Kojotenhöhle

Was dich hier erwartet, ist nicht der Versuch, irgendetwas zu umschreiben. Ich nenne die Dinge durchaus beim Namen, auch wenn ich versuche, das niveauvoll zu tun. Und ich versuche außerdem, Geschichten zu erzählen, in denen der Sex ein Teil des Ganzen ist und nicht der einzige Teil. Man findet hier wohl auch Grenzwertiges für manche Geschmäcker. Ob man es als BDSM-artig oder als abartig empfindet, liegt dabei ganz im Auge des Betrachters.

Wenn es dir gefällt, lass es mich wissen. Wenn es dir nicht gefällt, gerne auch. Hinterlass mir einen Kommentar oder schreib es mir per Mail an Mike.Stone bei gmx.net .

Dienstag, 3. Juli 2012

Muss man als Autor eigentlich jedes Thema bedienen?


Die Frage kam mir kürzlich unter und ich finde, sie ist eine kurze Überlegung wert, bevor man sie mit einer wohlformulierten, durchdachten und mit zahlreichen Argumenten untermauerten Antwort bedenkt:

Nö.

Aber wenn ich mich mal als Hobby-Psychologe versuche (was mir ja sowieso von all den Ungläubigen unterstellt wird, die noch immer nicht abkaufen wollen, dass ich Gedanken lesen kann), dann interpretiere ich in diese Frage mal spaßeshalber noch etwas mehr hinein.
So wie die Frage nämlich gestellt wurde, war sie nicht nur rhetorisch (der Fragesteller hatte eine explizite Antwort - nämlich ‚Nein, vor allem nicht dieses‘ - im Kopf. Sie war auch ein subtiler Hinweis, der sich ausformuliert vielleicht ungefähr so angehört hätte:
Mich (also den Fragesteller) nervt erheblich, dass du (also der räudige Wüstenköter namens Kojote) dir für deine Geschichte ein populäres Thema (Werwölfe) ausgesucht hast, dass gegenwärtig eine Tendenz entwickelt, sich zum möglichen, nächsten Hype nach der Vampirgeschichten-Schwemme auszuwachsen.

Vielleicht ist es auch noch simpler etwas in der Art von: Mich (siehe oben) nerven Werwolfs-Geschichten. Oder: Mich (jajdajada) nervst du, Kojote, du dämlicher Sack.
Aber da ich das nur dann gepflegt ignoriere, wenn es mir direkt gesagt wird und ansonsten Schwingungen in der Richtung gar nicht erst wahrnehme, kann ich dazu wenig sagen.

Ich KANN allerdings etwas dazu sagen, weswegen ich Main-kotz-stream-würg-Themen aufgreife.
1. Weil ich es kann.
2. Siehe erstens
3. Weil ich mir meine Themen nicht nach populistischen Strömungen aussuche, sondern nach meinem Kopfgefühl und danach, worüber sich eine Handlung in meinem Kopf entwickelt.
4. (und den finde ich richtig interessant: ) Weil ich doch heute, wenn ich mit einer Geschichte anfange, nicht wissen kann, was morgen Mainstream sein wird. Und weil ich gar nichts mehr schreiben dürfte, wenn ich mir meine Themen danach aussuche.

Lieber Fragesteller, liebes Publikum, lieber Bundenachrichtendienst
Es wird vielleicht den einen oder anderen überraschen, aber ich schreibe NICHT, weil ich als Indie-Künstler in die Geschichte eingehen will. Ich schreibe nicht für den großen, künstlerischen Anspruch und weiche nicht vor populären Themen zurück, wie der Vampir vorm Weihwasser, weil die durch zu viel Aufmerksamkeit seitens der Masse beschmutzt sind.
Ich schreibe, weil es mir Spaß macht. Und as a matter of fact führt das zu Themen, die mich interessieren und mir Spaß machen. Und nicht zu Themen, ‚die wirklich von Bedeutung sind‘ oder zu Themen, über die ‚schon immer mal etwas Gehaltvolles gesagt werden musste‘.

Was für ein intolerantes, bigottes und kurzsichtiges Arschloch wäre ich denn bitte, wenn ich Vampire, Werwölfe, Zombies, Inzest oder whatnot einfach nur ablehnen würde, weil das eben Mainstream-Themen sind?
Sicherlich habe ich eine Meinung zu diesen Themen und ihren Adaptionen. Sicherlich finde ich einige zwielichtige Bücher ziemlich scheiße und bin endlos genervt von einigen Filmen und Serien über Beißerchen.
Aber deswegen werde ich nicht nur nicht auf das Thema Vampire verzichten, sondern es GERADE irgendwann aufgreifen. Wenn ich meine, eine bessere Geschichte in dem Genre zu erzählen zu haben. Eine von der Sorte, die bei mir eben keinen Brechreiz verursacht.

Für mich lautet die Frage deswegen: WILL ich als Autor eigentlich jedes Thema bedienen?
Abso-fucking-lutely!
Naja… Fast jedes…
Kaviar als sexuelle Spielart verursacht mir irgendwie immer Brechreiz und wird deswegen unangetastet bleiben, fürchte ich. Und andere Themen sind mir auch fremd und liegen mir deswegen eher fern.
Aber wenn mir was einfällt, dann schreibe ich darüber. Und ich scheiße darauf, ob es gerade Mainstream ist, oder nicht.

Also lieber verschüchterter Hobbyautor, der zu seinem Leidwesen nur eine einzige Vampirgeschichte in seiner Schublade hat und sich nicht traut, mit der herauszurücken, weil Vampire gerade so megaout sind…
Pack sie aus, Mann. Oder Frau… Oder Neutrum, Zwitter, Hermaphrodit… Naja… Ihr wisst schon…
Wenn es dein Thema ist, dann lass dich nicht beirren und veröffentliche es. Wer dich aburteilt, weil es eine Vampirgeschichte ist, der hat einen Sockenschuss undverdient keine weitere Beachtung.

Was bei einer Geschichte zählt, ist allein, wie sie den Geschmack deiner Leser trifft. Qualität und Stil können dir dabei helfen, aber eine sorgfältige Themenwahl sollte man den Medien überlassen. Als Autor kann man nämlich sehr schnell aus einem unbeliebten Thema ein beliebtes machen, wenn man zufällig oder absichtlich den richtigen Ton trifft.
Lass dich um der Hölle willen nicht unterkriegen und bleib dir treu. Wer sich verdreht hat schon eine Sache verloren, die unersetzlich ist - auch für Autoren: Authentizität.

Wenn jemandem ein Thema nicht passt, dann ist er nicht verpflichtet, sich damit auseinanderzusetzen.
Aber wenn jemand erwartet, dass ich eine Kritik ernst nehme, die ausschließlich darauf basiert, dass ich ein Thema aufgegriffen habe, das vor mir gerade ein anderer in der Mache hatte oder das gerade populär ist…
Come ooon…
That’s ridiculous!

Ich kann abschließend nur sagen: Jeder Autor, der auch nur einen Funken Selbstwertgefühl hat, schreibt, worüber er schreiben will.
Wer unter den Lesern eines Krimiautoren rummotzt, dass es nur um Kriminalfälle geht, verdient eine ebensolche, hochgezogene Augenbraue, wie Leute, die bei einer Werwolf-Geschichte über Werwölfe die Nase rümpfen.
Ist ja nicht so, als wäre man hier gezwungen, sich das zu geben. So wie man vielleicht dem Twilight-Hype tatsächlich nicht immer ausweichen kann…

Lieber Fragesteller, liebes Publikum, liebe Central Intelligence Agency, lieber Papst
Ich werde noch mehr Werwolfs-Geschichten produzieren. Und ich plane bereits an einer Geschichte herum, die sich auch mit Vampiren beschäftigt (Schedule: eine Woche bis zehn Jahre). Ich habe konkrete Ideen für eine Story, in der Menschen es mit Mino- und Zentauren treiben. Und ich werde weitere Inzest-Geschichten schreiben.
Wäre eine Veröffentlichung nicht verboten, würde ich sogar über Sex zwischen Menschen und Tieren schreiben. Und sei es nur, weil wirklich ausnahmslos alles in dem Bereich für mich qualitativ unterste Schublade ist.
Ich werde Fantasy-Geschichten schreiben. Und Sci-Fi. Und Contemporary Fantasy. Und…
Ich könnte jetzt noch eine ganze Weile so weiter machen, aber ich denke, es ist klar, was ich meine.

Ich tue das und niemand außer mir kann mich davon abhalten. Und ich rufe jeden Autoren auf, es ebenso zu halten.
Schreib, was du willst. Schreib es, so gut du kannst und stell dich dem unvermeidlichen Urteil über deinen Stil und deine Technik. Aber ignorier die Vögel, die dir wegen der Themen aufs Dach steigen wollen.
Noch darfst du selbst entscheiden, was dir gefällt.

Hab fertig gemotzt. ;-)

Kommentare:

  1. Gut gebrüllt Löwe, grins
    Wäre ja noch schöner, wenn du nicht schreiben könntest worüber du willst! Wem ein Thema nicht gefällt, der muss es ja nicht lesen. Was sollen solche Kritiken? Werde ich nie verstehen, will ich auch gar nicht verstehen, weil ich sie als total daneben empfinde. Kreatives kann und darf man nicht in Richtungen lenken oder gar zwingen. Was raus will muss und soll raus, dabei gibt es keine Tabuthemen - die Fantasie ist grenzenlos, die Gedanken sind frei und das ist gut so!

    Bin baff hier zu lesen, dass Geschichten über Sex mit Tieren verboten sind, hätte ich nicht gedacht... woher kommt dieses Verbot?

    Was grade IN ist, oder was abgedroschen ist, der Zeitgeist, die Normen usw. - sowas ändert sich doch sowieso ständig zum Glück.

    Ich glaube einfach, dass es Menschen geben wird, die immer auf unangemessene Arten meckern müssen, denn konstruktive Kritik ist das für mich nicht. (Zunge raus steck Smiley)

    Danke dir für diesen Blog!
    Gruß Nachtwind

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    1. Danköö! :-D
      Die Gedanken sind frei - mein Re-den!
      Was Verbote angeht: Alte Gesetze, die aufgrund weitgehender Akzeptanz aus der Bevölkerung - oder mangels Initiative von Freigeistern - noch immer reglementiert sind. Der Paragraph dreht sich um Tier- und Gewaltpornographie.

      Glücklicherweise hat der Big Brother 'Merica sein First Amendment und damit Meinungsfreiheit, sodass ich auf amerikanischen Seiten völlig ungehemmt meinen diesbezüglichen Schmutz ablassen kann. Da geistert sogar eine deutschsprachige Geschichte aus der Sparte von mir rum. Eine Rotkäppchen-Adaption...

      Nur für den Fall, dass jetzt irgendjemand denkt: Och, würde ich mal reinschauen...
      Ich hab den Link zu diesem Portal namens Hentai-Foundry strategisch auf der Seite verteilt. Unter anderem ganz oben im Geschichten-Index... :-D

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