, bis sie genug Halt hatte, um ihre Beine um seine Hüfte zu schlingen.
„Deine Verletzungen…“, versuchte er einen letzten Ausfall in Richtung Vernunft.
„Werden heilen“, beruhigte sie ihn. „Füg ihnen noch ein paar hinzu, damit ich mich deiner erinnern kann…“
Vielleicht waren die Kartaren weniger grausam als ihr Ruf, doch sie konnte ihm ansehen, wie ihre Worte seine Lust noch mehr entfachten. Und dabei spürte sie seine große Männlichkeit bereits sehr deutlich an ihrem Schoß. Nur getrennt von ihrem Eingang durch sein wollenes Beinkleid.

Verlangend beugte sie ihren Kopf wieder vor und versuchte, seine Lippen zu erreichen. Und er wehrte sich nicht länger. Diesmal presste er sich gegen sie und drang beinahe gewaltsam in ihren Mund ein. Es war ein berauschendes Gefühl, auf diese Weise in Besitz genommen zu werden.
Sie spürte, wie er schnell seinen Gürtel öffnete. Hart streifte die Oberseite seiner Hand dabei genau ihre Perle. Beinahe hätte sie sich verschluckt, als sie gleichzeitig atmen musste und nicht von seiner Zunge ablassen wollte. Kurz löste er sich von ihr und starrte sie fragend an.
„Nimm mich oder töte mich“, krächzte sie atemlos. „Aber tu es sofort!“

Er erfüllte ihren Wunsch einen Herzschlag später. Und zwar genau so, wie sie es sich vorstellte.
Frei vom Zwang seiner Beinlinge befand sich sein Schwert schon dort, wo es hingehörte. Deutlich drückte sich seine Eichel genau gegen ihre Pforte. Und dort gab es keine Hindernisse, sondern nur munter hervorquellende Nässe als Beweis ihrer Bereitschaft. Also glitt er ansatzlos in ihre Grotte.
Monatelang hatte sie dort kein Mannesfleisch mehr gespürt und zuvor war es der Verräter gewesen, der sich in keiner Weise mit dem Kartaren vergleichen konnte.
Sein Schaft erschien ihr riesig und er füllte sie völlig aus. Fest wie eine Hand schloss sich ihr Inneres darum und zog ihn weiter hinein.

Viel zu schnell trafen ihre Körper aufeinander. Und doch war es nicht schnell genug.
Der Barbar erreichte einen Punkt im tiefsten Inneren ihrer Grotte, der ihm das weitere Vordringen verwehren wollte. Und er presste sich fest dagegen, als er ganz in sie eingedrungen war. Es war pure Lust und dann kam ein Quäntchen Schmerz hinzu.
Das Gefühl ließ ihren Atem stocken und der Raum schien zu wanken, als sie fühlte, wie sie einen Höhepunkt erreicht, noch bevor er anfing, sich irgendwie zu bewegen.

„Oh Göttin“, stöhnte sie aus tiefster Kehle. „Ich hatte ja keine Ahnung…“
Wie zur Bestätigung grunzte er zufrieden.
„Fick mich, Barbar. Wie du eine Hure nimmst. Ohne zu denken…“
Der Kartare packte sie an der Hüfte und drückte ihren Rücken an den Pfeiler. Aber er schaffte es dabei außerdem, etwas Spitzes, Scharfes in jede ihrer Brüste zu bohren. Ganz knapp unterhalb der Spitzen in deren Höfen.. Und was immer es war, es drang in ihr Fleisch und trug zu dem anschwellenden Übermaß an Wollust bei.

Dann hatte sie keine Zeit mehr für irgendwelche Beobachtungen in dieser Region, denn er zog sich urplötzlich aus ihr zurück und stieß im nächsten Augenblick wieder zu.
Seine gesamte Länge verließ ihren Körper, bis seine pralle Eichel ihre Scham nach außen zu stülpen schien. Und dann rammte er sein gewaltiges Schwert wieder in ihre Tiefe, bis er sie völlig ausfüllte.
Shadiya konnte nicht verhindern, dass sie gellend aufschrie vor Freude.

Kein Mensch, dem sie bis dahin begegnet war, konnte es mit seiner Kraft aufnehmen. Oder mit seiner Ausdauer, was das anging.
Der Nordmann versenkte mit all seiner Kraft seinen Schwanz in ihre Grotte und beschleunigte Stoß um Stoß seinen Takt. Immer wieder prallte ihr Hintern vom Pfeiler in ihrem Rücken ab, wenn er vollständig in ihr anlangte. Auf diese Weise verdoppelte sich der Augenblick des Aufeinandertreffens mit all seinem Schmerz und seiner Lust noch einmal.
Worte der Ermutigung wurden zu unartikuliertem Stöhnen und Schreien, als er sie wirklich fickte. Wie ein Mann es mit einer Hure tun mochte. Nur dass sie dabei in den vollen Genuss aller Abstufungen der Ekstase kam.
Und es wollte kein Ende nehmen.

Nach einer himmlischen Unendlichkeit wurde sein Grunzen und Stöhnen einmal zu einem lauten Aufschrei und sie spürte, wie er sich in ihr verströmte. Doch es war nicht das Ende, sondern nur eine einzige Etappe auf ihrer Reise.
Shadiya erlebte eine Art dauerhaften Höhepunkt und irgendwann, als er sich das zweite Mal in sie ergossen hatte, erlebte sie einen Moment der Klarheit.
Zum einen würde sie diesmal wirklich sterben, wenn er nicht irgendwann ein Ende fand. Zum anderen war sie mehr als bereit, sich von ihm zu Tode stoßen zu lassen und zum dritten fing sie bereits an, zu halluzinieren, denn ihr war, als würde er noch größer und länger werden und als verwandelten sich seine Gesichtszüge in die eines Wolfes.

Als schließlich eine weitere Halluzination hinzukam, wusste sie, dass ihr Ende bevorstand.
Die Frau, die den Keller betrat und nach Art des Kartaren geschwärzte Narben auf ihrem nackten, blutbesudelten Oberkörper trug, musste eine Botin der Göttin sein. Oder vielleicht eine Dienerin einer Kartarengottheit.
Sie kam, um Shadiya zu holen und die war dankbar. Nicht dafür, dass die Ekstase endete, sondern dafür, dass sie bei all ihren Verfehlungen offenbar doch aufrecht genug geblieben war, um göttliche Aufmerksamkeit auf ihre Seele zu lenken.
Das war ein letzter, befriedigender Beweis für die Irrlehre der Selokur-Priester.
Mit diesem Gedanken ließ sie sich in die Schwärze gleiten und starb glücklich und zufrieden.



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Mittwoch, 25. April 2012

Soulmates - Teil 01

Soulmates
Eine Westside-Story - irgendwie...
© 2012-2015 Coyote/Kojote/Mike Stone


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Teil 01
Teil 02
Teil 03
Teil 04
Teil 05
Teil 06
Teil 07

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Soulmates spielt in einem Amerika in naher Zukunft. Es ist kein realitätsgetreues Abbild der tatsächlichen USA. Es gibt einige gesellschaftliche, technologische und sonstige Veränderungen.
Ich erwähne das, weil es vielleicht nicht offensichtlich ist und sonst der Eindruck entstehen könnte, die Handlung würde in unserer Gegenwart spielen. Was sie nicht tut! ;-)

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I. - Underdog

Kill me if you dare.
Hold my head up everywhere.
Keep myself right on this train.

Kasabian - Underdog (2009)

„Ewww… Nein! Wir setzen uns ganz bestimmt nicht in die Nähe von dem da!“
Stimme, Lautstärke und angeekelter Tonfall gehörten unzweideutig zu Jocasta. Ich musste mich nicht umsehen, um das auszumachen. Aber ich tat es trotzdem und schenkte ihr eines meiner widerlichsten Grinsen. Nur um ihr noch ein wenig mehr Futter für ihre Abneigung zu geben.
Sie war in Begleitung von zwei ihrer Mitläuferinnen und einer mir unbekannten Vierten. Vermutlich eine Neue an der Schule. Aber den Klamotten und der Haltung nach zu urteilen gehörte sie auch in Jocastas Welt der Reichen und Schönen. Also war es wahrscheinlich am besten, wenn sie auch gleich lernte, sich bloß nicht mit Abschaum wie mir abzugeben.

Die kleine Gruppe Vorzeige-Püppchen steuerte einen möglichst weit entfernt liegenden Bereich der Cafeteria an. Aber das neue Gesicht blickte noch einmal über die Schulter zurück.
Der Rundgang unter der Leitung der obersten Cheerleaderin hatte offenbar bislang noch nicht die schlimmsten Parias der Schule thematisiert. Die neue Barbie war noch nicht über mich im Bilde.
Deswegen machte ich mir die Mühe und checkte sie besonders offensichtlich von hinten ab. Hauptsache der erste Eindruck stimmte.

Zugegebenermaßen war sie nett anzusehen. Wie die meisten ihrer Sorte. Schlank, sportlich, beinahe zierlich und in ihrem speziellen Fall trotzdem auffällig gut gerundet an den richtigen Stellen. Für eine Modellkarriere wäre sie nicht nur zu klein, sondern auch zu weiblich gewesen. Aber Ihresgleichen brauchte so eine Karriere ja auch nicht. Sie konnte den ‚Paris-Hilton-Weg‘ gehen und wahrscheinlich kurz nach dem Schulabschluss einfach eine dämliche Modemarke oder ein Parfüm präsentieren, das sich wegen des Nachnamens ihrer Eltern irgendwie verkaufen würde.
Zumindest solange sie ab und zu für eine Schlagzeile gut war. Aber bei ihrem Outfit musste man sich darum keine Sorgen machen.
In der Gegend, aus der ich eigentlich kam, war diese Art von Kleidung Professionellen vorbehalten. Aber in ihrer Welt musste sie sicher nicht befürchten, dass ihr jemand anderer, als gesellschaftlich akzeptable Paarungspartner, zu nahe treten würden. Und die würden auf ganz andere Weise für ihre Dreistigkeit bezahlen und dabei wahrscheinlich noch nicht mal zum Schuss kommen.

Für mich waren alle diese Barbies komplett ‚off limits‘.
Mein Bewährungshelfer und die Schulleitung hatten eindeutig klargestellt, dass meine Resozialisierung auf so einer sauberen Schule an einem seidenen Faden hing. Ein Fehltritt und ich wäre dort, wo ich deren Meinung nach auch hingehörte: zurück im Bau.
Zu meinem Glück wussten meine geehrten Altersgenossen zumindest nichts von diesem Detail. Sonst hätten sie schon längst irgendeinen Coup gestartet, um mich loszuwerden. Ohne dieses Wissen konnten sie sich nur darüber ärgern, dass ihre saubere und ordentliche Welt mit meiner Art von Dreck konfrontiert wurde, und ihre Eltern das auch noch unterstützten.
Wohltätigkeit. Natürlich abgesichert durch meine Ortungs- und Alarmvorrichtung am Fußgelenk und die besonders instruierten Sicherheitskräfte des Campus.

Tatsächlich war mir das aber ganz recht so. Denn solange man mich in Ruhe ließ, konnte ich am Ende vielleicht tatsächlich einen Abschluss auf einer Schule mit einem guten Namen machen. Und wenn ich nicht auffiel und alles glattging, würde man mir eventuell sogar ein Studium ermöglichen.
Gut… Da das von guten Noten abhing, die ich unabhängig von meinen Leitungen hier nicht bekam, war das Träumerei, aber der Abschluss war machbar. Und es war auf jeden Fall besser als der Jugendknast.
Dort würde ich zwar überleben, aber ich wäre in der gleichen Sackgasse, wie fast jeder, mit dem ich aufgewachsen war. Autodiebstahl oder Mord war nicht die Frage. Nur das man einmal drin gewesen war.

Meinem unglaublich aufgeblasenen Ruf unter all diesen Kindern der Reichen zum Trotz war es allerdings wirklich nur Autodiebstahl. Die Gerüchte über Raub, Körperverletzung, Mord und nicht zu vergessen Vergewaltigung waren völliger Blödsinn. Wahrscheinlich waren sie an dem Tag entstanden, als mich der Gefangenentransporter zum ersten Mal in Gefängniskluft hier absetzte.
Aber es verschaffte mir Luft zum Atmen. Man redete nicht mit mir, sondern nur über mich. Selbst die härtesten Jungs der Schule, die sonst wirklich jeden herumschubsten, waren Welten davon entfernt, sich mit mir anzulegen. Sie wollten sich ‚nicht die Finger schmutzig machen‘.
Ja. Klar…
Aber es funktionierte. Und zwar schon zwei ganze Schuljahre lang.

Es war gar nicht so fürchterlich schwer, die Ohren auf Durchzug zu schalten.
Wenn man im Ghetto auf der Straße aufwächst, entwickelt man entweder ein dickes Fell oder einen extremen Hang zu Gewalt. In letzterem Fall wird man wahrscheinlich töten oder zumindest einige Leute echt schwer verletzen, bevor man volljährig ist. Wer bei sowas erwischt wurde, der hatte keine Chance auf eine Resozialisierung.
Aber ich war eigentlich eher geduldig, auch wenn ich zuschlagen konnte, wenn ich musste. Und welches bessere Subjekt kann man sich für ein experimentelles Projekt zur Resozialisierung aussuchen, als den Typen, der sowieso wegen guter Führung früher rauskommen würde?
Keine Verstrickung in Bandenaktivitäten, keine gewaltbezogenen Vorstrafen und ein überdurchschnittlicher IQ. Ein Autodiebstahl. Zumindest soweit sie wussten. Und außerdem war mein Vater ein hochdekorierter Veteran.
Hatte ihn nicht davon abgehalten, seinen Sohn und dessen Mutter zu verprügeln, bevor er sich aus dem Staub machte oder in einer Abflussrinne ersoff. Aber auf dem Papier war es nett anzusehen.
Sozialer Abstieg in der ersten Generation. Da bestand doch eine Chance auf Rettung, oder?

Vielleicht…
Zumindest für mich. Weil ich wirklich kein Interesse am schnellen Geld hatte. Ich wollte einfach nur durchkommen. Und meine Mom hatte mich gut erzogen. Trotz der Umstände und ihrer Armut.
Den Wagen hatte ich geklaut, weil der Besitzer mir meine Arbeit daran nicht bezahlen wollte. Aber da er die Kohle für einen Anwalt und eine vernünftige Adresse hatte, war ich der Angeschmierte.
Was nicht heißen sollte, dass ich nicht wirklich schon geklaut hatte. Meistens Ersatzteile und Zubehör. Aber trotzdem wurmt es einen, wenn man für etwas verladen wird, was man nicht getan hat.

Jetzt war das alles allerdings Vergangenheit. Alles in allem war mein Leben wirklich okay.
Nun… In Wahrheit war es beinahe unerträglich scheiße. Aber ich würde es aushalten. Musste es aushalten.
Es kotzte mich an, den ganzen reichen Kindern nicht ins Gesicht sagen zu können, was ich von ihnen hielt. In manchen Fällen inklusive einer Faust auf die Nase als Nachschlag. Es kotzte mich an, dass ich in ihrer Welt eingesperrt war, wie ein Hund. Ein Schaustück in Mildtätigkeit. Inklusive Kontrollhalsband und Zwinger im Keller des Hauptgebäudes.
Es kotzte mich so sehr an, dass ich viel öfter die Zähne zusammenbeißen musste, um nicht doch gewalttätig zu werden, als in meiner ganzen Zeit im Ghetto.

Und die einzige Möglichkeit, zumindest ein wenig Dampf abzulassen, war die Art und Weise, wie ich mit meinem Ruf umging.
Diese Kids wollten einen Killer, also gab ich ihnen einen. Vergewaltiger? Nichts leichter als das. Immer schön genau dahin gucken, wo man als anständiger Mann nicht hinschaute. Und dabei möglichst arschig aussehen. Wie man sich zu bewegen hatte, damit andere dachten, man wäre gefährlich, lernte ein Straßenjunge früh. Oder er endete als Prügelknabe.
Mit allem, was ich tat, schürte ich ihre Ängste. Und ich genoss es. Es war meine Art zurückzuschlagen.
Eine von zwei Arten, um ehrlich zu sein. Aber die zweite hatte sich aus der ersten ergeben.

Wie sich nämlich irgendwann herausstellte, war abartiger, schmutziger, widerlicher Abschaum offenbar so eine Art Kink. Ein paar der Mädchen fanden das insgeheim so richtig scharf. Und irgendwann hatte es sich dann ergeben, dass aus den feuchten Träumen mehr wurde.
Die anfängliche Gelegenheit war dadurch entstanden, dass ich vom Sportunterricht ausgeschlossen war. Resozialisierung hin oder her - niemand wollte ein Ghettokind dabei haben, wenn die anständigen Kinder spielten. Zu gefährlich. Zu viele Gelegenheiten für ein paar Bodychecks. Sowohl gegenüber den anderen Jungs als auch gegenüber den sportlich leicht bekleideten Mädchen.
Daher verbrachte ich die Sportstunden in einem ungenutzten Umkleideraum, dessen Tür sich in Reichweite der allgegenwärtigen Aufpasser befand. Meistens entweder mit Hausaufgaben oder Lernen beschäftigt oder bei einem Nickerchen.

Und eines Tages stolperte eine meiner Klassenkameradinnen in genau den Umkleideraum, in dem ich auf die Pausenglocke wartete. Und zwar nur wenige Minuten, nachdem die Stunde angefangen hatte.
Anfangs klingelten bei mir alle Alarmglocken. Die Kleine gehörte zur In-Clique. Und auch wenn sie in der zweiten Reihe stand, hatte sie sich mir gegenüber immer genau so verhalten, wie alle anderen. Und nun hatte sie sich offenbar in der Tür vertan.
Außerdem liefen ihr die Tränen über die Wangen und sie schien nicht richtig sehen zu können. Aber wenn sich das legte, würde sie im schlimmsten Fall sofort um Hilfe schreien, wenn sie mich entdeckte. Und in so einer Situation wäre es dann egal, was ich getan oder nicht getan haben würde.

Ich griff also zur einzigen Möglichkeit, die mir einfiel. Ich sagte laut und vernehmlich: „Falscher Raum, Püppi.“
Sie machte natürlich einen Satz und quiekte erschrocken. Aber sie schrie nicht. Sie konnte mich ganz offensichtlich nicht sehen und überraschenderweise antwortete sie mit einem fragenden: „Matt?“
Ich hatte nicht gedacht, dass sie oder irgendeine ihrer Freundinnen meinen Namen kannte. Sie hatten Namen für mich, aber derjenige aus meinem Ausweis gehörte eigentlich nicht zum Repertoire. In meiner Verwirrung bejahte ich das und vergaß dabei sogar, besonders patzig und abweisend zu klingen.
„Oh, hilf mir bitte zum Waschbecken“, bat sie erstaunlich normal. „Ich habe Staub in den Augen und unter den Linsen.“
„Äh…“, machte ich verwirrt.
„Scheiße! Das brennt so!“

Was sollte ich machen? Ich spielte zwar den Arsch, aber in Wahrheit war ich keiner. Zumindest aus meiner Sicht. Also stand ich auf, ging zu ihr und führte sie zu einem Waschbecken. Aber selbst laufendes Wasser half ihr scheinbar nicht dabei, die verschmutzten Kontaktlinsen zu reinigen. Und sie hatte auch Schwierigkeiten damit, sie zu entfernen.
Ihr Gejammer wurde immer lauter und hysterischer, was mir die Sicherheitsleute auf den Korridoren wieder ins Gedächtnis rief.
„Nicht erschrecken“, warnte ich sie, bevor ich ihren Arm griff.
Sie wurde sofort stocksteif, schrie aber nicht los. Also drehte ich sie um und bedeutete ihr mit der Hand an ihrem Kinn, nach oben zu sehen. Dank der Deckenbeleuchtung und ungefähr zwanzig Zentimetern Größenunterschied konnte ich die verschobenen Linsen dann recht gut erkennen. Und sie wehrte sich nicht dagegen, dass ich die entfernte.

Die kleinen Sehhilfen in meiner Handfläche haltend wartete ich ab, bis sie ihre Augen lange genug ausgewaschen hatte, um zufrieden zu sein. Sie konnte sich die Linsen nicht sofort wieder einsetzten. Ihre Augen waren ziemlich gerötet. Aber ich legte die beiden kleinen Dinger erst ab, als ich sicher sein konnte, dass sie damit fertig war, überall Wasser zu verspritzen. Nicht, dass man mir Kontaktlinsendiebstahl vorwerfen würde oder sonst einen Scheiß.
„Ich muss die Augen kurz ausruhen“, erklärte sie, während sie sich an die nächste Wand lehnte und die Lider schloss.
Sie versuchte überraschenderweise nicht, mehr Abstand zwischen uns zu bringen. Und ich fing an mich zu fragen, wieso sie sich gerade beinahe menschlich mir gegenüber verhielt.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

„Ziemlich gefährliche Situation“, murmelte sie nach einer kurzen Weile mit etwas komischem Tonfall und einem noch seltsameren Lächeln.
Ich grunzte nur indifferent, weil ich dachte, sie meine ihre Augen.
„Vielleicht sollte ich um Hilfe rufen …?“
„Was?!“
Vor Überraschung verschluckte ich mich fast.
„Naja…“ Sie säuselte es beinahe und ich hatte ein ziemlich ungutes Gefühl dabei, auch wenn es nicht wirkte, als wolle sie mit den Hilferufen sofort anfangen. „Ich stehe hier und muss meine Augen geschlossen halten. Und ich bin in einem Raum mit einem verurteilten Straftäter.“ Sie schluckte, was ich in dem Moment nicht einordnen konnte, weil ich sie völlig entgeistert anstarrte. „Niemand weiß, wo ich bin und die Lehrerin wird mich nicht so schnell zurück erwarten. Würde dieser schreckliche Mann mir jetzt die Hand auf den Mund legen, würde niemand meine unterdrückten Schreie hören …“
Ihre Stimme klang völlig anders, als der Inhalt ihrer Worte. Aber ich konnte nur weiter verständnislos starren und fragen: „Hast du sie noch alle?“
Sie ignorierte das.

„Er könnte alles Mögliche mit mir anstellen, bevor die Sportstunde vorbei ist. Und erst danach, wenn er mit mir fertig wäre, seine schmutzigen Gelüste an mit erfüllt hätte und geflohen wäre, könnte ich anfangen auf mich aufmerksam zu machen und ihn bei der Sicherheit und dem Direktor anzeigen.“
Sich offenbar in die Sache vertiefend ging ihr Atem schneller. Dann öffnete sie kurz ihre Augen und sah in meine Richtung.
„Aber natürlich könnte ich solche Dinge auch allen erzählen, ohne dass etwas passiert ist. Wer würde schon dem Wort eines verurteilten Verbrechers glauben, wenn der es abstritte?“
Mir klappte die Kinnlade herunter bei dieser unverhüllten Drohung. Und obwohl ich eigentlich wusste, dass sie noch nicht lange genug abwesend war, um ihre Geschichte plausibel zu machen, war mir doch klar, dass sie etwas gegen mich in der Hand hatte.
Sie war nicht blöd genug, um ihre Geschichte nicht den Gegebenheiten anzupassen und für mich reichte schon der Anschein einer unsittlichen Annäherung aus, um meine Zukunft zu zerstören.
Drecksbitch!

„Was willst du?“, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Es war klar, dass sie etwas im Sinn hatte. Ich wusste nur nicht genau, was es war. Und ich hoffte, dass es nichts sein würde, was mir die Art von Schwierigkeiten einbrocken würde, die sie mir gerade angedroht hatte.
Zu meiner Überraschung antwortete sie: „Die Frage ist doch: Was willst du? Willst du zu Recht oder zu Unrecht angezeigt werden?“
In meinem Kopf machte es da endlich ‚klick‘. Sie wollte ein Abenteuer mit dem Abschaum, bevor sie mich für alle Zeiten aus ihrer heilen Welt entsorgte. Und das machte mich wirklich, wirklich wütend.
Vielleicht spekulierte sie nur auf einen kleinen Kick, bevor sie anfing, um Hilfe zu rufen. Aber ich dachte mir in dem Moment, das ich ihr unter diesen Umständen auch geben konnte, was sie so forsch vorgeschlagen hatte. Als keine Gegenleistung für über ein Jahr Demütigung und stellvertretend für all ihre Freundinnen und Freunde.
Also tat ich genau das, was sie gesagt hatte: Ich trat an sie heran und legte meine Hand über ihren Mund.

Ihre Gegenwehr kam in etwa so, wie ich sie erwartet hatte. Sie versuchte, sich von mir zu befreien. Und ich benutzte meine überlegene Kraft und Masse, um sie festzunageln. Die Stärke ihrer Bemühungen ließ mich alle Einschätzungen ihrer Fitness und Kraft ein gutes Stück weit nach unten korrigieren. Aber ich wertete schließlich auch aufgrund meiner Erfahrungen mit Straßenkindern und dachte mir nichts dabei.
Es war ziemlich einfach, ihre beiden Handgelenke in ihrem Rücken mit einer Hand zu umfassen und sie in den angrenzenden Duschraum zu bugsieren. Ihre Abwehrversuche waren unbeholfen und nutzlos. Aber ihre erschrockenes Quietschen, als ich einige Duschen mit dem Ellenbogen aktivierte und sie unter einen Strahl stellte, signalisierte mir, dass es eine gute Idee war, ein wenig mehr Geräuschkulisse zu schaffen.

Ich hatte nicht wirklich vor, ihr etwas anzutun. Das war einfach nicht mein Ding. Egal wie wütend ich war. Aber das wusste sie nicht und ich wollte sie zumindest wirklich denkwürdig bestrafen.
Es war ein wenig schwierig ihren Kopf so unter meinen Arm zu klemmen, dass sie zumindest kurz weiter daran gehindert wurde, zu schreien. Aber es gelang mir, ihre Hände mit einer Kordel zu fesseln, die eigentlich zu meinem völlig nutzlosen Sportzeug gehörte. Danach war es leicht, sie an die Wand zu drücken und mit der Hand auf ihrem Mund zu fixieren.
Ich war so sehr auf mein Ziel ausgerichtet, dass ich nicht bemerkte, wie wenig sie sich danach noch wehrte. Oder dass ihre Augen geschlossen blieben. Ich schob ihr Shirt und ihren Sport-BH ruppig nach oben und riss die Shorts mitsamt dem Höschen nach unten, bis sie in allen wichtigen Bereichen entblößt war.
Dann drängte ich sie mit meinem Körper gegen die Wand und zischte ihr ins Ohr: „Hast du es dir in etwa so ausgemalt?“

Ich hatte Tränen und eine gewisse Demut erwartet. Ich wollte ihr eins auswischen und ich hätte es dabei bewenden lassen. Aber ihre Reaktion zog mir glatt die Schuhe aus.
„Mh-hm“, machte sie und nickte dabei langsam und deutlich. Und gleichzeitig spürte ich ihre Zungenspitze an der Hand über ihrem Mund.
Sie war nicht panisch. Nicht verängstigt. Nicht schockiert. Und ganz sicher nicht gedemütigt.
Sie war geil.
Sie rieb ihren Körper an mir, soweit es ihr kleiner Bewegungsspielraum zuließ. Und sie versuchte, die Barriere meiner Hand mit der Zunge zu durchbrechen. Ich nahm die Hand vor lauter Verblüffung einfach runter. Ich dachte nicht einmal mehr daran, dass sie dadurch ungehindert schreien könnte.
Und sie tat es auch nicht.
Sie hauchte stattdessen: „Vergewaltige mich…“

Ich starrte sie an, aber alles, was ich sah, war Geilheit. Und es ließ mich nicht kalt.
Ich war ziemlich weit vom psychologischen Profil eines Vergewaltigers entfernt, aber ich war ein Mann. Und die Situation gehörte eindeutig in die Kategorie männlicher Wunschträume.
Sie fing an darum zu betteln und zu flehen und ich hörte auf, über die Konsequenzen nachzudenken. Stattdessen tat ich genau das, was sie sich offenbar gewünscht hatte: Ich fickte sie.
Und sie nahm es, wie es kam. Sie nahm meinen Schwanz in den Mund, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Und sie tat gar nichts, um die Fesseln loszuwerden. Sie ließ sich behandeln, wie es mir gerade einfiel, und hatte offenbar ihren Spaß dabei.
Die ganze Zeit über murmelte und wimmerte sie dabei Dinge über die Vergewaltigung, meine Abartigkeit und ihre Hilflosigkeit. Es schien ihr wirklich dabei zu helfen, noch mehr in Fahrt zu kommen.
Zwei Mal musste ich ihr den Mund zuhalten, weil sie wirklich laut wurde. Aber es waren keine Hilferufe. Und am Ende war ich so von Sinnen, dass ich mich nicht einmal aus ihr zurückzog, als ich kam. Was ihr dann noch einmal einen Kick gab.

Nachdem ich wieder zu Atem gekommen war und das Wasser abgestellt hatte, änderte sich ihr Umgangston dann schließlich wieder.
„Mach mich los“, herrschte sie mich an.
„Mal sehen…“, gab ich zurück.
„Sofort!“, forderte sie. „Oder ich schreie doch noch.“
Das reichte immerhin aus, um mich noch einmal etwas wütend zu machen. Grob zog ich sie auf die Beine und presste sie noch einmal mit meinem Körper an die Wand.
„Ich kann dich auch noch ‘ne Runde in den Arsch ficken und dich dann erwürgen, wenn dir das lieber ist“, zischte ich ihr nur Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt zu.
„Oh Gott…“, keuchte sie und es klang zu meiner Frustration nicht sehr verängstigt, sondern eher wieder geil.
Das Klingeln zum Ende der Stunde unterbrach die seltsame Unterhaltung an dieser Stelle. Wir zuckten beide erschrocken zusammen.

„Scheiße“, japste sie. „Mach mich los. Wenn ich nicht sofort in die andere Umkleide komme, fliegen wir sowas von auf.“
„War es nicht das, was du wolltest?“
„Bist du bescheuert?“, fragte sie ganz ernsthaft. „Wer fickt mich dann nächstes Mal in den Arsch?“
Vor lauter Verblüffung fiel mir nichts anderes ein, als sie wirklich zu befreien. Erst mit ziemlicher Verzögerung brachte ich heraus: „Ich wusste gar nicht, dass ihr Barbies auf Analsex steht…“

Flink raffte sie ihre Sachen zusammen und lief aus dem Duschraum. Aber im Durchgang blieb sie noch einmal stehen und blickte kurz zurück.
„Nicht, wenn man mich um Erlaubnis fragt, oder mir die Wahl lässt…“
Und damit war sie weg. Und ich war so reif für eine Zigarette, dass ich mich nicht einmal dafür anzog und sie gleich im Umkleideraum rauchte, ohne über den möglichen Ärger dafür nachzudenken.


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