Kojotenhöhle

Was dich hier erwartet, ist nicht der Versuch, irgendetwas zu umschreiben. Ich nenne die Dinge durchaus beim Namen, auch wenn ich versuche, das niveauvoll zu tun. Und ich versuche außerdem, Geschichten zu erzählen, in denen der Sex ein Teil des Ganzen ist und nicht der einzige Teil. Man findet hier wohl auch Grenzwertiges für manche Geschmäcker. Ob man es als BDSM-artig oder als abartig empfindet, liegt dabei ganz im Auge des Betrachters.

Wenn es dir gefällt, lass es mich wissen. Wenn es dir nicht gefällt, gerne auch. Hinterlass mir einen Kommentar oder schreib es mir per Mail an Mike.Stone bei gmx.net .

Donnerstag, 19. April 2012

Inspirationen... im Leben


Ich hab noch einen zum Thema Inspirationen. Und zwar aus dem ganz realen Leben. Aus meinem Privatleben.
Ich habe nämlich eins, auch wenn ich beruflich wie privat immens viel Zeit vor dem Computer verbringe. Aber ich gehe auch da raus, wo die bösen Bäume, Autos und Menschen sind und stelle mich Gefahren wie dem Wetter, Rentnerinnen mit einem Geldbeutel voller Cents oder der Begegnung mit anderen Menschen.

Tatsächlich tue ich Letzteres sogar gerne (und beim zweiten habe ich auch des Öfteren schon mal die Nachkommastellen mit einem Euro aus meiner Tasche beglichen). Ich stehe auf Menschen. Ich bin ein totales Gesellschaftstier und komme gut in Gruppen zurecht (solange sie nicht virtuell sind) und ich beobachte und interagiere unheimlich gerne.

Für meine Schreiberei ist das nur deswegen interessant, weil ohne reale Bezüge irgendwie kein Charakter Profil hat. Deswegen und weil das Leben manchmal Überraschungen bereit hält, die einfach zu geil sind, um sie unreflektiert wieder zu vergessen.

Um zu verstehen, dass mir vielleicht einen Tick öfter solche ungewöhnlichen Dinge passieren, als Karl Couchkartoffel, muss man wissen, dass ich... eine gewisse Außenwirkung habe.
Ich will hier jetzt keine Lobeshymnen auf mich selbst anstimmen. Nach objektiven Kriterien bin ich nicht sonderlich auffällig. Kein Adonis und kein Quasimodo. Aber ich habe ein einnehmendes Wesen, wenn ich in der Stimmung bin. Und man munkelt, mein Gesicht weist sympathische Züge auf. Ansteckendes Lächeln, funkelnde Augen, die üblichen Verdächtigen, wenn Leute sich in Beschreibungen besonders hervortun wollen, ohne eine Chance zu haben, den Sixpack-Vergleich zu bestehen. Ich muss nicht weiter reden, oder...?

Jedenfalls ist es so, dass ich Gegenreaktionen erzeuge, wenn ich gutgelaunt durch die Weltgeschichte hüpfe. Und damit meine ich keine Tracht Prügel, sondern die etwas angenehmeren Dinge.
Jeder kennt das Phänomen, wie überraschend sich die Atmosphäre ins Positive verändern kann, wenn man der griesgrämigen Kassiererin bei Aldi einfach mal ein Lächeln schenkt. Bei mir ist es oftmals so, dass diese Kassiererin mich dann beim nächsten Einkauf nach kurzem Nachdenken wiedererkennt und mir zögerlich das Lächeln anbietet, dass sie für den ersten Tag ihres Jahresurlaubs oder eine Bonuszahlung reserviert hat. Ganz vorsichtig erst, aber wenn ich es erwidere erstrahlt es und plötzlich ist die Lohnsklaven-Zippe eine fast schon hübsche Frau, der man ein Jahrzehnt der Sklaverei nur noch vage ansieht.
Aber ich will nicht über Aldi-Kassiererinnen reden, obwohl die ein lohnendes Thema sein können, denn wenn du dich mit ihnen anfreundest, ist das Sortiment plötzlich nicht mehr auf den Laden beschränkt, sondern schließt das Lager mit ein. Und sie sind ebenso einfach zu erobern, wie Politessen...

Worum es mir geht ist lediglich, einen Bezugsrahmen zu schaffen. Und ob man mir nun glauben will, oder nicht: Man nehme einfach mal an, dass ich von einer theoretisch vorstellbaren Person rede.
Diese Person ist ein Denker, der alle möglichen Informationen aus seiner Umgebung aufnimmt. Jemand, der auf Details achtet. Und jemand, der selten genug die einzelnen 'Cliquen' seines Bekanntenkreises aufsucht, um dort bekannt zu sein, aber nicht zum Inventar zu gehören.
Und das ist eine Fundgrube für Zufallsbegegnungen.

Wenn ich meine Stammkneipe - eine Mittelalter-Taverne, in der auch normale Menschen willkommen sind - aufsuche, hab ich locker eine 50%-Chance auf so eine Begegnung, und damit auf eine Inspiration.
Und die besten sind die flüchtigen, weil sie Raum für fantasievolle Ausschmückungen lassen.
Ein Beispiel?

Vor einigen Wochen kam ich mit meiner Partnerin zu einer ungewöhnlich frühen Zeit dorthin - also vor Sonnenuntergang. Vor dem Eingangsbereich stand der erwachsene Sohn der Betreiber und rauchte. Aber er war nicht allein. Bei ihm stand eine Frau.
Allen weiblichen Buhrufen, die nun zu erwarten sind, zum Trotz nahm ich sie sehr genau wahr und in Augenschein, denn das hatte sie sehr wohl verdient. Sie war so hochgewachsen und schlank, dass ich normalerweise von einer Bohnenstange sprechen würde. Aber das war sie eben genau nicht.
Ich mag kleine Frauen. das ist ödipal, aber jeder darf da gerne mehr rein interpretieren. Und ich mag Frauen mit Substanz. Also wie die Models dieser Dove-Kampagne, die leider schon wieder in der Versenkung verschwunden ist. Normale Frauen halt.

Sie war mit ihren Schuhen fast so groß wie ich. Also zwischen 185 und 190 Zentimeter Frau. Bei einem geschätzten Gewicht von 60 Kilo. Wirklich, wirklich dünn mit sehr schlanken Armen und Beinen, wenig Oberweite und keinem Gramm Fett oder sichtbarer Muskelmasse irgendwo.
Nicht wirklich mein Typ, auch wenn ihre schwarzen Haare und hellgrauen Augen schon genau in meine Range fallen und sie auch ein wirklich hübsches Gesicht hatte.
Aber sie hatte etwas, dass hochgewachsene Frauen selten haben: Eine aufrechte Haltung. Und sie hatte... Stil. In den Bewegungsmustern und auch in der Ausstrahlung.
Kurz: Ich sah genauer hin.

Natürlich bemerkte sie das, zumal wir ihren Gesprächspartner als alten Freund begrüßten und ich ihr in diesem Zusammenhang zunickte. Und im Zuge dessen konnte ihr gar nicht entgehen, dass ich 'interessiert' war. Nicht einer Frau wie ihr, die sich ihrer Attraktivität bewusst ist und gemessen an ihrem Stilgefühl nicht völlig verblödet sein konnte.
Sie erwiderte meinen Blick mit leicht gesenkten Lidern. Was man so 'katzenhaften' Blick nennt. Und ich gestattete mir einen weiteren Blick auf ihre unglaublich langen Beine, die tatsächlich der absolute Hingucker waren. Mit Proportionen zum Körper, die beinahe an Barbie herankamen.

Soweit diese Begegnung, die ich nur im Kopf behalten hätte, weil ich dieses Bild mit den Beinen irgendwie faszinierend fand. Und es auch schon hier und da in Geschichten verwendet habe, weil es das einfach wert ist.
Aber die Geschichte über die Begegnung ist damit noch nicht vorbei...

Ich sah sie in den folgenden Stunden einige Male und dabei nahm ich mir sehr wohl die Zeit, sie zu betrachten. Ich bin so. Warum auch nicht?
Ich starre nicht nur auf die sekundären Geschlechtsmerkmale. Allein schon, weil ich Gesichter auch sexy finde. Aber ich schaue durchaus alles an, was mich interessiert. Besonders, wenn es sozusagen auf dem Silbertablett präsentiert wird. Und bei dieser Frau war ich mir sicher, dass sie sich nicht damit aufhalten würde so zu tun, als wolle sie nicht angesehen werden.
Sie bemerkte und erwiderte meine Blicke. Nicht so sehr abschätzend, denn mein Gesamtpaket ist schnell ersichtlich und als solches keine zweiten und dritten Blicke wert, wenn man nicht auf den robusten Typ steht. Aber mein Gesicht... Naja... das hatten wir schon und sie glaubte meinen Ausführungen offensichtlich, denn sie schien mein Gesicht interessant genug zu finden, um wieder hinzusehen.

Wirklich interessant dabei war der Funke in ihren Augen. Die Art Glitzern, die dir sagt: Ich bin interessiert. Und: Du hast Chancen.
Sichi. Oft erliegen Männer gewissen Illusionen, was die Botschaften in den Blicken von Frauen angeht, aber ob ich mich geirrt habe (was nicht der Fall ist) oder nicht (was dementsprechend der Fall ist) soll nicht der Punkt sein.

Die Geschichte endete damit, dass sie nach allgemeiner Verabschiedung zum Aufbruch gegenüber denen, die sie kannte, an meinem Tisch vorbei ging und meinen Rücken passierte. Ich hatte es aus dem Augenwinkel mitbekommen und bedauerte eigentlich nur, dass der inspirierende Anblick nun verschwinden würde. Aber wie gesagt: Es war noch nicht vorbei.
Sie blieb stehen. Nicht kurzentschlossen, als sei ihr noch etwas eingefallen. Sie blieb hinter mir stehen, weil sie genau das noch vorhatte.
Ihre Finger berührten mich an der Schulter und ich drehte mich der Aufforderung folgend um. Und sie blickte mir in die Augen, lächelte und sagte: "Machs gut."

Diesen Augenblick zu beschreiben, den ich halb im Automatikmodus mit "Du auch" beantwortete, würde Bände füllen. Und genau darum geht es ja bei Inspirationen, nicht wahr?!
Man mag mir glauben. Oder eben auch nicht. Aber in einer Geschichte, in der ich Glaubwürdigkeit und Eigenarten der Charaktere dem Leser vorgebe, weil sie meiner Imagination und Erinnerung entspringen, würde man nicht infrage stellen, was alles daraufhin passieren könnte. Zumal es ja 'nur Phantasie' ist, gell?!

Wäre ich aufgestanden, hätte mich ihr zugewandt und sie geküsst, hätte sie mitgespielt. Ich weiß das. Sie weiß das und der Rest spielt keine Rolle.
Sie war sich der Anwesenheit meiner Partnerin bewusst. Und es interessierte sie nicht. Was genau auf den Typ Frau hindeutet, der mich reizt.
Und die Vielfältigkeit der Möglichkeiten, diese eine Begegnung im Geiste zu zahlreichen Geschichten zu spinnen, ist das faszinierende und tolle an den Inspirationen aus dem wahren Leben. In dieser Hinsicht wäre es beinahe schade gewesen, auf ihre mehr als eindeutige Einladung einzugehen, weil dann aus den tausend Möglichkeiten eine einzelne Erinnerung geworden wäre. Sicherlich eine heiße, aber eben nur eine, die man abwandeln, aber letztlich nicht verändern kann, weil sie geschehen ist.

Erinnerungen sind es, die das Erfahrungsgebäude speisen, aus denen ich Glaubwürdigkeit zu schaffen versuche. Aber ungenutzte Möglichkeiten sind der Treibstoff für Geschichten, denn sie sind allesamt ungeschriebene Geschichten.


An dieser Stelle ein kleines PS von mir:
Ich bin - wie gesagt - neu beim Bloggen. Ich habe keine Ahnung, ob diese Art von Sermon jemanden interessiert. Also lasst es mich bitte wissen. Ich kann damit aufhören. Oder ich kann mehr davon schreiben.
Sagt mir, was ihr wollt... ;-D

Kommentare:

  1. Coyote
    Das genau ist ja das was bloggen so interessant macht. Du bist nicht auf "Geschichten" oder Genres begrenzt. Du bist Herr über Deine Themen.
    Ich fand Deine Inspiration jedenfalls grade sehr inspirierend. Glücklicherweise bin ich auf Dich gestoßen worden :-), es macht viel Spaß bei Dir zu lesen.
    Du schreibst sehr abwechslungsreich.
    64er

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    1. Danke für den ersten Kommentar in einem Blog!

      Na wenn es nicht nur mich, sondern auch noch dich inspiriert hat, ist es auf jeden Fall keine 'vergebene Liebesmüh' gewesen, es hier zu posten. ;-)
      Und das du meinen Stil unterhaltsam findest, freut mich logischerweise sehr... ;-D

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  2. Hallo Coyote,Dein Schreibstil hebt sich doch sehr von einigen anderen ab; Qualität und Quantität verdienen Respekt. Ich wünsche, ich hätte die gleiche Energie wie Du sie hast. - Dazu kommt noch dieser Blog: Alle Achtung!

    LG PiaPan

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    1. Ich freue mich ehrlich gesagt gerade, dass du mir hier schreibst. So kann ich dich nämlich 'rüffeln', weil du dich nicht selbst so unter Druck setzen solltest. Weder was die Qualität, noch was die Quantität angeht.
      Ich freue mich über ein wenig Bewunderung, aber das hier ist kein Wettbewerb, wer das meiste oder tollste schreibt. Meinethalben dürfte es so viele tolle Autoren geben, wie möglich. Umso mehr für mich zu lesen.
      Sicherlich träume ich davon, irgendwann mal Geld damit zu verdienen. Aber selbst das wäre dann aufgrund meines ganz individuellen Stils und da wäre Platz für viele, viele Kollegen neben mir.

      Versteh das nicht falsch: Ich freue mich über dein lob sehr. Aber da ist auch dieser bittere Beigeschmack deiner Traurigkeit, die ich herauszulesen glaube. Und die macht mich auch unglücklich.
      Die Energie kann ich dir nicht geben, aber vielleicht kann ich dir mit gezielterem Feedback helfen, wenn du magst. Oder irgendwie sonst. Weil ich nämlich sicher bin, dass jeder erzählenswerte Geschichten zu erzählen hat, die kein anderer erzählen kann. Auch DU!
      ;-)

      Schick mir ruhig mal einfach bei sevac eine Nachricht über den Autorenkontakt, wenn du willst. Und sei es nur zum Quatschen und sich austauschen. ;-)

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  3. Du bist wirklich sehr besonders, danke für diesen Blog! Wie du inzwischen ja schon gemerkt haben wirst, habe ich schon erstaunlich viele Gemeinsamkeiten entdeckt, hier auch wieder, lächel
    Auch ich schenke gerne Kassiererinnen ein echtes Lächeln und es ging für diejenige ein wenig die Sonne auf, was ich dann als Gegengeschenk empfand. Niemals kommt nichts und wenn es nur ein klein wenig veränderter Blick ist. Im Grunde sind so beide bereichert worden, so einfach und so wunderschön ist das.
    Auch ich kenne dieses Glitzern in den Augen von Männern, wenn es sozusagen zuvor beim Blickkontakt gefunkt hat und ich liebe es zu flirten, genieße es sehr, auch wenn mein Partner dabei ist.
    Ich finde es toll, dass du diesen Blog geschrieben hast, es kann gerne mehr davon geben, falls dir danach ist.
    Gruß Nachtwind

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